Ganz allein auf dem Cape-Wrath-Trail

Bergauf zur Besinnung

Allein mit Gott und der Natur – Pastor Jan Jackisch nutzt das Mini-Sabbatical auch, um sein seelisches Gleichgewicht auf der Wanderung durch die schottischen Highlands wiederzufinden.

Pastor Jan Jakisch ist schon häufiger Wandern gewesen. Nun will er in den schottischen Highlands wieder zu sich finden – und nebenbei Spenden sammeln.

Pastor Jan Jakisch ist schon häufiger Wandern gewesen. Nun will er in den schottischen Highlands wieder zu sich finden – und nebenbei Spenden sammeln.

von Bettina Albrod

Büchen. 350 Kilometer Wandern durch Felsen und Geröll, Flüsse überqueren und in Holzhütten auf dem Fußboden schlafen – das erwartet Pastor Jan Jackisch aus Büchen bei seinem Treck über den Cape-Wrath-Trail in den schottischen Highlands. Der 44-jährige Familienvater hat sich die Tour in eine der einsamsten Gegenden Großbritanniens für sein Mini-Sabbatical ausgesucht. Damit möchte er in Ruhe zu sich selbst finden.

„Ich habe beruflich viel mit Menschen zu tun“, erläutert Jackisch seinen Plan. Der Theologe Miroslav Volf spreche von einem Gleichgewicht des Glaubens: Der Aufstieg sei der Weg den Berg hoch zu Gott, wie ihn beispielsweise Moses mache, der Abstieg führe zurück zum Handeln in der Welt. Nach vielen Jahren Handeln in der Welt sei es für ihn Zeit, wieder einmal den Weg bergauf zur Besinnung zu nehmen, so Jackisch. „Bei der diakonischen Arbeit ist die Zeit für Nachdenken und Gebet zu kurz gekommen.“ Das Gleichgewicht von Auf- und Abstieg sei verloren gegangen.

Technische Hilfe für den Notfall

Jackisch ist seiner Familie dankbar dafür, dass sie seine Entscheidung mitträgt. Einzige Bedingung war, dass er mit einem GPS-Gerät ausgestattet ist, um im Notfall Hilfe zu bekommen. Das zeichnet auf, wo er sich in den drei Wochen Wanderschaft gerade befindet, denn Empfang gibt es in der Gegend kaum. „Teils sind dort gar keine Wege ausgewiesen“, sagt der Pastor.
Neben Lesestoff und Proviant muss er auch ein Zelt mitnehmen, denn entlang des Trails gibt es nur wenige Holzhütten ohne Ausstattung. Getrunken wird aus den Bächen und Flüssen, die als weitgehend sauber gelten. „Es gibt aber auch vereinzelte Orte, wo ich meinen Proviant auffüllen und mal in einer Pension schlafen kann.“

Einsamkeit kennt Jackisch auch aus dem Kloster

Ganz neu ist die Einsamkeit für den Pfarrer nicht. „Meine Familie räumt mir jedes Jahr drei bis fünf Tage geistliche Auszeit ein.“ Die hat er schon im Kloster verbracht, in den Alpen und immer wieder beim Wandern. Jackisch sucht stets die Stille zu Fuß, wenn er allein in Deutschland, in Österreich oder in der Schweiz unterwegs ist. „Die Gedanken kommen häufig beim Laufen.“ Zur Vorbereitung auf den Cape-Wrath-Trail habe er seit Januar wieder mit dem Lauftraining begonnen.

Einige Abschnitte des Trails folgen Wanderwegen, oft geht es durch abgelegenes und wegloses Gelände. Ausgangspunkt des Fernwanderweges ist Fort William, das Ziel der nordwestlichste Zipfel des britischen Festlandes Cape Wrath. Unterwegs möchte Jan Jackisch viel fotografieren, um seinen Weg zu dokumentieren und eigene Bilder von der besonderen Landschaft zu haben. „Wenn ich zurück bin, halte ich in der Gemeinde einen Bild-Vortrag über meine Reise, darum bin ich schon gebeten worden.“

Spenden sammeln für ein Schulprojekt

Ganz ohne diakonisches Gepäck ist Jackisch nicht unterwegs, denn mit der Wanderung möchte er den Verein „Zukunft für Lolas Kinder“ unterstützen. Die Arbeit katholischer Ordensschwestern für Waisenkinder im krisengebeutelten Simbabwe liegt ihm am Herzen. Dort gibt es ein Schulprojekt, das Kindern, deren Eltern an Aids gestorben sind, den Schulbesuch ermöglichen soll. „Der Verein finanziert für derzeit 300 Kinder 75 Prozent ihres Schulgeldes.“ Wenn pro Kilometer, den er zurücklegt, 30 Cent gespendet werden würden, könne das einem Kind den Schulbesuch für ein Jahr finanzieren. „In dem Sinne möchte ich Kapital aus dem Lauf schlagen, das Geldepd geht direkt an den Verein.“

Der Rest seines Sabbaticals ist für ein Coaching- und Beratungspraktikum gedacht. Doch zuerst geht es in die Einsamkeit. Und falls er doch Menschen in den Highlands trifft, ist Jackisch zuversichtlich: „Die Leute auf den Trails sind entweder verrückt ohne Lust auf Gesellschaft.“ Weitere Infos zum Verein, zur Wanderung und über Spendenmöglichkeiten gibt es unter www.lolas-kinder.de/.

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