Einsichten – die christliche Kolumne

„Bis der Tod uns scheidet“

Über eine lebenslange Partnerschaft schreibt Sabine Schümann. Sie ist Pastorin der Kirchengemeinde Groß Laasch-Lüblow-Wöbbelin in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Liebe ist stark wie der Tod“ aus Hohelied 8, 6

Bis der Tod uns scheidet – das haben sie einander versprochen. Als die Diagnose feststeht, ist auch klar, dass der Tod die beiden Eheleute sehr viel früher voneinander scheiden wird, als einst angenommen und geplant. Immer wieder sitzt sie am Schreibtisch und sucht im Netz nach neuen Studien, schreibt Ärzte an, fragt bei anderen Betroffenen nach … Ihre Liebe soll nicht enden, und so ermuntert sie ihren Liebsten, kocht sein Lieblingsessen, macht es ihm gemütlich und fährt mit ihm in die Klinik. Als sie eine neue Therapie entdeckt, sitzt sie mit strahlenden Augen an seinem Bett und macht ihm Hoffnung. Beim nächsten Arzttermin will sie das ansprechen.

Er lächelt nur, stimmt ihr zu und tröstet sie. Er macht mit ihr Pläne für die Zeit nach der Therapie, plant Ausflüge und würgt das Lieblingsessen herunter. Eigentlich möchte er nur schlafen.

Gewaltig – und manchmal eine Überforderung

Das Versprechen einer lebenslangen Partnerschaft ist gewaltig und durchaus in manchen Lebensphasen eine Überforderung. Bis zum Tod miteinander zu leben, heißt eben auch, das Sterben des Partners durch- und auszuhalten. Wenn die Liebe überbordend groß ist, dann ist die Trennung durch den Tod ebenso stark. Liebe und Sehnsucht hören nicht auf, weil ein Partner stirbt – wohl aber die Hoffnung auf gute gemeinsame Zeiten. Was zur Liebe unbedingt dazu gehört – von Leidenschaft und Nähe abgesehen – ist Mut zum Aushalten. Was nützt mir die größte Anziehungskraft, wenn ich kein Vertrauen habe und mir der Mut zum Reden fehlt?

In den Wochen vor seinem Tod flammte die große Liebe zwischen ihnen noch einmal auf. Aus den gemeinsamen Plänen wurden zwei Pläne – einer für ihn, sein Sterben und seine Beerdigung. Ein anderer für sie und ihr Leben danach. Sie konnten miteinander reden, weinen, schweigen und lachen.
Gemeinsam fuhren sie noch ein letztes Mal ans Meer. Als er schließlich starb, war ihr, als würde ihr das Herz zerspringen.

Unsere Autorin
Sabine Schümann ist Pastorin in der Kirchengemeinde Groß Laasch-Lüblow-Wöbbelin in Mecklenburg-Vorpommern.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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