Stadtgalerie Kiel zeigt Ausstellung des Malers Peter Nagel

Bilder voller Persönlichkeit

Eine ungewöhnliche Farbigkeit ist es, die das Werk Peter Nagels bis heute auszeichnet. Die Stadtgalerie Kiel widmet dem Künstler zu seinem 80. Geburtstag eine Retrospektive.

"Kunstbetrachtung II" heißt dieses Werk, das kurz vor der Pandemie entstanden ist

von Annie Lander Laszig

Kiel. Ein voll besetzter Theatersaal, das erwartungsvolle Publikum sitzt vor einem farbenfrohen Vorhang und ist gespannt auf den Vorstellungsanfang. Aber der Vorhang bleibt zu –und das jetzt schon über ein Jahr. Peter Nagel hatte dieses Bild kurz vor dem Lockdown gemalt, ohne die Folgen der Pandemie zu kennen. Seitdem hat das Bild einen neuen Bezug. Das Publikum wird ausgeschlossen, auf einmal wird es ein eiserner statt fröhlicher Vorhang.

Die Stadtgalerie Kiel ehrt Peter Nagel zu seinem 80. Geburtstag mit einer umfassenden Retrospektive und präsentiert das vielfältige Œuvre eines Künstlers, der bereits zu Beginn der 1970er-Jahre zu den wichtigsten deutschen Protagonisten eines neuen Realismus in der Malerei zählte. Die Ausstellung ist bis zum 30. Mai zu sehen.

Als Professor an der Kunsthochschule

Fast 20 Jahre lang war Peter Nagel Professor für Malerei an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel. So wird die Ausstellung mit 52 künstlerischen Positionen ehemaliger Studierender der Klasse Peter Nagel erweitert. Seine Inspirationsquellen für seine Motive sind vielfältig, Zeitungbilder, Zugbegleiter-Magazin, Programmhefte, Automagazin und vieles mehr. Die Fotos werden einfach ausgerissen und aufbewahrt für spätere Motive.

In Rom ausgezeichnet

Nach einem Studienaufenthalt 1966 in London wurde er 1969 mit dem Kunstpreis der Deutschen Akademie in Rom ausgezeichnet. Diese Verbindung mit Italien sollte von Dauer werden. 1976 erhielt er ein Stipendium der Deutschen Akademie in Rom und war später Ehrengast in der Villa Massimo. An diese Zeit knüpfen auch Aufenthalte in Florenz als Gastkünstler der Villa Romana an.

Seine Liebe zu Italien findet sich in mehreren Motiven wieder. Angeregt durch ein Marienbild des manieristischen Malers Jacopo da Pontormo, nimmt er die Falten des windbewegten Mantels in changierenden Tönen von Gelb über Rot nach Blau auf. In dem Bild „Sie – ihn“ zeigt er eine selbstbewusste Frau im Eiltempo gehend, die eine große männliche Figur, Typ Manager, unter dem Arm trägt. Er wird sozusagen wie ein „Pappkamerad“ durch die Gegend getragen.

Grelle Farbigkeit

Inspiration bei Jacopo da Pontormo fand er ebenfalls für sein Bild „Theater-Engel“. Zwei Engel in Kleidern mit reichem Faltenwurf, die er in wunderschönen farbigen Nuancen gemalt hat. Der Kontrast ist hier nicht wie in so vielen anderen seiner Bilder grauer Hintergrund, sondern eine gekachelte Wand in Blautönen. Der Kontrast zu der Kachelwand ist befremdlich und macht nachdenklich.

Die grelle Farbigkeit, die heute seine Bilder charakterisieren, hat sich schon in seiner Kindheit tief in seiner Seele geprägt. Er sah während des Krieges als Vierjähriger ein Weihnachtsmärchen mit Rumpelstilzchen in giftigen, knalligen Farben. Diese ungewöhnliche Farbigkeit hat seine Kunst 60 Jahre lang begleitet.

In jedem Bild steckt etwas Persönliches von Peter Nagel. „Ursprünglichste Quelle der Inspiration ist für mich grundsätzlich das eigene Erleben, die eigene Betroffenheit“, sagt Peter Nagel. So dominierten in den 70er-Jahren Szenen mit den pausbäckigen Kindern, was der eigenen familiären Situation Nagels mit seinen Kindern geschuldet war.

Freundlich und verspielt

Kiels Bürgermeisterin und Kultur­dezernentin Renate Treutel sagte bei der Eröffnung der Ausstellung: „Ich freue mich sehr, dass wir die Wiedereröffnung unserer Museen nach dem Corona-Lockdown mit einer Ausstellung feiern können, die weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus strahlen wird. Peter Nagel ist ohne Frage einer der einflussreichsten Kieler Künstler – nicht nur der vergangenen Jahrzehnte, sondern überhaupt.“

Zum Ende seines Studiums an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg wurde Peter Nagel Mitbegründer der Künstlergruppe „Zebra“. Diese hatte zum Ziel, sich von der damals dominierenden Tendenz zur Abstraktion abzukehren und deren formale Errungenschaften in einen neuen Realismus zu überführen. Peter Nagel ist bis heute diesem Ziel treu geblieben. Einige Symbole, die man mit dem Zebra assoziiert, freilebend zu sein, stark, verspielt und freundlich, kann man in seinen Bildern wiederfinden.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren