Max-Reger-Jahr

Abschlusskonzert steigt in der Laeiszhalle

Des 100. Todestages des Komponisten Max Reger wurde in diesem Jahr in Hamburger Kirchen gedacht. Höhepunkt: Regers Vertonung des 100. Psalms am kommenden Sonntag.

Max Reger in einem Porträt von Franz Nölken

von Ralf-Thomas Lindner

Hamburg. Im Laufe seiner nur 43 Lebensjahre konzertierte Max Reger zwischen 1907 und 1912 auch einige Male in Hamburg. Die einzige Kirche, in der seine Anwesenheit in Konzerten belegt ist, ist die Hauptkirche St. Petri, wo seit 1910 sein Schüler Gustav Knak als Organist tätig war. In der Folge pflegte dann ab 1958 Heinz Wunderlich an St. Jacobi die Interpretation des Regerschen Gesamtwerks. 1970/71 veranstaltete der Kirchenmusikdirektor an St. Petri, Ernst-Ulrich von Kameke, aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der „Kantorei St. Petri“ (heute: Hamburger Bachchor) ein Reger-Festival, bei dem insbesondere Hamburger Interpreten und Ensembles auftraten. Höhepunkt dieses Festivals war schon vor 45 Jahren die Aufführung von Regers 100.Psalm op. 106.
Max Reger, der sich selbst als „katholisch bis in die Fingerspitzen“ bezeichnete, beschäftigte sich ausgiebig mit dem protestantischen Choral. Seine Vorbilder waren Johann Sebastian Bach und Johannes Brahms – bei dem einen entdeckte er die Formelwelt des Barock wieder, bei dem anderen Klänge und Harmonien. Auch schätzte er Richard Wagner, erklärte aber: „Der Brahmsnebel wird bleiben – mir ist er lieber als die Gluthitze von Wagner.“

Vielschichtiges Programm

Höhepunkt der Feierlichkeiten in Konzerten und Gottesdiensten zum 100. Todestag Regers ist ein Konzert in der Laeiszhalle. Thomas Dahl, Kantor an St. Petri, hat das Programm vielschichtig gestaltet. Die tief verflochtenen Beziehungen zwischen den drei Komponisten Bach, Mendelssohn Bartholdy und Reger und zwischen den Psalmen 42, 100 und dem Lutherchoral „Ein feste Burg ist unser Gott“ wird man am Ende des Abends erlebt haben – greifen aber wird man sie nicht wirklich können.
Eröffnet wird das Konzert mit Pauken und Trompeten, mit Bachs Choralkantate „Ein feste Burg ist unser Gott“. Bemerkenswert sind die Textausdeutungen, wenn zum Beispiel die Zeile „sein grausam Rüstung ist“. Oder wenn am Ende des Satzes die Choralzeile „Auf Erd ist nicht seinsgleichen“ zwischen der höchsten Stimme (Oboe) und der tiefsten Stimme (Basso continuo) geführt wird – ein Bild dafür, dass Gottes Hände den Kosmos umgreifen.
Mendelssohn Bartholdys Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit“ steht vermittelnd zwischen Bach und Reger. Noch kann man das Vorbild Bach erkennen. Mendelssohn Bartholdy aber beginnt ruhiger, er wünscht sich einen „zarten“ Vortrag. Am Ende steht eine vitale Fuge, die in gesteigerter Form in Regers Psalm wiederkehrt. Robert Schumann sagte über Mendelssohn Bartholdys Psalm, dass die „neuere Kirchenmusik“ in ihm ihre „höchste Stufe erreicht“ habe.

Populärer Schluss

Die ersten beiden Verse des 100. Psalms „Jauchzet dem Herrn alle Welt! Dienet dem Herrn mit Freuden, kommet vor sein Angesicht mit Frohlocken“ vertonte Reger im April und Mai 1908 aus Anlass des 350-jährigen Bestehens der Universität Jena, die ihm am 31. Juli des selben Jahres die Ehrendoktorwürde verleihen wollte. Dem Dirigenten der Aufführung schrieb er: „Setze für deinen Chor Extra-Proben bis zur Bewusstlosigkeit an; der Psalm muss glänzend gehen! Bitte, mache du 100000000000000000 Proben!“ Und er wünschte sich von der Aufführung, dass „die Hörer des Psalms nachher als ‚Relief‘ an der Wand kleben müssen; ich will, daß der Psalm eine niederschmetternde Wirkung bekommt“. Die übrigen drei Verse des Psalmes vertonte Reger im folgenden Jahr und fasste das Ganze dann zu einer großen Chorsymphonie zusammen.
Die Klammer in diesem Konzert bildet dann in der großen Doppelfuge am Ende des Psalms das zusätzliche Ensemble aus vier Trompeten und vier Posaunen, das den Choral „Ein feste Burg“ spielt. Wohl mit zwinkerndem Auge schreibt Reger über den Schluss, dass er fast schon „populär“ sei.
Info
Das Konzert findet am Sonntag, 20. November 2016, um 19 Uhr in der Laeiszhalle statt. Karten ab zehn Euro gibt es im Kirchenbüro von St. Petri unter Tel. 040 / 325 74 00 und an den bekannten Vorverkaufsstellen.
In der gedruckten Hamburger Ausgabe der Evangelischen Zeitung hatten wir eine falsche Uhrzeit für das Konzert genannt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren