EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm

„Bidens Wahl ist Signal für Neuanfang“

Er sei zuversichtlich, dass bald christliche Orientierungen eine neue Bedeutung für die US-Politik bekommen, sagt der Theologe. Er ist mit einer Amerikanerin verheiratet.

Heinrich Bedford-Strohm (Archivbild)

Hannover. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht in der Wahl von Joe Biden zum neuen US-Präsidenten ein Signal für einen Neuanfang. „Gegenüber allen nationalistischen Parolen der letzten Jahre übernimmt nun ein Mann das Präsidentenamt, der für Multilateralismus und Völkerverständigung steht“, sagte Bedford-Strohm am Rande der Jahrestagung der evangelischen Kirche in Hannover. Biden habe die Aufgabe, ein tief gespaltenes Land wieder zusammenzuführen und dem Präsidentenamt seine Würde zurückzugeben.

Mit dem zukünftigen Präsidenten seien auch neue Hoffnungen für die Welt insgesamt verbunden. Er habe bereits angekündigt, dass eine seiner ersten Handlungen im Präsidentenamt die Rückkehr zum Pariser Klimaabkommen sein wird, sagte Bedford-Strohm. Der bayerische Landesbischof ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet und hat zahlreiche Freunde und Verwandte in den USA hat.

Die größte Herausforderung

Nachdem Biden acht Jahre mit dem ersten schwarzen Präsidenten eng zusammengearbeitet habe, werde ihm nun Kamala Harris als erste schwarze Vizepräsidentin zur Seite stehen, so der Theologe. „Das alles sind Aussichten, die Hoffnung machen, dass christliche Grundorientierungen wieder eine neue Bedeutung für die US-amerikanische Politik bekommen“, fügte er hinzu.

Dem Evangelischen Pressedienst (epd) nannte Bedford-Strohm als größte Herausforderung für die politische Kultur in den USA, in einem Diskurs Menschen zusammenzuführen, der sich an der Wahrheit und nicht den sogenannten alternativen Fakten orientiert. Die Folgen sozialer Netzwerke für die öffentliche Kommunikation seien auch in Deutschland deutlich zu spüren. „Rechtspopulistische Parteien wie die AfD hätten nie solchen Widerhall gefunden, wenn es nicht die Internetblasen gegeben hätte“, sagte der evangelische Theologe. Insgesamt habe Deutschland aber „einen stabilen demokratischen Diskurs“. Das zeige sich auch angesichts der „sehr emotionalen Diskussionen“ über die Corona-Pandemie.

„Ich hoffe, dass wir diese politische Kultur halten können“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende und fügte hinzu: „Ich bin da sehr zuversichtlich.“ (epd)

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