EKD-Synode

Bedford-Strohm zieht Bilanz zum Ende seiner Amtszeit

Das evangelische Kirchenparlament tagt wegen eines möglichen Corona-Falls digital. Der scheidende Ratsvorsitzende Bedford-Strohm gibt seinen letzten Bericht – und findet selbstkritische Worte zur Aufarbeitung von Missbrauch.

Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strom bei seinem letzten Bericht vor der Synode

von epd

Bremen. Auf der Jahrestagung der evangelischen Kirche hat der scheidende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, eine Bilanz seiner siebenjährigen Amtszeit gezogen. Vor der digital tagenden EKD-Synode blickte der 61 Jahre alte bayerische Landesbischof nicht nur auf innerkirchliche Themen wie den Mitgliederschwund und die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.

Angesichts der laufenden Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow sagte Bedford-Strohm: „Wir haben hoffentlich verstanden, dass es um konkrete Menschenleben geht, die wir in der Zukunft opfern, wenn uns die notwendigen Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels heute zu teuer sind.“

Mitten im Lernprozess

Mit der Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt in der EKD äußerte er sich unzufrieden. „Wir sind noch nicht so weit gekommen, wie wir wollten“, sagte der bayerische Landesbischof. „Viel zu oft ist das damit verbundene Unrecht in unseren eigenen Reihen nicht gesehen worden, oder man wollte es nicht sehen“, räumte er ein. Man sei „mitten in einem umwälzenden Lernprozess“, und es liege noch ein weiter Weg vor der Kirche.

Mit einem Gottesdienst im Bremer St. Petri-Dom hat die EKD-Synode begonnen Foto: Jens Schulze / epd

Die evangelische Kirche hatte 2018 einen Maßnahmenplan zur Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt verabschiedet, der unter anderem eine Beteiligung Betroffener vorsieht. Im Frühjahr wurde der zwischenzeitlich gegründete Betroffenenbeirat der EKD nach Auseinandersetzungen bereits wieder ausgesetzt. Die Gründe für das Scheitern sollen nun in einer externen Expertise untersucht werden, hieß es.

Zuvor hatten Betroffene sexualisierter Gewalt die Kirche für den Status quo der Aufarbeitung kritisiert. Für Betroffene habe sich in den vergangenen Jahren nichts oder nur wenig geändert, sagte Katharina Kracht, selbst Betroffene von sexualisierter Gewalt, in einer Online-Pressekonferenz. Kracht und weitere Betroffene zeigten sich auch nicht überzeugt von der nun eingeleiteten Untersuchung zum Scheitern der Betroffenenbeteiligung. Die damit befasste Expertin könne beispielsweise aus Sicht der Betroffenen keinerlei Fachlichkeit im Bereich sexualisierter Gewalt aufweisen.

Betroffene kommen zu Wort

Die 128 Synodalen sollen am Montagnachmittag über die Aufarbeitung des Missbrauchs diskutieren, auch Betroffene sollen zu Wort kommen. Derzeit sind 942 Fälle von sexualisierter Gewalt in der EKD bekannt.

Die Synodentagung ist zuvor mit einem Gottesdienst im Bremer Dom St. Petri eröffnet worden. Die Synode berät bis Mittwoch digital, weil ein Teilnehmer einer vorbereitenden Gremiensitzung positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Am Dienstag und Mittwoch werden der Rat der EKD als Leitungsgremium neu gewählt und der Ratsvorsitz neu vergeben. Bedford-Strohm stellt sich nach sieben Jahren an der EKD-Spitze nicht erneut zur Wahl.

Ralf Meister gewählt

Am Samstag hatte die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) verspätet getagt und den hannoverschen Landesbischof Ralf Meister im Amt des Leitenden Bischofs bestätigt. Seine Stellvertreterin bleibt die Bischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt. (epd)

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