Soldatenrüstzeit nach Paris und Versailles

Auf den Spuren des Friedens

Fünf Tage lang erkundete eine Rüstzeit des Militärpfarramts Munster II die „Lern­orte“ Paris und Versailles – auf den Spuren des Vertrages, der vor gut 100 Jahren geschlossen wurde.

Der Spiegelsaal im Schloss Versailles

von Christian Sell

Paris/Munster. „Das ist kein Frieden. Das ist ein zwanzigjähriger Waffenstillstand.“ So urteilte der französische Marschall Ferdinand Foch zur Zeit des Vertrags­abschlusses in Versailles vor 100 Jahren. Anfang November 2019, also 100 Jahre später, führte eine Soldatenrüstzeit des Evangelischen Militärpfarramts Munster II zu den „Lern­orten“ Paris und Versailles, um die Hintergründe des Vertrages und die Originalschauplätze vor Ort zu erkunden.

Das Begegnungszentrum der Evangelischen Kirchen in Europa „Foyer le Pont“ im Pariser 14. Bezirk Montparnasse war der geeignete Ausgangspunkt und Rückzugsort für die fünf intensiven Rüstzeittage. Das Motto „Brücken bauen“ war dort allgegenwärtig. Schon bei der Anfahrt beschrieb Militärpfarrer Jobst Reller die historischen Hintergründe der Beziehungen zwischen Frankreich und den damaligen deutschen Staatenbünden, während die Reise durch das in den vier Kriegs­jahren von 1914 bis 1918 verwüstete Nordfrankreich führte.

Spaziergang durch Paris

Bevor ein Spaziergang die ersten Eindrücke von Paris vermittelte, stand am Vormittag die Begrüßung und die Vorstellung des Foyer le Pont durch Gruppen­betreuerin Britta Francois, sowie der Vortrag der Hauptleute Felix Friese und Benedikt Brecht über den Großen Krieg und die Entstehung des Vertrages von Versailles auf dem Programm.

Dann aber lag den Rüstzeitteilnehmern Paris praktisch zu Füßen, denn der Spaziergang begann mit einer Aufzugfahrt auf den 210 Meter hohen Montparnasse-Turm. Bei sehr guter Fernsicht konnten so die zukünftigen Exkursionsziele in Paris gut in Augenschein genommen werden. Mit einem von Jobst Reller geführten Spaziergang durch die Bezirke zum Eiffelturm und dem Arc de Triomphe wurden zwei Publikumsmagnete schon am ersten Tag erreicht.

Brücken in Europa

Am Mittwochvormittag referierte Oberstleutnant Volker Wohlgemuth über den französisch-preußischen Krieg von 1870/71 und den Folgen für Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Darauf schloss sich die Besichtigung des Invalidendoms und des Armeemuseums an. Die Ausstellungen dort waren eine eindrückliche zusätzliche Illustration der Vorträge.

Am Donnerstag wurde das Schloss von Versailles und dort vor allem der Spiegelsaal besichtigt. Die deutschsprachigen Führungen informierten sowohl über die Ereignisse von 1919 als auch über die wechselvolle Geschichte des Prunkschlosses von der Entstehung bis zur Gegenwart. Danach bestand noch Gelegenheit, bei sonnigem Herbstwetter die weitläufigen Parkanlagen – zumindest teilweise – zu erkunden.

In den morgendlichen Andachten und in der Schlussrunde klang dankbar an, dass 100 Jahre nach dem Vertrag von Versailles durch viele Friedensschritte Brücken zu einem beständigen friedlichen Europa entstanden sind: ein wertvolles Gut, für das es sich einzusetzen lohnt.

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