Neue Route

Bald wird in Vorpommern gepilgert

Noch sind die Beschilderungen improvisiert. Noch gibt es auch keine Karte über einen Pilgerweg von Bodstedt bis Franzburg. Doch die Vorbereitungen laufen.

Auf dem Weg (v.l.): Gerd Albrecht, Wolfgang Drews und Stefan Fricke

von Christine Senkbeil

Bodstedt. Die Sonne kämpft sich durch die Wolken, als eine kleine Pilgergruppe die St.-Ewald-Kirche Bodstedt betritt. Einer trägt einen laubgeschmückten Stab. Vor dem Altar spricht ein anderer den Segenswunsch für den kommenden Weg. Dann brechen sie alle auf, um unter ihren Füßen einen Weg zum Pilgerweg zu machen. Ein erstes Stück der Etappe Bodstedt-Franzburg wird heute zur Probe gegangen.

Wolfgang Drews aus Pruchten bei Barth hat sich mit dafür engagiert. „Zum Pilgern braucht man nicht bis nach Trier, das kann man auch vor der Haustür“, findet er. Tatsächlich ist er mit seiner Frau Annett schon vom Norden aus bis in die Stadt an der Mosel gelaufen, seit 2017 in vielen kleinen Etappen. Nun steckt er im Pilgerfieber. Als er 2018 ein Praktikum im Bibelzentrum Barth begann, wo ein fast schon antik gewordenes Pilgerweg-Projekt vor sich hinschlummerte, passte dann alles zusammen.

Pastoren machen mit

Ein Kreis von Engagierten ist seitdem dabei, den Pilgerweg zwischen Bodstedt und dem etwa 50 Kilometer südlich gelegenen Franzburg vorzubereiten. Pastoren der Region machen mit, Bibelzentrumsleiterin Nicole Chibici-Revneanu und Gemeindeangehörige. 2018 reichten sie über das Amt Barth bei der Leader-Aktionsgruppe Nordvorpommern einen Projektantrag ein. „Noch kurz vor der Corona-Krise saßen wir alle hier zusammen“, erzählt Mitakteurin Karen Hoppenrath. Inzwischen ist die Route umrissen, die Planung konkret. Eine Internetseite müsse noch entstehen, das Netzwerk ausgebaut werden. Für die Phase der Umsetzung will die Gruppe beim Wirtschaftsministerium Förderung erbitten.

An der Kirche in Bodstedt geht’s los Foto: Christine Senkbeil

Nicole Chibici-Revneanu regt an, dass der Weg viele Erlebniswelten in sich vereinen soll. „Sodass man ihn mit spirituellem Interesse gehen kann, eben als Pilgerweg, und dafür Impulse findet, aber auch mit kulturellem Interesse: sodass beispielsweise Sehenswürdigkeiten ausgeschildert sind.“ Eine dritte Erlebnissphäre soll der Weg als Naturerlebnisweg haben. „Weil es da auch Spannendes zu entdecken gibt.“ Und schließlich sei die Welt der Sagen und Legenden eine vierte Dimension. „Da sind dann Bäume oder Steine mit besonderer Geschichte zu entdecken.“ Auf Tafeln oder per QR-Code sollen regionale Sagen nachzulesen sein.

Schon vor Hape Kerkeling wurde gepilgert

Dass Pilgern in der Region lange Tradition hat, darauf macht Gerd Albrecht aufmerksam, Leiter des Vineta-Museums Barth und „dienstältester“ Pilgerweg-Aktivist. „Bevor Hape Kerkeling überhaupt losgelaufen ist, haben wir im Barther Land schon über diesen Pilgerweg nachgedacht“, berichtet er. Pilgern war im Mittelalter vor Ort eine wichtige Säule. „Die Region hat mit Kenz und der Marienstatue die größte pommersche Pilgerstätte“, sagt Albrecht. „Aber auch Bod­stedt war Pilgerstätte, wo man per Seefahrt ankam.“ Nun gehe es darum, an alte Wege anzuknüpfen und neue zu erschließen, erklärt Stefan Fricke, Pastor in Barth. „Orte, die sowieso Anlaufpunkte sind, sollen auf die kleineren hinweisen. St. Ewald in Bodstedt zum Beispiel würde von Barth aus niemand automatisch ansteuern. Aber so führt es dann dazu, dass überall etwas entsteht.“

Über den Wegeverlauf hat sich Wolfgang Drews viele Gedanken gemacht. Immer wieder ging er los, um noch Alternativrouten zu entdecken. „Wir wollten möglichst wenig Asphalt, viele Wald- oder Feldwege dabeihaben.“ Und gerade da sei viel zu klären. Führt der Weg über landwirtschaftlich genutzte Fläche, versuchen sie, die Landwirte ins Boot zu holen. „Das klappt ganz gut“, sagt Pastor Fricke. „Wichtig ist auch, dass die Wege nicht zuwachsen und freigeschnitten werden.“ Darum sucht Wolfgang Drews Wegpaten.

Start geglückt

Auch Pilgerherbergen müssen in dem von ihm entworfenen Pilgerpass noch eingetragen werden. In der letzten Phase sollen Sitzgruppen aufgestellt, Info-Tafeln, Ausschilderungen installiert werden. Noch ist viel zu tun. Nach den ersten drei Kilometern des neuen Weges wirkt Wolfgang Drews aber erst einmal zufrieden. Seine Frau wartet mit Kaffee und Kuchen für die ganze Mannschaft. Der Start ist gemacht.

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