Empfang für Geläut

Bald läuten die neuen Glocken von Güstrow

„Ein großer Tag“, freut sich der Pastor über die neuen Glocken für die Kirche von Güstrow. Bis sie zu fünft erklingen, dauert es nicht mehr lange.

Bei der Friedensglocke müssen Zuschauer helfen, sie in die Kirche zu schieben

von Marion Wulf-Nixdorf

Güstrow. Die vier „alten“ Glocken, von denen zwei 1950 gegossene Eisenhartgussglocken im Turm ersetzt werden, geben sich heute noch einmal richtig Mühe, sagt Heidi Wellmann, die viele Jahre an der Pfarrkirche gearbeitet hat. Der Posaunenchor spielt. Zehn Minuten vor 11 Uhr biegt ein Polizeiauto, dicht gefolgt von einem Laster mit drei geschmückten Glocken auf den Güstrower Markt ein, hält vor dem Eingang der Pfarrkirche. An die 180 Menschen – so schätzt es der Küster – klatschen, zücken die Handys oder Fotoapparate.
„Es ist ein großer Tag. Es berührt das Herz. Eine Kriegswunde wird geschlossen“, sagt Gemeindepastor Matthias Ortmann. Sollen diese drei neuen Glocken, die im vergangenen Jahr in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer in Anwesenheit von rund 70 Gemeindemitgliedern gegossen worden waren, doch die nächsten Jahrhunderte in Friedenszeiten zu Gottesdiensten rufen.

Alle wollen die Glocken sehen

Matthias Ortmann, vier Monate vor dem Ruhestand, schlägt jede Glocke an, die vom Lastwagen mit starker Technik einzeln in die Kirche gebracht wird. Die erste ist die kleinste, die Marienglocke. Maria ist die Namenspatronin der Pfarrkirche. Die zweite ist die Sonntagsglocke. Die Friedensglocke, die größte, die je in Lauchhammer gegossen worden ist, kommt als letzte vom Wagen. „Großer Gott, wir loben dich“ singen alle.
Um 11.30 Uhr sind alle Glocken und Menschen in der Kirche. Jeder will gut sehen können. „Ausnahmsweise dürft ihr euch auf die Bänke stellen“, ruft Ortmann. Um 11.40 Uhr fährt der Lastwagen ab.
Bei der Andacht im Eingangsbereich der Kirche erklärt der Pastor, was auf den einzelnen zu lesen ist. Auf jeder steht, welche sie ersetzt. Die Marienglocke, 1,5 Tonnen schwer, mit dem ganzen Magnifikat ersetzt eine 1503 gegossene, 1701 und 1854 umgegossene Glocke, im Krieg zerstört, 1950 durch Eisen ersetzt, neu gegossen 2015.
Die ursprüngliche Sonntagsglocke war 1508 geweiht, 1600 und 1854 umgegossen worden. Auf der neuen steht ein Wort aus dem Buch des Propheten Micha, ein Bild zeigt eine Menschenmenge. Sie soll die Verbindung von Rathaus und Kirche symbolisieren, eine Einladung an alle Menschen der Stadt sein.

Die Friedensglocke wiegt 3,2 Tonnen

Die 3,2 Tonnen schwere Friedensglocke mit einem Durchmesser von 1.80 Meter ist die 820. in Lauchhammer gegossene Glocke. Auf ihr steht unter anderem die Jahreslosung von 2015.
Sechs Wochen werden die Glocken nun unten in der Kirche stehen. Jeder kann sie anschauen, die Schrift lesen, auch mal Streicheln, schlägt Ortmann vor. Zum Konfirmationsgottesdienst am Pfingstsonntag soll dann das Fünfergeläut erstmals klingen. Und dann können die Konfirmanden ihren Enkeln erzählen: „Als die Glocken das erste mal zusammen läuteten, da wurde ich konfirmiert."

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