Einsichten – die christliche Kolumne

Aufbruch

Über den Alltag nach dem Weihnachtsfest schreibt Pastor Tilman Baier. Er ist Chefredakteur der Evangelischen Zeitung und der Kirchenzeitung MV.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ aus Matthäus 3, 13-17

Erst gut zwei Wochen ist es her, dass die Geschichte von einem Neugeborenen in einer Futterkrippe im fernen Bethlehem wieder Millionen Menschen anrührte. Sicher, es bleibt Vermutung, was denn diese oder jenen am Heiligabend wieder in die Vesper getrieben hat und ob sie da auch das fanden, was sie gesucht hatten. Der Evangelist Lukas erzählt, dass Engel den schlichte Hirten den Weg zur Krippe gewiesen hätten. Hochgebildete Männer folgten, so der Evangelist Matthäus, einer außergewöhnlichen Himmelserscheinung. Und Hirten wie Weise entdecken in dem Windelbündel den Retter der Welt.

Nun liegt selbst der Tag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar hinter uns und damit auch die eigentliche weihnachtliche Festzeit. In unserer evangelischen Kirche wird an diesem Tag nach altkirchlichem Vorbild das Epiphaniasfest gefeiert, das „Fest der Erscheinung des Herrn“. Seine Symbole sind nicht mehr die Krippe und die Heilige Nacht. Aus dem Stern, der die Weisen durch die Dunkelheit zur Krippe führt, wird der Morgenstern, der den neuen Tag ankündigt – und das Wirken des Christus. Nun muss sich das, was uns in der Heiligen Nacht angesichts dieses Babys anrührte, im klaren, oft kalten Licht des Alltags bewähren.

Auch die Evangelienlesung an diesem 1. Sonntag nach dem Epiphaniasfest, die ebenso Predigttext ist, bleibt nicht stehen bei dem Bild von der Krippe. Aus dem Baby ist ein Mann geworden, der eine Mission zu erfüllen hat. Und die hat nichts Anheimelndes mehr, wissen wir doch, dass sie ihn schon bald ans Kreuz bringen wird. Nun aber legitimiert ihn Gott selbst: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Wenn wir an der Krippe stehen bleiben, weil es einfacher ist, sich von einem Säugling anrühren zu lassen als von diesem Mann Jesus, dann werden wir ihn verlieren. Denn der, von dem wir als „Retter der Welt“ gesungen haben, ist schon unterwegs in den Alltag der Menschen, in unseren Alltag. Gott selbst bestätigt ihn dafür. Jetzt kommt es darauf an, ihn hier zu finden, auch ohne Engel und Himmelserscheinung.

Unser Autor
Pastor Tilman Baier ist Chefredakteur der Evangelischen Zeitung und der Kirchenzeitung MV.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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