Pastorin Kristina Pitschke in Horst

Aus dem Westen in den Osten

Die 29-Jährige stammt aus der Großstadt Hamburg und arbeitet seit kurzem als Pastorin auf dem pommerschen Land. Kein Kulturschock, denn sie mag Landschaft und Menschen.

Kristina Pitschke bei ihrer Ordination mit Bischof Tilman Jeremias im Greifswalder Dom

von Annette Klinkhardt

Horst. „Ich habe es gut getroffen“, sagt Kristina Pitschke über ihren Einsatzort zwischen Greifswald und Stralsund: In Hamburg ist die heute 29-Jährige aufgewachsen, seit Februar arbeitet sie als Pastorin der Kirchengemeinden Horst, Reinberg und Reinkenhagen, mitten auf dem Land. „Ich erlebe hier eine große Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit und bin sehr willkommen geheißen worden“, erzählt sie. „Auch die Leute aus den Dörfern, die nicht zur Gemeinde gehören, sind sehr freundlich und interessiert, wenn ich mich als neue Pastorin vorstelle. Ich habe das Gefühl, dass hier alle gut zusammenhalten.“ Außerdem sei sie „verliebt in die Landschaft“, gesteht sie.

Mitte September wurde Kristina Pitschke von Bischof Tilman Jeremias ordiniert, offiziell für ihren Dienst gesegnet, zusammen mit Pastorin Sonja Reincke aus der Kirchengemeinde Siedenbollentin. Nach der praktischen Theologie-Ausbildung im Vikariat dürfen beide nun öffentlich predigen, taufen und das Abendmahl austeilen.

Gemeinschaft und Gestaltung

„Mit Kristina Pitschke und Sonja Reincke darf ich zwei Frauen ordinieren, die menschlich und theologisch sehr viel mitbringen für das Pfarramt“, sagte Bischof Tilman Jeremias beim Einführungsgottesdienst im Greifswalder Dom. Beachtlich sei, dass sich beide für den Dienst in sehr ländlichen Strukturen entschieden hätten. „Das zeigt, dass die pastorale Arbeit auf dem Land neben all ihren Herausforderungen auch eine ganz besondere Ausstrahlung hat.“ Der Bischof glaubt: „Ländliche Gemeinden bieten oft eine gute Gemeinschaft und kreative Gestaltungsmöglichkeiten.“

Über zwei enge Freunde, die sich taufen ließen, war Kristina Pitschke mit 18 Jahren zum Theologiestudium gekommen. „In Potsdam habe ich zwei Pastoren angetroffen, die mir gezeigt haben, dass Glaube auch etwas für mich sein kann“, erzählt sie. Nicht verstaubt hätten sie gesprochen, sondern sehr zugewandt. „Auf einmal entdeckte ich, dass die Bibel nicht nur so ein altes Buch ist, sondern sich genau mit den Fragen beschäftigt, die mich als Jugendliche existenziell umgetrieben haben.“

Ihr Start fiel in die Corona-Krise

Diese Pastoren sind bis heute ihr Vorbild: „Mir ist wichtig, dass wir Kirche wirklich leben, dass wir Pastorinnen und Pastoren uns darum bemühen, dass sich möglichst viele angesprochen und gesehen fühlen.“ Im Mittelpunkt stehe dabei das christliche Menschenbild. „Wir alle sind Geschöpfe Gottes, und Gott möchte uns nahe sein“, sagt Kristina Pitschke, „Darauf basiert unsere Gemeinschaft, auch wenn es bei uns nicht 40, sondern zwölf Leute im Gottesdienst sind.“

Ihr Start als Pastorin fiel mitten in die Corona-Krise. „Wir hatten bei unserer Ausbildung erfahren, was man während der 100 ersten Diensttage alles tun soll: überallreinschnuppern, die Senioren und Kirchengemeinderäte besuchen – das ist leider flachgefallen“, erzählt die 29-Jährige. Geholfen habe ihr da der kollegiale Zusammenhalt: „Wir haben als Kirchengemeinden versucht, das regional zu lösen und dabei schon etwas unseren neuen Pfarrsprengel ‚Kirche am Sund‘ vorweggenommen.“

Gottesdienst für alle Generationen

Inzwischen haben sich die fünf Kirchengemeinden Horst, Reinkenhagen, Reinberg sowie Brandshagen und Abtshagen-Elmenhorst mit Pastorin Viviane Schulz offiziell zum Sprengel verbunden, um verstärkt zusammen zu wirken – etwa bei regionalen Gottesdiensten oder beim Konfirmandenunterricht. „Wir haben in der Zeit des Lockdowns Rätsel verschickt an unsere Senioren und Briefe an die Leute, von denen wir wussten, dass es ihnen guttut“, erzählt Kristina Pitschke. Auch den Kindern hätten sie geschrieben. „Wir haben das Hoffnungsläuten unserer Kirchenglocken per Handy aufgenommen und mit ermutigenden Botschaften herumgeschickt.“

Von ihrem Vikariat in der Greifswalder St.-Jacobi-Gemeinde bringt Kristina Pitschke auch die Lust auf neue Gottesdienstformen mit: „In St. Jacobi haben wir einen Gottesdienst für Kinder und Erwachsene entwickelt. Einen für alle Generationen möchte ich auch hier anbieten.“ Sie freut sich darauf, wenn die Seniorenarbeit wieder regulär stattfinden kann. „Da ist so viel Lebensweisheit und Humor bei den älteren Leuten auf den Dörfern“, sagt sie. „Gerade wenn sie noch den Krieg miterlebt haben oder sich zu DDR-Zeiten gegen alle Widrigkeiten für die Kirche engagiert haben, begegnet mir da eine beeindruckende Lebensleistung und Stärke.“

Info
Annette Klinkhardt ist Pressereferentin von Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel MV.

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