"Kirche trifft" in Celle

Wo die Kirche ins Gespräch kommt

Ob mit Dramaturgen oder Schauspielern, Wissenschaftlern oder Persönlichkeiten der Celler Region: Superintendentin Andrea Burgk-Lempart sucht mit der Dialogreihe „Kirche trifft“ das Gespräch mit den Bürgern – seit zehn Jahren.

von Hans-Christian Roestel

Celle. Vor zehn Jahren hat der Kirchenkreis Celle das Format „Kirche trifft“ entwickelt. Vor dem Hintergrund dieses runden Geburtstags kann Superintendentin Andrea Burgk-Lempart sagen, dass sich diese Idee fest etabliert hat: „Kirche trifft“ biete ein flexibles Format, um zu Diskussionsveranstaltungen, Bürgerkanzeln oder Dialogen wie zuletzt dem Theatergespräch zur Inszenierung des ‚Todes eines Handlungsreisenden‘ am Schlosstheater einzuladen, sagt die Theologin. „Es geht darum, die Bürger miteinander ins Gespräch zu bringen. Ich finde es immer wieder belebend, mit Menschen in anderer Umgebung zusammenzutreffen.“ 
Der Theaterabend eröffnete die diesjährige Terminreihe von „Kirche trifft“ – über Arthur Millers Stück kam Superintendentin Burgk-Lempart, die seit einem Jahr den Kirchenkreis leitet, mit der Produktionsdramaturgin, Schauspielern, aber auch Wolfram Beins von der Psychosozialen Beratungsstelle in Celle über die zeitkritischen und psychologischen Dimensionen des Stückes ins Gespräch. 
„Ich bin überrascht, wie aktuell das Stück ist: Sinnkrise durch Arbeitslosigkeit. Das Gefühl, wertlos zu sein. Und über allem der Wunsch ‚Die Kinder sollen es besser haben‘“, sagt Andrea Burgk-Lempart. In Situationen wie dieser nehme sie eine hohe Gesprächsbereitschaft war, eine Offenheit gegenüber der Kirche und dem was, sie zu sagen habe. Fragestellungen seien oft die gleichen: Welche Botschaft soll wie zum Publikum transportiert werden, um beim Theaterszenario zu bleiben. „Bei diesen Abenden besteht auch die Gelegenheit für Fragen, was rege genutzt wird, oft entstehen auch Reibungspunkte.“ 

In diesem Jahr geht’s um Demokratie

Bis in die 1980er-Jahre gab es in Celle die „Evangelischen Wochen“, in denen intensiv an bestimmten Themen gearbeitet wurde – heute bietet „Kirche trifft“ die Möglichkeit, in der Residenzstadt unter diesem Motto zu facettenreichen Veranstaltungen einzuladen, die den Austausch mit gesellschaftlichen Gruppen intensivieren. „Die Reihe zielt auf Dialog. Das ist unsere Idee“, sagt Burgk-Lempart. „Wir wollen uns einmischen und in der gesellschaftlichen Diskussion als Kirche präsent bleiben, weil das Evangelium immer auf Öffentlichkeit zielt.“ 
So habe der Kirchenkreis in der Hochphase der Auseinandersetzungen um die Hähnchenschlachtfabrik in Wietze vor gut neun Jahren den EKD-Beauftragten für Landwirtschaftsfragen zu einer Podiumsdiskussion mit Landwirten, Politikern und Bürgerinitiativen eingeladen. In diesem Jahr orientieren sich Termine und Fragestellungen an die Gäste an dem Leitthema „Wohin entwickelt sich die Demokratie?”. So sollen die Aspekte Recht, Medien und Arbeit im Mittelpunkt der Veranstaltungen von „Kirche trifft“ stehen: „Mit der Präsidentin des Oberlandesgerichts Stefanie Otte, der Journalistin und Buchautorin Susanne Gaschke sowie der Leiterin des Jobcenters Celle, Sylke Schwanhold, haben wir drei Referentinnen gewinnen können, um wunde Punkte in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung zu diskutieren.“

Meteorologe zum Klimawandel

Mit dem Celler Meteorologen Thomas Hauf soll der Klimawandel erörtert werden. Und wirft man den Blick auf den unmittelbar nächsten Termin, so können sich die Gäste auf einen Abend mit Oskar Ansull freuen, der in Celle geboren wurde und als Wahl-Berliner immer wieder in seine alte Heimat zurückkehrt, um dort literarische Schätze der Stadt und der Region zu heben. 
Nach seinen Büchern über die Pastoren Georg W. F. Beneken aus Nienhagen, der zu den Mitbegründern der „Celleschen Zeitung“ gehört, und dem Langlinger Pastor H. W. F. Ueltzen, der als Dichter zwischen Aufklärung und Empfindsamkeit wirkte, wird Ansull am Freitag, 22. März, um 19 Uhr in der Stadtkirche Celle unter dem Titel „Heimat, schöne Fremde“ geistliche Persönlichkeiten der Reformation vorstellen. Neben Reformatoren wie Urbanus Rhegius und Johann Arndt aus der Frühen Neuzeit sind für die bürgerliche Blütezeit der Stadt im 18. und 19. Jahrhundert weitere Persönlichkeiten der Kirche bedeutend, die mit für eine Entwicklung von Wissenschaft, Handel und Wandel vor Ort stehen.
In diesem Jahr ist zudem die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Stephanie Springer, auf die „Bürgerkanzel“ der Celler Stadtkirche eingeladen – auch ein Ansatz, Kirche und Gesellschaft in Dialog treten zu lassen.
Info
Weitere Informationen und Termine zur Themenreihe „Kirche trifft“ finden sich regelmäßig zusammengestellt auf www.kirche-celle.de sowie auf Anfrage bei der Superintendentur unter Tel. 05141/338 80.

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