175 Jahre Pestalozzi-Stiftung

Alles für die Kinder

Seit 175 Jahren engagiert sich die Pestalozzi-Stiftung Hamburg für Menschen. Die Angebote haben sich weiterentwickelt, die Leitlinien sind gleich geblieben.

Pestalozzi-Büste in der Bibliothek des evangelischen Augustinerklosters zu Erfurt (Archivbild)

von Kristina Tesch

Hamburg. Die Pestalozzi-Stiftung Hamburg feiert ihr 175-jähriges Bestehen. Am 8. August gibt es anlässlich des Jubiläums einen Festakt in der Dreieinigkeitskirche in St. Georg. „Vor dem Hintergrund von großem Elend in der Stadt haben Bürger die Stiftung gegründet“, sagt Stiftungsvorstand Kai Gosslar. Die gesellschaftliche Situation sei eine andere gewesen, als mit der Gründung eines Kinderheims in Billwerder im August 1847 alles begann. Im Spiegel von Industrialisierung und Urbanisierung habe es damals die staatlichen Hilfen nicht gegeben, mit denen die Stiftung heute gemeinsam soziale Angebote für Menschen gestalte, so Gosslar.

Aus der Arbeit im Kinderheim ist in 175 Jahren eine Stiftung geworden, die als modernes Sozialunternehmen mit rund 530 Mitarbeitenden in der Sozialwirtschaft breit aufgestellt ist. Kinder-, Jugend- und Familienarbeit sei dabei immer ein Schwerpunkt geblieben. Heute betreibt die Pestalozzi-Stiftung acht Kindertagesstätten, bietet Betreuungs- und Förderangebote an Schulen sowie Hilfen zur Erziehung an und setzt im Bereich Assistenz zur Teilhabe (AZT) auch auf inklusive Angebote. Mit dem Projekt „RELING“ biete die Stiftung nun auch Menschen mit Suchterkrankungen Hilfen, „da gibt es Beratung und Begleitung bei Ämtergängen, aber auch so lebensnahe Hilfen wie ein Postfach“, sagt Gosslar.

Gesundes Essen für Kitas

Eines der Angebote im Bereich AZT ist „Lecker hoch drei – Dinners för Kinners“. Gemeinsam mit Partnern, wie den beiden Hamburger Kirchenkreisen, hat die Pestalozzi-Stiftung das Projekt 2015 begonnen. In dem Inklusionsbetrieb, in dem die Hälfte der Beschäftigten Menschen mit schweren Behinderungen sind, „werden gesunde und frische Mahlzeiten für Kinder in Kitas produziert“, erklärt Gosslar, der das Projekt selbst mitinitiiert hat. Rund 5.000 Essen werden täglich an über 50 Einrichtungen in und um Hamburg geliefert. „Und wir freuen uns, dass das Konzept jetzt als “social Franchise„ in den Heide-Werkstätten in Walsrode startet“.

Fotoausstellung von Kindern erschaffen

Beim Festakt am 8. August werde ein weiteres Projekt der Pestalozzi-Stiftung seine Arbeit präsentieren: „Hamburg aus Kniehöhe“. Die Fotoausstellung sei entstanden, indem Kinder die Welt aus ihrer Perspektive mit einer Digitalkamera fotografiert haben, sagt Gosslar. „Aus welcher Perspektive schaut ein Kind und was sieht es eigentlich?“ Es entstünden ein neuer Kontext und eine andere Form der Sprachfähigkeit über Themen wie Natur oder die Stadt. Die Idee sei in der Pestalozzi-Kita „Zauberwiese“ im Rahmen des Bundesprogramms „Sprach-Kitas“ entstanden „und ich bin sehr gespannt auf die Fotos“, so Gosslar.

Gesellschaftliche Bedarfe im Wandel

Schon vor 175 Jahren habe die Pestalozzi-Stiftung sich immer an den gesellschaftlichen Bedarfen orientiert. Meilensteine habe es in der Arbeit dann gegeben, „wenn es um Haltungsfragen ging“, so Gosslar. Sei es bei der frühen Umstellung von stationären auf ambulante Angebote im Bereich AZT, damit die Menschen selbstbestimmter leben können, oder bei der frühen Distanzierung vom Nationalsozialismus. Für seine Zeit als Stiftungsvorstand möchte Kai Gosslar an die bestehende Arbeit anknüpfen und weiterhin Angebote so gestalten, dass sie zum Bedarf der Menschen passen, „und ich möchte die Vielfalt, die wir in der Stiftung schon haben, ausbauen und erhalten“.

Im Rahmen des Festaktes werden Kai Gosslar und Natja Berg offiziell als neuer Vorstand der Pestalozzi-Stiftung Hamburg vorgestellt. Berg hat den Posten im Mai dieses Jahres angetreten. Die 45-jährige Diplom-Pädagogin war zuvor Geschäftsführerin beim Bildungsdienstleister ZukunftPlus e.V. Gosslar hat das Amt im Juli angetreten. Der 50-jährige Diplom-Kaufmann war zuvor als Unternehmensberater im Bereich des Gesundheits- und Sozialsektors tätig und hat ab 2012 das Integrationsunternehmen hwg hamburg work gGmbH bei der Pestalozzi-Stiftung aufgebaut. (epd)

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