Zu Gast am Tisch des Herren

Abendmahl mal anders

Das Motiv des „Letzten Abendmahls“ hat die Fantasie der Menschen zu allen Zeiten angeregt. Zehn moderne Beispiele sind nun in Braunschweig zu sehen.

Die Braunschweiger Jakob-Kemenate zeigt moderne Adaptionen des „Letzten Abendmahls“

von Bettina Albrod

Braunschweig. Das Gemälde „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci ist eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt. Das Motiv hat auch nach da Vinci unzählige Künstler dazu inspiriert, ihre eigene Version der Szene zu gestalten. Zehn Beispiele zeigt die Stiftung Prüsse bis zum 14. April in der Ausstellung „Und ich sah, am Tisch ist Platz: Das letzte Abendmahl“ in der Jakob-Kemenate in Braunschweig.

Jeder Künstler interpretiert das Abendmahl auf seine Art und Weise

Zehn Künstlerinnen und Künstler geben mit ihren Werken Einblick in ihre Sicht auf das Abendmahl. Mit dabei ist „Abendmahl mit John“, bei dem die Berliner Künstlerin Marina Krohs 1964 allerlei Promis rund um die Beatles-Ikone John Lennon als Jesus um den Tisch gruppiert hat. Zu den Gästen gehören Mutter Teresa, der Dalai Lama, Andy Warhol und Salvador Dali; alle karikaturenhaft überzeichnet aus Ton modelliert.

Das Abendmahlsbild von Otmar Alt zeigt Jesus im goldenen Lichtschein und mit blauer Nase inmitten seiner Jünger in poppiger Farbgebung, die die Figuren in die Nähe des Comics rückt. Verewigt ist hier auch eine verletzte Taube, die Jochen und Karin Prüsse zur Entstehungszeit des Bildes liebevoll gepflegt haben, heißt es in der Begleitschrift „Die fünf Abendmahlbilder der Jakob-Kemenate­“.

Bunt oder puristisch

Lediglich eine ungedeckte Tafel im leeren Raum bestimmt die Darstellung von Ben Willikens: Auf architektonische Elemente reduziert und einzig durch Licht in Szene gesetzt sieht der Betrachter automatisch auch das, was nicht gezeigt ist. Elisabeth Engelbrecht zeigt den abgegessenen Tisch aus der Vogelperspektive nebst umgekipptem Weinglas, Alexander Calvelli zieht mit dem Motiv des Bohrkopfs eine Parallele zum Grubenunglück und dem „Wunder von Lengede“, bei dem nach zehn Tagen noch elf verschüttete Bergleute lebend gerettet werden konnten. Werke von Gudrun Brüne, Hermann Buß, Otto Dix, Gerhard Glück und Horst Schmidt ergänzen die Ausstellung.

 

„Die Bilder zum Abendmahl sind ein wichtiger Teil der Sammlung unserer Stiftung“, erklärt Jochen Prüsse. „Wir zeigen Künstler, denen wir fast immer persönlich begegnet sind und die wir bei Ausstellungen in den Kemenaten kennengelernt haben. Ausnahmen sind Otto Dix und Gerhard Glück. Die Grafik von Otto Dix hatte ich bereits als junger Mann erworben, es ist mein Thema, das hat mich angesprochen.“
Gerhard Glück habe er durch die Ausstellung „Jesus 2.0“ kennengelernt. „Mich persönlich spricht dabei der sogenannte Verrat in einer Gesellschaft beim Essen an“, erläutert Prüsse. „Für mich ist das gemeinsame Essen etwas Intimes, ich esse gemeinsam mit Menschen, denen ich vertraue.“

Generationsübergreifende Ausstellung

Das Grundmotiv Abendmahl werde von jedem Künstler anders gedeutet. „Die meisten Künstler variieren das Thema, dabei erkenne ich mehrere Positionen: einmal die Abbildung des historischen Geschehens und zweitens den religiösen Input. Sicher spielt auch die Frage der Provokation eine Rolle, mit was kann provoziert werden?“, sagt Prüsse. Wenn ein religiöses Thema verfremdet wird, sichere man sich den Protest.

Prüsse will mit der Ausstellung Menschen erreichen, die an Kirche und an Kultur interessiert sind. „Junge Leute sind mir ebenfalls sehr wichtig, sie werden vor allem durch Otmar Alt angesprochen, das ist ein Magnet für die Ausstellung.“ Ein Lieblingsbild hat Prüsse nicht. Er habe zu jedem Bild einen persönlichen Bezug.

Die Ausstellung in der Jakob-Kemenate, Eiermarkt 1b in Braunschweig, ist bis zum 14. April zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Begleitend zur Ausstellung werden Führungen, Vorträge und Bildbetrachtungen angeboten. So führt am 27. März um 16 Uhr Jochen Prüsse selbst durch die Ausstellung und die Kunsthistorikerin Regien Nahrwold setzt sich am 7. April, 16 Uhr, mit dem Werk von Gudrun Brüne auseinander. Weitere Infos gibt es auf www.kemenaten-braunschweig.de.

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