Hamburger Vikarin Merle Schröer betreibt Instagram-Kanal der Militärseelsorge

Aus der Lebenswelt der Soldaten

Merle Schröer ist Vikarin einer Hamburger Gemeinde – und führt den Instagram-Kanal der Evangelischen Militärseelsorge.

Merle Schröer betreibt den Instagram-Account "emilseels"

von Friederike Lübke

Hamburg. Auf ihrem Profilbild sieht man sie nur von hinten, dafür ist das Kreuz auf ihrer Jacke umso deutlicher zu sehen. Merle Schröer trägt das Logo der Evangelischen Militärseelsorge und ist als deren Seelsorgerin unterwegs. Allerdings nicht an einem Stützpunkt, sondern vor allem online, in dem sozialen Netzwerk Instagram. Dort richtet sie sich deutschlandweit an alle Soldatinnen und Soldaten, die in dem Netzwerk unterwegs sind.

Vikarin Schröer füllt den Kanal „emilseels­“ mit Fotos, kurzen Videos und Impulsen. Soldaten und ihre Angehörigen können sehen und lesen, was sie online stellt. Sie können sie aber auch kontaktieren, wenn sie über etwas reden wollen, ihr Fragen stellen und sich mit ihr austauschen. Schröer berichtet zum Beispiel über Veranstaltungen, die sie besucht, wie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Frauen in der Bundeswehr“. Und sie greift Themen aus der Lebenswelt der Soldaten auf, zum Beispiel Fernbeziehungen. Das sei ein „Riesenthema“, sagt sie. Oder: alleinerziehend als Frau und Soldatin. Regelmäßig lässt sie sich von Soldaten erklären, was deren Tattoos bedeuten und welche Geschichten dahinterstecken.

Von nachdenklich bis witzig

Die offizielle Bezeichnung ihrer Arbeit lautet Instagram-Beauftragte der Evangelischen Militärseelsorge. Wenn Schröer über ihre Arbeit spricht, nennt sie sich häufig. „das Gesicht“ dieses Instagram-Accounts. Die 29-Jährige stellt Nachdenkliches online, hat aber auch viel Witz in ihren Videos. Zum Beispiel, wenn sie so tut, als könne sie sich innerhalb von Sekunden den Talar überziehen, oder wenn sie im Takt eines Rap-Songs zum Altar hüpft.

 

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Mehr als 2100 Follower hat die Militärseelsorge auf Instagram. Etwa 30 bis 50 Leute diskutieren mit, wenn sie eine Frage in die Runde stellt. In der Gemeindearbeit muss sie viele unterschiedliche Menschen ansprechen. Bei Instagram arbeitet sie zielgruppenorientiert. Die Instagram-Nutzer, denen sie dort begegnet, sind zwischen 18 und 34 Jahre alt und eher unreligiös geprägt. Es sind Menschen, „an die wir vorher nicht rangekommen sind“, sagt sie, und die sie nun erreicht, weil sie da ist, wo sie auch sind.

Für die Militärseelsorge hat sie sich schon während ihres Studiums engagiert, zunächst ehrenamtlich­. Bei einem Seminar zum Thema „Gewalt im Fokus der Ethik“ für Studierende der Bundeswehr-Universität in Hamburg fiel dem anwesenden Militärseelsorger auf, dass sie gut mit den Soldaten zurechtkam. Er lud sie ein, sich zu engagieren. Nach dem Examen wurde ihr die Instagram-Arbeit als Projektstelle angeboten, zunächst befristet bis Ende des Jahres. Jetzt macht Merle Schröer beides: Vikariat und Instagram-Seelsorge.­

Als Seelsorgerin immer erreichbar

Das Vikariat in der St.-Simeon-Gemeinde in Hamburg-Alt-Osdorf findet regulär statt, die Projektstelle kommt mit sechs Stunden pro Woche noch hinzu. Damit Schröer das schafft, muss sie sich gut organisieren. Es kommt ihr entgegen, dass sie von überall auf den Instagram-Kanal zugreifen kann, in der U-Bahn ebenso wie zu Hause. Dafür stößt sie freitagsabends Diskussionen an, wenn die Soldatinnen und Soldaten frei haben – und Zeit zum Reden. Schröer sieht sich als Seelsorgerin, die erreichbar ist. Ob morgens am Küchentisch oder abends auf dem Sofa.

Über das soziale Netzwerk und den Kontakt mit den Soldaten bekommt sie einen Einblick in das, was sie bewegt. Die Machtübernahme der Taliban war ein großes Thema, berichtet sie. Viele Soldaten hatten das Gefühl, dass ihr Einsatz dort sinnlos war. Der Ukraine-Krieg beschäftigt nun ebenfalls viele – allerdings genauso wie die übrige Bevölkerung. Der Alltag der Soldaten hat sich durch den Krieg nicht verändert, die Alltags­probleme sind ebenfalls noch da.

Ziel erreicht

„Ich bin eine Ansprechperson, die sie sonst nicht hätten“, sagt Schröer und freut sich, dass junge Soldatinnen und Soldaten sich trauen, ihr zu schreiben. Ein Ziel ihrer Arbeit habe sie damit schon erreicht.

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