Norderstedter unterstützt Flüchtlingsfamilien

Alte Computer wieder flott gemacht

Als EDV-Berater fragt der Norderstedter Dirk Haldenwang seine Kunden nach ausrangierten Computern. Die Geräte macht er wieder flott – für geflohene Familien, deren Kinder damit am Fernunterricht teilnehmen.

Dirk Haldenwang haucht ausrangierten Computern neues Leben ein

von Timo Teggatz

Norderstedt. Einen „ökologischen Wahnsinn“ nennt Dirk Haldenwang das, womit er regelmäßig konfrontiert ist. Als EDV-Berater ist er dafür zuständig, bei seinen Kunden neue Software zu installieren. Das sind Handwerksunternehmen, die den Wechsel der Software in den meisten Fällen mit einem Wechsel der Hardware verbinden. Die Folge: Die alten Computer stehen in der Ecke, verstauben vor sich hin und landen irgendwann auf dem Schrottplatz.

„Das geht so nicht mehr weiter“, sagte sich der IT-Spezialist, der in der Norderstedter Emmaus-Gemeinde als stellvertretender Vorsitzender im Kirchengemeinderat sitzt. Er fragte Pastor Martin Lorenz, ob er eine Einrichtung kenne, die gebrauchte Computer gebrauchen könne. Der Theologe musste nicht lange überlegen. Er vermittelte Haldenwang den Kontakt zu Hero Amin, die in der Migrationsberatung der Diakonie Hamburg-West/Südholstein arbeitet.

Deutsch-Kurs via Youtube

Die gebürtige Irakerin betreut Flüchtlingsfamilien, die bislang ohne einen Computer auskommen mussten. Die Familien stammen etwa aus Syrien, Afghanistan oder dem Iran und leben noch in einer Notunterkunft oder schon in einer eigenen Wohnung. Jetzt können die Kinder am Fernunterricht teilnehmen, während die Eltern per Youtube-Videos oder Online-Schulung Deutsch lernen.

Aktion läuft schon seit einem Jahr

Bis die Rechner bei den Familien ankommen, dauert es etwas. Wenn Haldenwang bei den Firmen anfragt, sind die Mitarbeiter meistens froh, dass sie die alten Computer los werden. „Einige haben Bedenken wegen des Datenschutzes“, erzählt der EDV-Spezialist. Dann versichert er, dass er die Festplatte komplett löscht und sie sich keine Gedanken machen müssten.

Bis zu zwei Stunden pro Gerät braucht der Norderstedter zuhause in seinem Computerraum. Neben der Formatierung der Festplatte installiert er ein aktuelles Windows-Betriebssystem. Das klappt ohne Kosten, weil die Computer bereits für Windows registriert sind. Außerdem spielt Haldenwang ein kostenloses Open-Office-Paket und weitere kleinere Programme auf die Rechner. Auch Zubehör wie Tastaturen oder Mäuse macht er wieder flott. Seit Beginn der Aktion vor knapp einem Jahr hat Haldenwang schon rund 40 alte Rechner einer Schönheitskur unterzogen.

Selbst ältere Geräte würden dann wieder relativ schnell laufen, erzählt der Computerfachmann. Ausgebremst würden sie nämlich – neben einem alten Betriebssystem – oftmals durch falsche Updates oder schädliche Programme, sogenannte Malware. Doch diese Probleme haben sich mit dem Formatieren der Festplatte erledigt.

Hoher Bedarf an Rechnern

Sehr erfreut sei sie gewesen, als Haldenwang die ersten Rechner brachte, erzählt Hero Amin von der Diakonie. Ohne Computer und den Zugang zum Fernunterricht oder Online-Sprachkursen drohten die Familien den Anschluss zu verlieren. Das Smartphone, das fast alle Familien besitzen würden, reiche dazu nicht aus. Aus diesem Grund hätte sie auch oft einen Zuschuss für einen Computer bei der Agentur für Arbeit beantragt – jedoch ohne Erfolg.

Etwa 400 geflohene Familien betreut die Diakonie gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt und der Caritas. Kein Wunder also, dass Hero Amin sagt: „Wir haben noch einen hohen Bedarf an Rechnern“. Deshalb wird Dirk Haldenwang weiter seine Kunden ansprechen, wenn er alte Computer in der Ecke stehen sieht.

Info
Wer alte Rechner oder Zubehör spenden möchte, kann sich bei Dirk Haldenwang unter der E-Mail dirk@hdwg.de melden.

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