Neues Instrument in St. Jakobi Stralsund wird eingeweiht

Auf dem Weg zur Orgelstadt

Es ist ein großer Moment: Mit einer Festwoche wird die Einweihung der neuen Orgel der Stralsunder Kulturkirche St. Jakobi gefeiert. Dabei war die Sanierung lange umstritten.

Der Orgelprospekt in St. Jakobi Stralsund

von Nicole Kiesewetter

Stralsund. Mit der Fertigstellung der Orgel in der Jakobikirche sei das Trio der Instrumente der drei großen Stadtkirchen in Stralsund wieder komplett, sagt Kirchenmusikdirektor Matthias Pech, Kantor an St. Nikolai. 1659 wurde die Stellwagen-Orgel in der St.-Marien-Kirche eingeweiht, 1741 die Orgel des bedeutendsten pommerschen Orgelbaumeisters Friedrich Albert Mehmel (1827-1888) in der Jakobikirche und 1841 die Buchholz-Orgel in der Nikolaikirche.

Alle drei Kirchen werden bei den 1. Stralsunder Orgeltagen, die bis zum 27. September dauern, mit einem vielfältigen Programm beteiligt sein. Zum Auftakt wird am Sonnabend, 19. September, zu einem Gottesdienst mit der offiziellen Orgelweihe in die Jakobikirche eingeladen. Einen Tag später am Sonntag, 20. September, präsentieren Orgelbaumeister Kristian Wegscheider und Mitglieder der Orgelkommission das Instrument für Interessierte.

Wandelkonzert von Kirche zu Kirche

„Wir bereiten uns seit anderthalb Jahren auf die Orgeltage vor, und es ist schön, dass dafür die Kirchen zusammenarbeiten, damit alle Instrumente zu ihrem Einsatz kommen“, so Kantor Pech. Ein musikalischer Höhepunkt werde die Musiknacht am Freitag, 25. September, unter dem Titel „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ sein. Dabei wird zu einem Wandelkonzert von Kirche zu Kirche eingeladen. Kantor Matthias Pech: „Das wird eine Reise nicht nur von Ort zu Ort, sondern auch eine musikalische Reise durch die Zeit der Orgelmusik.“

Engel mit Geige – ein Detail aus dem Orgelprospekt Foto: Johannes Pilgrim

Es sei ein Programm zusammengestellt worden, das zeige, welches Repertoire auf den drei Instrumenten möglich sei, und das widerspiegele, welche Anziehungskraft Stralsund mittlerweile in der Orgelwelt besitze. So konnten beispielsweise auch Musiker aus Schweden, Polen und Frankreich für die Orgeltage gewonnen werden.

„Damit nimmt unsere Vision der Orgelstadt Stralsund Gestalt an“, sagt Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow. Schließlich gebe es vermutlich keine andere Stadt in Deutschland und Europa, in der so bedeutsame Instrumente auf so engem Raum zu finden seien.

Restaurierung kostete 2,4 Millionen Euro

Die Jakobi-Orgel ist seit 2016 von der Orgelwerkstatt Wegscheider aus Dresden umfangreich rekonstruiert und restauriert worden. Insgesamt sind 2,4 Millionen Euro in dieses Projekt geflossen. Die Mittel stammen unter anderem aus Bundes- und Landesförderungen sowie von der Stadt Stralsund und aus Spendenaufkommen. Die Orgel verfügt über 51 Register und 3246 Pfeifen, vier Klaviaturen und sechs große Kehlbalgen.

Dabei war die Rekonstruktion des Instruments lange Zeit umstritten. Es sei damals eine „ernüchternde Erkenntnis“ gewesen, so Landeskirchenmusikdirektor Frank Dittmer, dass die Orgel nicht in der Weise rekonstruiert werden konnte, wie es über Jahre vorgesehen war. Und genau diese Erkenntnis war es, die zu Beginn des Restaurierungsprojekts die Stralsunder Gemüter erhitzte. Einem ursprünglichen Gutachten der Orgelbaufirma Eule in Bautzen zufolge sollte das stark beschädigte und geplünderte Instrument komplett rekonstruiert werden.

Viele Originalteile fehlten

Doch die von der Stadt eingesetzte Orgelkommission unter Vorsitz von Dittmer kam zu dem Ergebnis, der Verlust an Originalteilen sei dafür zu groß. Zudem sei der Zustand vieler erhaltener Teile zu schlecht gewesen. Einst hatte die Orgel rund 4000 Pfeifen, die 1877 in der Werkstatt des Stralsunder Orgelbauers Friedrich Albert Mehmel (1827-1888) fertig gestellt wurden. Doch davon waren nur noch rund 300 vorhanden.

Das Instrument wurde im Verlauf ihrer Geschichte mehrfach umgebaut, Mehmel selbst hatte bei seinem Orgelbau auch zahlreiche Pfeifen der Vorgänger-Instrumente verwendet. „Was entstand, war keine reine Mehmelorgel“, verdeutlicht auch der Kantor der Stralsunder Marienkirche, Martin Rost, ebenfalls Mitglied der Kommission. So hatte diese empfohlen, nur das barocke Orgelgehäuse von 1741 wiederherzustellen und ein neues Instrument im Stil des 18. Jahrhunderts einzubauen.

„Tief ergriffen“

In das neue Orgelwerk wurden die Pedal-Windladen von 1741 eingebaut und etwa 50 restaurierte, große Holzpfeifen Mehmels von 1877 integriert. Der Chef der mit den Arbeiten betrauten Dresdner Orgelwerkstatt Wegscheider, Christian Wegscheider, sagt zu dem Ringen um das Restaurierungskonzept: „Ich war ja auch mal Mehmel­janer.“ Aber er habe erkennen müssen, dass es keine Vorlagen gebe, nach denen die Orgel in angemessener Weise rekonstruiert werden könne. Es fehlte für die Hälfte der Pfeifen „jegliche klangliche Orientierung“. „Und da musste ich sagen: Wir sind nicht die Erfüllungsgehilfen von nicht realisierbaren Visionen“, so Wegscheider.

Kantor Matthias Pech jedenfalls ist von dem Ergebnis „tief ergriffen“ und betont: „Ich bin überzeugt, dass die Kritiker sich von dem Klang der Orgel überzeugen lassen.“

Info
Der Gottesdienst am Sonnabend wird live auf Youtube übertragen.

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