Urban Gardening einer Kirchengemeinde in Lübeck

Begegnungen beim Gärtnern

Alle zwei Wochen trifft sich die Lübecker Luther-Melanchthon-Gemeinde, um gemeinsam zu gärtnern. So wollen sie die Schöpfung bewahren und die Gemeinschaft erhalten.

Gruppenfoto der Hobbygärtner mitten in der Natur

Jung und Alt machen beim Gartenprojekt der Kirchengemeinde Luther-Melanchthon in Lübeck mit

von Kristina Larek

Lübeck. Kinderlachen rund um das Planschbecken, fleißige Hände im Hochbeet und rege Unterhaltungen an der Biertischgarnitur – das gibt es jeden zweiten Donnerstag auf der Lutherwiese der Kirchengemeinde Luther-Melanchthon in Lübeck. „Urbanes Gärtnern“ heißt das Projekt. Kräuter, Tomaten, Erdbeeren und Salat wachsen rund um den rot-weißen Leuchtturm und Jung und Alt kümmern sich gemeinsam mit Projektleiterin Gesa Hollaender um die Pflanzen.

Die Idee für das Gartenprojekt reifte schon lange in der Gemeinde. Zuerst habe sich ein Vikar der Sache angenommen und vor dem Gemeindehaus Beete angelegt, erzählt Hollaender. „Vor drei Jahren ist das Team dann im Kirchengarten durchgestartet.“ Während die Männergruppe der Gemeinde die Hochbeete baute, wurde der Rasen für Beete vorbereitet. All das rund um den „Luther leuchtet“-Leuchtturm, der für die Mehrgenerationenarbeit der Gemeinde steht, „und da haben wir gedacht, das passt doch super zusammen, diesen Grund hier noch anders zu nutzen“, sagt die Projektleiterin.

Aus dem Samenkorn gezogen

In diesem Jahr hat die Gruppe viele Pflanzen erstmals direkt aus dem Samenkorn gezogen. „Dieser Prozess vom Wunder der Schöpfung. Zu sehen, wie aus dem Samen die Pflanze wird, von der wir essen können“, davon ist auch Hollaender immer wieder begeistert. Und genau das sei auch ein Hintergrund des Projekts. Jung und Alt könnten voneinander lernen und die Begeisterung über jede neu gewachsene Pflanze teilen.

Von Beginn an ist Renate Klüß beim „urbanen Gärtnern“ dabei. Die Rentnerin ist von Rügen nach Lübeck gezogen, weil ihre Tochter in der Stadt lebt. „Ich komme aus der Landwirtschaft und habe mein Arbeitsleben mit der Pflanzenzüchtung verbracht“, erzählt sie. Als das Angebot in der Kirchengemeinde startete, war sie sofort dabei, „weil ich sehr verbunden bin mit Pflanzen“. Und sie freut sich darüber, dass viele Kinder dabei sind und es dadurch ein so lebendiges Projekt ist.

Was Kinder lernen

Durch seine Tochter ist auch Michael Hornig dazu gekommen. „Ich war zuerst nur der Papa, der sein Kind hierher gebracht hat“, erzählt er. Inzwischen packt er gemeinsam mit seiner Sechsjährigen tatkräftig bei Kohlrabi, Kräuterbeet und Salat mit an. „Ich mache mit, weil das Projekt draußen ist und weil wir hier sehr nette Leute treffen“, erklärt er.

Für Projektleiterin Gesa Hollaender hat das „urbane Gärtnern“ zwei ganz wichtige Seiten: „Das eine ist zu beobachten und schätzen zu lernen, wie so eine Pflanze und wie Leben erwacht.“ Zudem lernen besonders Kinder, dass das nicht von allein passiert, sondern sie sich um die Saat kümmern müssen. „Wir haben eine riesige Verantwortung zum Erhalt der Schöpfung, gerade als Kirche.“ Der zweite Punkt sei das Treffen selbst, „denn hier kommen unterschiedlichste Menschen unterschiedlicher Generationen zusammen, die von ihren verschiedenen Lebenserfahrungen profitieren“. Außerdem lädt sie ein: „Hier kann jeder mitmachen, der Lust auf’s Gärtnern und Begegnung hat.“

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