Katholiken aus Kiel-Heikendorf ziehen bei den Protestanten ein

Auch die Marienstatue kommt mit

Noch einmal feiern die Katholiken in Kiel-Heikendorf Gottesdienst in ihrer Kirche Stella Maris. Dann ziehen sie zu den evangelischen Nachbarn – und sind dort sehr willkommen.

Ein Kirchgebäude für zwei (v.l.): Pastor Thieme-Hachmann, Pröpstin Almut Witt und Propst Thomas Benner vom Erzbistum

von Marco Heinen

Heikendorf. Wenn nach 56 Jahren Aschermittwoch um 17 Uhr der letzte Gottesdienst in der katholischen Kirche Stella Maris in Heikendorf gefeiert wird, ist das für viele Gemeindemitglieder ein bitterer Moment. Doch es gibt eine Perspektive für die Gemeinde: Sie kann ihre Gottesdienste künftig in der Kirche der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde feiern – etwa 500 Meter entfernt von Stella Maris. Hausherr Pastor Joachim Thieme-Hachmann, Propst Thomas Benner von der katholischen Pfarrei Franz von Assisi und Pröpstin Almut Witt vom Kirchenkreis Altholstein haben die Pläne jetzt vorgestellt.

Propst Benner erläuterte die Gründe, die zur Schließung der Kirche führten: Die Kieler Pfarrei habe zu wenig Geld, die Zahl der Gläubigen gehe zurück und es fehle an Geistlichen für zehn Kirchstandorte. Deshalb müsse man sich von fünf Standorten trennen.

Prozession zur neuen Heimat

Das Erzbistum Hamburg hatte zum Jahresanfang eine Immobilienreform auf den Weg gebracht. Doch die Gremien der Pfarrei Franz von Assisi hatten sich bereits vor Jahren Gedanken gemacht und sich auf einen Fahrplan verständigt. Als er vor zwei Jahren nach Kiel gekommen sei, habe er einen entsprechenden Beschluss des Kirchenvorstands vorgefunden, so Benner.

„Ich bin dankbar dafür, dass wir hier vor Ort bleiben dürfen“, sagte Propst Benner. Und: „Für mich ist es ein Umzug. Die Alternative wäre ein Wegzug gewesen.“ Dies soll auch formal am Aschermittwoch zum Ausdruck kommen: Der Gottesdienst beginnt in Stella Maris im Beisein der evangelischen Gemeinde und wird nach einer Prozession durch den Ort in deren Kirche fortgesetzt.

Spontane Entscheidung

Pastor Thieme-Hachmann sagte, er erinnere sich noch gut an das erste Gespräch mit dem Propst. „Ich habe damals spontan Ja gesagt“, wobei es natürlich Sache des Kirchengemeinderats gewesen sei, die Entscheidung zu treffen. Doch auch der habe „schnell und grundsätzlich zugestimmt“. Zwar habe man sich über mögliche Reibungsmomente Gedanken gemacht, „aber wir haben gesagt, es gibt gar keine Alternative dazu, weil wir diese gute Vorgeschichte haben“, so der Pastor. Nach dem Krieg mussten beide Gemeinden ihre Gottesdienste noch in einer Schule feiern, bis 1955 die evangelische Kirche gebaut wurde, die durch die katholische Gemeinde mitgenutzt wurde, bis 1964 Stella Maris in ein eigenes Gotteshaus zog. Übrigens darf die katholische Gemeinde ihre Marienstatue mitbringen, die ihren Platz dort bekommen soll, wo Kerzen angezündet werden.

Auch Pröpstin Almut Witt sieht die Kooperation positiv. Es gehe darum, „aus der Not eine Tugend zu machen“, sagte sie. „Was beide Seiten mitbringen, ist der gemeinsame Grund. Darauf können wir gut aufbauen.“

Schon seit Jahrzehnten zusammengearbeitet

Formal gibt es einen Kooperationsvertrag, der ein Nutzungsrecht der Katholiken für die Kirche am Samstagabend vorsieht, was der bisherigen katholischen Vorabendmesse um 18 Uhr entspricht. Weitere Nutzungen sollen nach Absprache möglich sein, wobei ein Kooperationsausschuss beider Gemeinden Terminfragen und gemeinsame Veranstaltungen besprechen wird. Auch zahlt die Pfarrei beispielsweise für Heizkosten ein Nutzungsentgelt.

Barbara Engmann aus der gastgebenden Gemeinde freut sich auf die christlichen Geschwister: „In den 40 Jahren, in denen ich dabei bin, machen wir schon immer ökumenische Arbeit, feiern schon immer Gottesdienste zusammen. Insofern ist das so folgerichtig wie nur irgendwas.“

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