Buchtipp der Woche

Auf der Suche nach der Wahrheit

Den Roman zum NSU-Skandal hat Wolfgang Schorlau geschrieben. Ein Buch, das sich stellenweise wie eine fiktive Ermittlungsakte liest.

Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand
Von Michael Eberstein
Beate Zschäpe steht noch in München vor Gericht. Ihre mutmaßlichen NSU-Mittäter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sind tot. Selbstmord heißt es allenthalben. Doch Wolfgang Schorlau nährt heftigste Zweifel an der von den staatlichen Behörden vermittelten Version des Freitods der Rechts-Terroristen. Dafür nutzt er das Medium Kriminalroman. Er fügt dem Buch seitenweise Dokumente wie interne Ermittlungsakten an, die seine Theorie stützen – und an der Rechtsstaatlichkeit einiger Behörden oder ihrer Mitarbeiter zweifeln lassen.
Schorlau hatte vor Jahren Privatdetektiv Georg Dengler erfunden. Der Autor lässt weitgehend bekannte Tatsachen sprechen. Etwa, dass der Verfassungsschutz des Landes Thüringen kräftig in der rechtsradikalen Szene mitgemischt hat. Oder dass die polizeiliche Ermittlungsarbeit entweder schlampig oder vorsätzlich falsch erledigt wurde. Wie ist es etwa zu erklären, dass das Wohnmobil, in dem Böhnhardt und Mundlos gefunden wurden, nicht am Fundort untersucht wurde?
In diesem faktischen Umfeld bewegt sich der Romanheld Dengler. Wie gut, dass er auf Unterstützung durch seine computerfitte Freundin Olga und seine Kneipenfreunde zurückgreifen kann, die ihm bei den Recherchen helfen. Dass die Handlung zum Teil während des Stuttgarter Kirchentags 2015 spielt, gibt dem Buch noch eine besondere Note. Am Ende aber bleibt vor allem ein Bündel Fragen. Stimmt es tatsächlich, was einer der verbeamteten Bösewichte sagt: „Die Wahrheit will doch niemand wissen“?
Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand
Kiepenheuer & Witsch 2015
380 Seiten, 14,99 Euro

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