Bibeltextomaten in Osnabrück

Bibelverse zum Mitnehmen

Sie erfreuen sich großer Beliebtheit: die blauen Bibeltextomaten in zwei Osnabrücker Kirchen. Besucher können dort kleine Karten mit Bibelversen ziehen – wovon sie reichlich Gebrauch machen.

Gruppenbild mit Bibeltextomat (v.l.): Friderike Dauer, Werner Wasmuth, Landessuperintendentin Klostermeier und Klaus Haug

von Andres Wulfes

Osnabrück. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Der vierte Vers des 23. Psalms hat für Werner Wasmuth eine besondere Bedeutung. „Das ist mein Konfirmationsspruch, und der ist für mich mit der Zeit immer wichtiger geworden“, erzählt der Pastor. „Er hat sich auch in kritischen Situationen als tragbar erwiesen.“

Und diese Erfahrung, aus einem speziellen Bibelspruch Kraft zu schöpfen, einen Impuls für den Alltag zu bekommen, die sollen auch andere Menschen machen können – unabhängig von einem besonderen Ereignis wie Taufe oder Konfirmation.

In den zwei großen Innnenstadtkirchen hat die Osnabrücker Bibelgesellschaft um ihren Leiter Werner Wasmuth sogenannte Bibeltextomaten­ aufgestellt. Dort gibt es unaufdringlich und handlich sozusagen die „Bibel to go“: Die Menschen können kostenlos eine Karte mit einem Spruch aus dem Buch der Bücher mitnehmen – eine nach Angaben Wasmuths im Norden einmalige Aktion. Einen Einfluss, welches Kärtchen man erhält, hat der Nutzer des Bibeltextomaten nicht: Die Verse werden nach dem Zufallsprinzip aus den Automaten gezogen.

Bibelverse auch auf Englisch

Einer der blauen Aufsteller mit dem kleinen gelben Automaten als Herzstück hängt in St. Katharinen, die sich als „Gemeinde der Begegnung“ versteht: mit Gott, mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit Kultur. Der zweite Bibeltextomat ist in der St.-Marien-Kirche zu finden, der „offenen Kirche am Markt“, die auch von vielen Touristen aufgesucht wird. Ob weitere Kirchen folgen, müsse man sehen. Der erste Erfolg jedenfalls gibt den Initiatoren recht: In drei Wochen haben mehr als 3000 Kärtchen bereits den Weg in die Taschen der Besucher gefunden.

Die Besucher können die Bibelverse im Scheckartenformat einfach aus dem Automaten ziehen. Die kleinen Impulsgeber gibt es auf deutsch und auf englisch. „Das wird sehr gut angenommen“, freut sich Wasmuth, der viel positive Resonanz hört – und einige Karten auch bereits an ungewöhnlicher Stelle entdeckt hat. Er weiß von vielen Menschen, die die Karte im Portemonnaie bei sich haben, „und bei einer Frau habe ich zufällig gesehen, dass sie den Bibelspruch als ständigen Begleiter immer im Auto liegen hat“. Dabei handelt es sich um den 23. Psalm „Der Herr ist mein Hirte“ – „und die Frau hatte dadurch das Gefühl, behütet zu sein“, vermutet Werner Wasmuth.

Positiver Impuls

Genau das ist auch das Ziel der Aktion der Bibelgesellschaft: Die Bibelverse sollen den Menschen einen positiven Impuls aus der Bibel mit in den Alltag geben, sie sollen als Trost und Ermutigung für das eigene Leben dienen, beschreibt es der Pastor.

Insgesamt 150 Sprüche aus dem Alten wie aus dem Neuen Testament sind es, die verteilt werden – Psalme gehören dazu, Sprüche, Jesusworte, im Grunde „die ganze Bibel“, sagt der Theologe. „Sie sind wie Tauf- oder Konfirmationssprüche“, vergleicht Wasmuth.

Die Bibelverse für den Alltag können aber auch inspirieren und zum Nachdenken anregen. „Und vielleicht machen sie auch neugierig und wecken die Lust, tiefer in die Bibel einzusteigen“, sagt Wasmuth. Das zumindest ist die Hoffnung der Osnabrücker Bibelgesellschaft, die mit ihrer Arbeit die bleibende und aktuelle Bedeutung der Bibel für Glaube, Kirche, Gesellschaft und Kultur auf vielfältige Weise veranschaulichen und bewusst machen will. Die blau-gelben Bibeltextomaten in den Innenstadtkirchen sind dabei nur ein Baustein.

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