Coronavirus

Bischöfe der Nordkirche schreiben an Gemeinden

Der zeitweilige Verzicht auf die vertrauten Gottesdienste und sonstigen Zusammenkünfte sei vernünftig – dennoch falle er nicht leicht, heißt es. Corona sei eine Herausforderung, "die buchstäblich unter die Haut geht".

von Klaus Merhof

Schwerin/Schleswig/Hamburg/Greifswald. Angesichts der Verbreitung des Coronavirus haben sich die Bischöfinnen und Bischöfe der Nordkirche in einem Schreiben an alle Gemeinden, Dienste und Werke sowie die Diakonie gewandt. Darin begründen sie eingangs erneut ihre Empfehlung, alle Gottesdienste abzusagen: Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, könne das Coronavirus übertragen werden. Mit der Absage habe man vor allem die Infektionskette durchbrechen wollen. „Kirchliches Handeln soll dem Leben dienen und es nicht gefährden“, heißt es in dem Schreiben. Unterzeichnet ist es von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt (Schwerin), Bischof Gothart Magaard (Schleswig), Bischöfin Kirsten Fehrs (Hamburg und Lübeck) und Bischof Tilman Jeremias (Greifswald).

Der zeitweilige Verzicht auf die vertrauten Gottesdienste und sonstigen Zusammenkünfte sei vernünftig – dennoch falle er nicht leicht. Kirche sei „Versammlung um Wort und Sakrament“. Doch Kirche sei auch gemeinsames Singen, Kita, Flüchtlingscafé und Gemeinschaft mit den Schwächsten der Gesellschaft. Vieles davon sei ohne persönliche Begegnung nicht möglich.

Dabei seien die Türen der Kirchen nicht die einzigen, die jetzt verschlossen bleiben müssten. Auch Schulen, Theater, Museen, Jahrmärkte und Konzerthäuser blieben zu. „All das schafft Verunsicherung und befördert Ängste. Jüngere Menschen mögen fehlende persönliche Begegnung noch durch soziale Medien kompensieren, doch viele Ältere fürchten die Einsamkeit.“

Rasende Schnelligkeit

Die Corona-Krise sei „eine Herausforderung, die buchstäblich unter die Haut geht“. Innerhalb von zwei Wochen habe sie in rasender Schnelligkeit jegliche Normalität durchbrochen. Der Alltag mit all seinen Äußerungen von Beziehungsnähe gehöre der Vergangenheit an. Und niemand könne verlässlich sagen, wann dieser Ausnahmezustand enden wird.

Derzeit sei hautnah zu erleben, wie wenig das Leben tatsächlich abgesichert und planbar sei. Das sei eine Einsicht, die im Alltag gern verdrängt werde. Frühere Generationen hätten solche Epidemien gelegentlich als „Prüfung“ verstanden. Zwar sei die oft damit verbundene Vorstellung eines willkürlichen oder gar strafenden Gottes heute nicht mehr nachvollziehbar – doch das „Bild der Prüfung“ scheine gar nicht abwegig. Denn das Coronavirus stelle das Gesundheitssystem ebenso auf den Prüfstand wie die weltwirtschaftlichen Verflechtungen, die Art zu Reisen oder die Geschwindigkeit des Nachrichtenkonsums.

Kirche für die Menschen wichtig

Die erzwungene Auszeit wecke Ängste und sei eine Zumutung. Aber sie biete auch „Raum zum Innehalten und Sich-Gewiss-werden“ dafür, „was uns wert ist und wirklich teuer“. Sie schaffe Raum dafür, neu nachzudenken über Krankheit und Sinn, das Leben und den Tod – gerade jetzt in der Passionszeit.

Die Gemeinde Jesu Christi habe „nicht einfach eine beliebige Agenda“, sondern einen Auftrag, verbunden mit einer Verheißung. „Wir werden getröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott“, so die Bischöfe. Überall sei zu merken, dass gerade in krisenhafter Zeit die Kirche für die Menschen wichtig sei – als „Institution des Trostes, der Hoffnung und Vergewisserung“. Dieser Auftrag sei weder an konkrete Gebäude noch an bestimmte Formen gebunden. Der Verzicht auf gewohnte Gottesdienste bedeute keinen Verzicht auf Gebet, Andacht und Seelsorge. (epd)

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