Die griechische Insel Kefalonia

Auf den Spuren des Apostels Paulus

Im Jahr 69 n. Chr. erlitt Paulus in einem Sturm Schiffbruch und strandete – auf Kefalonia. Unsere Autorin Ursula Wiegand hat sich auf der griechischen Insel umgesehen.

Das Kloster Kipoureon liegt an der Westküste der Halbinsel Paliki

von Ursula Wiegand

Gemäß der Apostelgeschichte verbrachten Paulus und seine Begleitung drei Monate auf Kefalonia und christianisierten einen Teil der Bevölkerung. Daraufhin entstand dort die älteste frühchristliche Gemeinde zwischen dem Ägäisraum und Mittelitalien“, hebt Warnecke hervor. Auch Überreste urchristlicher Kirchen habe man entdeckt. Aus diesem Grund wurde 1996 in Pessada eine Pauluskirche erbaut. Dort treibt, als wir dort stehen, gerade im Abendlicht ein Hirte seine Schafe und Ziegen zurück zum Dorf. Vielleicht so wie in biblischen Zeiten.

Später wurden auf Kefalonia zahlreiche Klöster errichtet. Das größte und meistbesuchte ist das nur 11 Kilometer von Argostoli entfernte Gerasimos-Kloster, das Gerasimos 1560 im Dorf Omala gründete. Es ist täglich von 9 bis 13 Uhr und von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Drinnen blendet sogleich die goldglänzende Ikonostase – die mit Ikonen geschmückte Wand zwischen Altarraum und Kirchenschiff. Umso bescheidener wirkt der über 80-jährige Pater Dionisios in seiner dunklen Kutte, der sich um Ratsuchende kümmert. In einem Silberschrein ruhen die Gebeine von Gerasimos, der Schutzpatron der Insel. Viele Jungen werden auf seinen Namen getauft.

Wilde Lage

Dramatischere Eindrücke vermittelt das Kloster Kipoureon, schon wegen seiner spektakulären Lage an der wilden Westküste der Halbinsel Paliki. 100 Meter über dem Meer steht es auf einem winzigen Plateau zwischen lotrecht abfallenden Felsen. Früher lebten dort zahlreiche Mönche, der letzte ist jedoch vor einigen Jahren verstorben. Das vollständig renovierte Hauptgebäude steht leer, und die meerseitige Terrasse ist schon länger wegen Absturzgefahr gesperrt.

Weniger einsam liegt das Nonnenkloster Agios Andreas Milapidiás nahe Peratata, das im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Das Kloster mit seiner Gartenanlage ist nach vorheriger Anmeldung von Montag bis Sonnabend zwischen 8 und 14 Uhr geöffnet. Lohnenswert ist auch der Besuch des angegliederten Museums für Sakrale Kunst sowie die ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert stammenden Fresken in der byzantinischen Klosterkirche.

Klobige Relikte, uralte Festung

Kefalonia hat neben Paulus noch einen weiteren Prominenten in petto: den sagenhaften griechischen Helden Odysseus. Die angeblichen Überreste seines Schlosses befinden sich auf der kleinen Nachbarinsel Ithaka oberhalb vom Dorf Stavros. Auf der Fahrt dorthin über die Berge lohnt sich der Blick in die weite Bucht der Inselhauptstadt Vathi. Farbenfrohe Häuschen und Fischerkähne reihen sich drunten am Ufer.

In Stavros führt ab der Odysseus-Statue ein Wanderweg über Stock und Stein hinauf zu den klobigen Relikten einer uralten Festung. Aus groben Steinen gefügte Mauern, Treppen und Reste einer Wasserleitung sind zu sehen. Posthum siedelte dort im 8. Jhd. v. Chr. der Dichter Homer seine Odysseus-Sage an.

Ob damit aber das heutige Ithaka gemeint war, bezweifelt Heinz Warnecke. In seiner „Odyssee“ habe Homer die westlichste und höchste Insel als Heimat des Odysseus bezeichnet, also das 734 Quadratkilometer große und schon damals politisch bedeutsamere Kefalonia. Auch habe seit mykenischer Zeit (ca. 1600 – 1200 v. Chr.) der Siedlungsschwerpunkt mit dem Herrschersitz stets auf Kefalonia gelegen. Für Warnecke ist es naheliegend, dass Kefalonias Burgberg Agios Georgios, der eine mächtige Burgruine aus der späteren venezianischen Zeit trägt, schon aus strategischen Gründen der Königssitz gewesen sein muss. „Außerdem wurde am Fuße des Burgberges eine große Nekropole mit 83 herrschaftlichen Gräbern aus der Endphase der mykenischen Zeit gefunden, also aus der mutmaßlichen Zeit des Odysseus“, betont Warnecke.

Aber egal: Auf Ithakas klobigen Relikten und Kefalonias Burgberg lässt es sich mit Blick bis hinunter aufs blaue Meer bestens von lange vergangenen Zeiten träumen.

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