Einsichten – die christliche Kolumne

Auf der Suche

Verstehen und Begreifen haben Grenzen, darüber spricht Pastorin Ulrike Weber aus der Kirchengemeinde Anklam.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und ¬unerforschlich seine Wege!“ aus Römer 11, 33

Ich sitze mit meinen Kindern im Auto. Wir fahren durch die Stadt. Der Älteste ist im sogenannten Frage-Alter: „Mama, warum gibt es Ampeln?“ „Damit der Verkehr geregelt wird.“ „Warum?“ „Weil sonst ein Chaos ausbrechen würde.“ „Warum?“ „Weil alle auf einmal losfahren würden und es dann Unfälle gäbe.“ „Warum?“ „Weil die Straßen zu schmal sind.“ „Warum?“ Spätestens an dieser Stelle weiß ich nicht mehr weiter, und ich sage meinem Sohn, dass ich mich jetzt aufs Fahren konzentrieren muss. Sein Fragezeichen bleibt im Raum.

Inzwischen ist mein Sohn fast 40, fährt selbst Auto und fragt sich diese Dinge nicht mehr. Wir lernen im Laufe unseres Lebens die Welt zu begreifen, wir lernen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Das, was wir verstehen, können wir einsortieren, wir können damit umgehen und gewinnen so für unser Leben, für unseren Alltag, Sicherheit.

Und doch müssen wir feststellen, dass unser Verstehen und Begreifen Grenzen haben. Gerade im Blick auf Leid und Tod und Gewalt. „Warum herrscht Krieg?“, fragen nicht nur die Kinder, sondern auch wir Erwachsenen. Wir müssen zugeben, dass bei manchen Themen unsere Erklärungsmodelle nicht ausreichen, dass wir trotz der Vielfalt der Möglichkeiten keine für alle letztgültige Antwort haben. So bleibt die Unsicherheit. Auch im Glauben geht es uns so. Wie gern würden wir Gott verstehen wollen, seine Wege, seine Entscheidungen!

Wie oft fragen wir ihn: Warum?

Paulus kennt das. Aber ihm ist auch bewusst, dass Gott aus dem Reichtum seiner tiefen Weisheit heraus handelt. Darauf vertraut er voll und ganz. Aus der Unsicherheit des Nicht-Begreifens wird die Sicherheit des Vertrauens. Und wer vertraut, lässt Wunder zu, kann staunen, setzt auf Hoffnung. Am Sonntag Trinitatis feiern wir die Unbegreiflichkeit Gottes, denn „am Ende der Suche und Frage nach Gott steht keine Antwort, sondern eine Umarmung“.

Unsere Autorin
Ulrike Weber
ist Pastorin in der Kirchengemeinde Anklam.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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