Gemeinden unterstützen Protest gegen AfD

Aufbruch zur Menschlichkeit

Bläsermusik nahe der Strandpromenade – keine ungewöhnliche Einstimmung auf den Advent. Diesmal ist es anders, denn die Klänge begleiten eine Demo gegen die AfD.

Bläser vom Mönchgut, aus Stralsund und Nordrügen sind am „Arkona“-Hotel in Binz versammelt, um mit 450 Teilnehmern an einer Kundgebung des Bündnisses „Rügen für alle!“ teilzunehmen. Am vergangenen Sonnabend protestierten sie gemeinsam gegen die AfD-Versammlung.

Bläser vom Mönchgut, aus Stralsund und Nordrügen sind am „Arkona“-Hotel in Binz versammelt, um mit 450 Teilnehmern an einer Kundgebung des Bündnisses „Rügen für alle!“ teilzunehmen.

von Christine Senkbeil

Binz. Sonnabendvormittag an der Strandpromenade von Binz. Ein Großaufgebot von Polizeifahrzeugen parkt vorm Hotel „Arkona“. Stellzäune verriegeln den Zugang, Polizisten überall. Ein paar Demonstranten haben Transparente ausgerollt. Bereit für die Ankunft Björn Höckes, des AfD-Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag. Doch nicht bereit, ihn willkommen zu heißen.

Der rechtsnationale Flügel der rechtspopulistischen Partei tagt zurückgezogen in dem Hotel auf der Insel Rügen. „No AfD“ steht auf Plakaten. „Rügen ist bunt.“ Auch Greifswalder unterstützen die Rüganer. „Wir sind die Mahnwache am Hintereingang“, sagt Pastor Michael Mahlburg.

Choräle als Protest gegen die AfD

Musik erklingt von der anderen Seite des Hotels. Es sind Bläser der Insel. Choräle klingen in den grauen Novembertag, verbreiten fast adventliche Stimmung – hier  jedoch als Protest gegen die, die so gern das Adjektiv „christlich“ als Kampfwort für ihre Zwecke missbrauchen. Auf dem Platz hinter dem Arkona hat sich nach einem Protestmarsch durch den Ort die Menge vor der Bühne versammelt. Rund 450 Menschen sind aufgebrochen, um „Nein!“ zu sagen zu menschenfeindlichen Haltungen und um für eine offene und tolerante Gesellschaft zu demonstrieren: „Rügen für alle.“ Ein Bündnis aus Parteien, politischen Vereinigungen, Jugendorganisationen, Kulturgruppen und Schulen hat eingeladen. Kirchengemeinden sind dabei, Einwohner, Besucher, sogar Busse aus Berlin.

„Damit man sieht, wo wir stehen“

„Die Stimmung ist bewegend“, findet Kantor Frank Thomas aus Bergen. Auch die Bläser hatten ihre Unterstützung angekündigt. Angezogen als „obligatorische Zwiebel“, wie Thomas sagt, denn nach vier Stunden Spiel im Freien zieht die Kälte doch in alle Glieder. „Herr, mach uns stark“, bliesen sie. Kirchliche Choräle aus dem Gesangsbuch. „Bekenntnisstücke“, sagt der Kantor. „Damit man sieht, wo wir stehen.“

Sie erklangen abwechselnd zu verschiedensten Wort- und Liedbeiträgen: Vom Staatssekretär Heiko Miraß, SPD, der die AfD-Mitglieder aufforderte: „Bitte verlassen Sie unsere Insel!“; über eine Frau aus Surinam bis zum Binzer Chor „Min Hart“, der mit allen für die Vielfalt „Du hast den Farbfilm vergessen“ sang.

Auch die Pastorenschaft Rügens hatte Botschaft

Die Pastorinnen Christel Handt aus Binz und Friederike Tauscher aus Bergen verlasen die Erklärung, die Tage vorher im Rügener Pfarrkonvent entstanden war. Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst: „Dieses Liebes­gebot ist für uns als Christen nicht verhandelbar“, erklärten sie. „Wir sind hier, weil wir als Kirchen unseren Teil tun wollen, für andere Menschen und gegen ihre Ausgrenzung, für die Natur und gegen ihre Zerstörung, für die Freiheit und gegen die Angst und ihre Macher.“ „Wir fanden es wichtig, eine biblische Position zu vertreten“, sagt Pastorin Christel Handt. Und dafür gab es Beifall von allen. An einem Tag der großen Solidarität.

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