Hamburger Motorradgottesdienst fällt aus

Auch ein Mini-Mogo war keine Option

Auch in diesem Jahr fällt der weltgrößte Motorradgottesdienst der Pandemie zum Opfer. Doch für die vielen ehrenamtlichen Helfer gibt es einen Lichtblick.

Die Namen der Verstorbenen werden für das Gedenken auf Steine geschrieben

von Timo Teggatz

Hamburg. An einen großen Motorradgottesdienst ist noch nicht zu denken, doch für die vielen Mogo-Helfer gab es einen kleinen Trost. Zu normalen Zeiten treffen sie sich am Tag des Mogo in aller Frühe im Michel zu einer Helfer-Andacht. „Diese Feier ist immer sehr beliebt, sie gibt unseren Helfern Kraft für den Tag“, sagt Mogo-Pastor Lars Lemke. Und eine solche Feier ist dank der neuesten Lockerungen im Hamburg jetzt möglich geworden.

So kamen etwa 60 Unterstützer des Mogo im Michel zusammen – anders als sonst nicht morgens, sondern abends. Pastor Lemke sprach zum Thema Gemeinschaft und betonte, welchen hohen Wert sie für den Mogo habe. „Das ist ein wahrer Schatz“, sagte der Theologe.

Zu viele Unwägbarkeiten

Anders als sonst folgte auf die Helfer-Andacht keine große Feier mit zehntausenden Bikern, die sogar aus dem Ausland kommen und im Korso zum Abschlussfest nach Buchholz reisen. Schon Mitte März entschieden sich die Organisatoren um Lars Lemke dafür, den weltgrößten Motorradgottesdienst auch 2021 ausfallen zu lassen. Es habe einfach zu viel Unwägbarkeiten gegeben.

Zu einer Andacht kamen die Mogo-Helfer im Michel zusammen Foto: Privat

Und wie schon im vergangenen Jahr hat das Mogo-Team für digitalen Ersatz gesorgt. Am Sonntag, 13. Juni, um 12 Uhr feiert Pastor Lemke einen Mogo über das Internet. Er wird auf www.mogo.de sowie über die Mogo-Auftritte bei Facebook und Youtube übertragen. Über die Kommentarfelder sind die Nutzer aufgerufen mitzumachen.

„Falsches Signal“

Das traditionelle Gedenken an die Verstorbenen soll auch online stattfinden. Sonst sind die Besucher im Michel aufgerufen, eine Kerze vor dem Altar anzuzünden. In diesem Jahr sollten die Biker dem Mogo die Namen Verstorbener mailen. Die Namen haben Lemke und die Helfer auf Steine geschrieben und wollen so an sie erinnern.

Den Hamburger Mogo auf den späten Sommer zu verschieben und auf eine spürbare Besserung der Infektionslage zu hoffen – das war für Lemke keine Option. Die Planung laufend an Corona-Vorschriften anpassen zu müssen, sei aufwändig und frustrierend.

Ein Mini-Mogo zum geplanten Termin an diesem Sonntag war auch keine Option. „Wir hätten zu viele Biker enttäuschen müssen. Das wäre ein falsches Signal gewesen“, sagt Lemke. Auch den Strom der Besucher hätte man schlecht regeln können, denn zum Mogo kommen normalerweise zehntausende Besucher. So waren 2019 etwa 18.000 Besucher dabei, weitere Tausende standen beim Korso am Straßenrand.

Finanzierung für Mogo 2022 steht

Außerdem sind für Hamburg im September schon zahlreiche Großveranstaltungen geplant, die verschoben worden sind. „Da ist es schwierig, einen Termin zu finden“, sagt Pastor Lemke. Bei vielen dieser Events gehe es ums wirtschaftliche Überleben – im Gegensatz zum Mogo. „Wir haben gut gewirtschaftet und sind finanziell ordentlich aufgestellt“, berichtet der Mogo-Macher. Auch die Finanzierung für den Mogo 2022 stehe zum großen Teil.

Am Straßenrand winken die Menschen den Bikern zu
Tausende Biker auf den Straßen Hamburgs – so soll es 2022 wieder aussehen Archivfoto: Stephan Wallocha / epd

Unsicher ist dagegen noch, mit wie vielen Helfern der Mogo in die Vorbereitung für die Auflage im kommenden Jahr startet. Seit Juni 2019 sind die Freiwilligen nicht mehr im Einsatz gewesen. „Kann gut sein, dass einige Neues entdeckt haben“, befürchtet Lemke. Allerdings hätte der Mogo auf einer Messe im Februar 2020 noch 25 Helfer angeworben.

Hoffen aufs nächste Jahr

Trotz der Absage will der Mogo Gutes tun. Für den Verein Subvenio, der Unfallopfer unterstützt, werden bei Ebay drei exklusive Motorradhelme versteigert.

Nicht nur der Hamburger Motorradgottesdienst ist 2021 ausgefallen. Von den etwa 30 Biker-Gottesdiensten in der Nordkirche haben nur zwei stattgefunden: in Norderstedt und in Lübeck. Der Husumer Mogo, der zu Ostern die Saison eröffnet, soll möglicherweise im Spätsommer nachgeholt werden. Eine solche Veranstaltung in einer kleineren Stadt mit etwa 5000 Besuchern lasse sich kurzfristiger planen, sagt Lemke.

Das Hamburger Team hofft jetzt auf eine große Feier im nächsten Jahr. Der Termin dafür steht schon: Sonntag, 12. Juni 2022, am Michel – inklusive Helfer-Andacht.

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