Pianist Alexander Krichel

Am Klavier zur Weltkarriere

Der Hamburger Pianist Alexander Krichel hat bereits einen Echo-Klassik gewonnen. Im Interview spricht er über sein neues Album, seinen Glauben und Geschenke Gottes.

Der Pianist Alexander Krichel besuchte in Hamburg eine katholische Schule

Nach „Frühlingsnacht“ mit romantischem Repertoire und „Chopin – Hummel – Mozart“ haben Sie für Ihre neue CD mit Rachmaninows „Klavierkonzert Nr. 2 in c-Moll“ eines der berühmtesten Klavierkonzerte der Spätromantik ausgewählt. Die großen Gefühle in der Musik, die Lieder der Romantik scheinen Ihnen zu liegen. Sind Sie ein „hoffnungsloser Romantiker“?
Alexander Krichel: Wenn man meine Biografie liest, denken die meisten Menschen eigentlich, ich sei ein mathematisch-analytischer Kopfmensch. Aber wenn man meine Freunde fragt, würden die sicher bestätigen, dass ich so romantisch wie nur möglich bin. Ich denke, ich bin ein sehr emotional veranlagter Mensch. Daher liegt mir dieses Repertoire auch so gut.
Spätestens mit der Verleihung des Echo-Klassik sind Sie auf dem Sprung zur Weltkarriere. Wie fühlt sich so was an?
Man bekommt durch den Echo natürlich sehr viel Aufmerksamkeit, auch von Menschen, die man außerhalb des Konzertsaals sonst nicht erreichen würde. Es war aber nicht das Sprungbrett zur großen Karriere. Ich denke, dass sich die Karriere eines Künstlers nach und nach aufbaut, und so ein Echo ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die man gut nutzen sollte.
Sie waren Schüler an der Katholischen Schule in Hamburg-Harburg und sind noch Gemeindemitglied in St. Maria Harburg. Welche Rolle spielt Religion in Ihrem Leben?
Mein Glaube an Gott gibt mir sehr viel Kraft und ist mein ständiger Begleiter, egal, in welcher Situation ich mich gerade befinde. Ich bin sehr religiös erzogen worden und habe in der Pubertät zunächst den Glauben hinterfragt. Schließlich bin ich aber zu der Überzeugung gekommen, dass der Glaube echt ist und nichts mit der Erziehung zu tun hat. Er gibt mir sehr viel Kraft und Zuversicht. Obwohl ich erst 26 Jahre alt bin, wurde ich schon oft mit dem Thema Tod konfrontiert und hatte mit vielen Schicksalsschlägen zu kämpfen.
Ich musste von vielen Menschen, die ich sehr geliebt habe, Abschied nehmen, zum Beispiel als mein erster Agent gestorben ist oder mein Professor Vladimir Krainew. Ich bin dankbar für die Fähigkeit, so stark zu glauben, dass ich aus jedem Tief einen Ausweg gefunden habe und gelernt habe, zu verstehen, dass alles einen Sinn hat und Gott immer da ist. In diesen Situationen hat der Glaube mir sehr geholfen und mir Kraft gegeben, das alles als Katalysator zu nutzen für meine Musik. Die Glücksmomente, aber auch die Trauer über den Verlust eines Menschen kann ich in meiner Musik verarbeiten. Ohne meinen Glauben wäre ich nicht der gleiche Mensch.
Sehen Sie Ihr Talent auch als ein Gottesgeschenk?
Selbstverständlich! Ich bin Gott unfassbar dankbar. Aber nicht nur für die Talente, sondern vor allem dafür, dass ich durch meinen Beruf und meine gesamte Lebenssituation zurzeit die Möglichkeit habe, ich selbst zu sein. Ich muss nichts tun, was mir nicht gefällt, der Inhalt meines Lebens ist, das zu machen, was ich liebe. Das ist ein viel größeres Geschenk als ein oder mehrere Talente. Ich durfte außerdem in meinem Leben sehr besondere und außergewöhnliche Menschen und Persönlichkeiten kennenlernen, ich habe von ihnen gelernt, und sie haben mich und mein ganzes Leben stark geprägt. Das ist ein großes Privileg. Menschen zu begegnen, die für einen da sind, die einen unterstützen und die an einen glauben, ist vor allem für Künstler essenziell, und ich bin froh, dass mir diese Menschen von Gott geschickt wurden.
Info
CD „Rachmaninov: Piano Concerto No. 2 / Moments Musicaux“, erschienen bei Sony Classical.
Das Gespräch führte Andreas Guballa.

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