Osterlachen

Bei Pastor Dierks wird es am Sonntag lustig

Lustig geht es bei Pastor Norbert Dierks am Ostersonntag zu. Seiner Gemeinde wird er einen Witz erzählen und die Tradition des Osterlachens pflegen. Kirche und Humor – das passt für ihn zusammen.

Seit 30 Jahren erzählt Pastor Dierks seiner Gemeinde zu Ostern Witze

von Timo Teggatz

Halstenbek. Kennen Sie den? Unterhalten sich drei Handwerker über ihre Tradition. Sagt der Maurer: „Wir waren schon dabei, als zu Mose Zeiten die Pyramiden in Ägypten gebaut wurden.“ Darauf der Zimmerman: „Wir haben mit Noah die Arche gebaut.“ Da holt der Elektriker aus: „Das ist doch gar nichts! Als Gott sprach ‚Es werde Licht‘, da hatten wir schon alle Leitungen verlegt.“
Pastor Norbert Dierks hat diesen Witz erzählt, und zwar in der voll besetzten Kirche zum Gottesdienst am Ostersonntag  – sehr zur Freude der Gemeinde. Mit seinen Scherzen lässt der Theologe die Tradition des Osterlachens wieder aufleben. Früher erzählten Pastoren von der Kanzel Witze, damit die Gemeinde die Freude der Auferstehung Jesu praktisch erfuhr. So sollte der Tod buchstäblich ausgelacht werden.

Besucher warten auf den Witz

Doch den Reformatoren um Martin Luther gefiel dieser Brauch nicht. Sie setzten sich für mehr Ernsthaftigkeit in den Gottesdiensten ein, nicht zuletzt deshalb, weil es beim Osterlachen in früheren Zeit durchaus derb zugehen konnte. So schlief die Tradition ein.
Pastor Dierks erzählt schon seit etwa 30 Jahren vor der Gemeinde Witze. Inzwischen wissen viele Gottesdienstbesucher, dass es lustig zugeht zu Ostern in Halstenbek, und sitzen gespannt in der Kirche. Um seine Zuhörer nicht zu enttäuschen, geht Dierks in der Woche vor Ostern auf Witze-Recherche. Er liest Witze-Bücher und stöbert im Internet, auch wenn „90 Prozent im Web blödsinnige Scherze“ seien. Drei Gags kommen in die Auswahl, die er dann vor Freunden erzählt. Gemeinsam wird der Witz ausgesucht, der es am Ostersonntag vor die versammelte Gemeinde schafft.
Negative Reaktionen auf seine Tradition hat Dierks noch nicht erlebt. Seine Besucher seien immer sehr angetan gewesen, sagt der Pastor, der sich daran erinnert, dass in den Anfangsjahren die Verwunderung unter den Zuhörern manchmal groß gewesen sei.

Besucher erleben Emotionen

Doch Kirche und Humor – das passt für den Halstenbeker Theologen zusammen. „Warum soll in der Kirche nicht auch mal gelacht werden?“, fragt er. Auch wenn er nur einmal im Jahr Witze im Gottesdienst macht, ist es ihm wichtig, dass die Besucher verschiedene Emotionen erleben. Langweilig wäre es doch, wenn die Besucher nur eine „hochliturgische Stimmung“ erleben würden, sagt Dierks. Selbst bei Trauerfeiern würden die Angehörigen es als entlastend empfinden, wenn auch mal gelacht werden dürfe. Bei seinen sonntäglichen Gottesdiensten macht er auch gern mal eine lockere Bemerkung, sagt etwas mit einem Augenzwinkern oder nimmt jemanden auf die Schippe – „auf nette Art und Weise natürlich“, sodass es den Leuten gefalle.
„Der Wechsel der Stimmungen bringt die Menschen in Bewegung“, ist sich Pastor Dierks sicher. An diesem Ostersonntag ist sicher, dass die Besucher die Kirche mit einem Lachen verlassen, denn den witzigen Einschub bringt der Pastor kurz vor Ende des Gottesdienstes.

Probe vor dem Gottesdienst

Haben sich seine Witze in drei Jahrzehnten verändert? Es sei wie mit einer Predigt, sagt Norbert Dierks. Manche könne man immer wieder erzählen, andere müssten in die Zeit passen. Nur eine Regel hat er sich gesetzt: Die Witze sollten immer mit dem Thema Kirche zu tun haben. Ausnahmen gibt es nur für prominente Politiker – so bekamen auch Angela Merkel und Silvio Berlusconi schon ihr Fett weg.
Auch wenn Dierks schon als Jugendlicher gern Witze erzählte, sei es etwas Besonderes, vor der Gemeinde lustig zu sein. Deshalb übt er den Witz ein. Doch die Pointe habe er noch nie vermasselt, sagt Dierks.
Info
Pastor Dierks wird den Witz gleich in zwei Gottesdiensten erzählen: am Ostersonntag um 10 Uhr in der Erlöserkirche (Friedrichstraße 22) und um 11.15 Uhr in der Arche Noah (Haselweg 37).

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