Reform

Schleswig-Holstein will Kita-Gebühren deckeln

Bislang liegt der Norden bei den Kosten weit über dem Durchschnitt. Bis die Reform in Kraft tritt, dauert es noch.

Kinder zu schminken, ist nur eine Aufgabe der Erzieher

Kiel. Mit der "Kitareform 2020" will Schleswig-Holstein die Qualität der frühkindlichen Bildung verbessern und die Elternbeiträge deckeln. So soll ein Ganztagsplatz mit acht Stunden Betreuung für Unter-Dreijährige maximal 288 Euro kosten, kündigte Sozialminister Heiner Garg (FDP) an. Ein Halbtagsplatz mit fünf Stunden Betreuung kostet künftig höchstens 180 Euro. Derzeit sind die Elternbeiträge in Schleswig-Holstein je nach Wohnort unterschiedlich und liegen weit über dem Bundesdurchschnitt. Die Reform soll im Sommer 2020 in Kraft treten. Hartz-IV-Empfänger zahlen bereits vom 1. August 2019 an keine Beiträge mehr.
Neue Mindeststandards sollen die Qualität der Kitas verbessern: Der Betreuungsschlüssel in der Kindergartengruppe wird von 1,5 auf zwei Fachkräfte erhöht. In den Gruppen sollen maximal 22 Kinder betreut werden. Dazu sollen die Vor- und Nachbereitung mit fünf Stunden pro Woche honoriert werden. Geregelt wird auch die Freistellung der Kita-Leitungen. Die Maßnahmen sollen dazu führen, so Garg, dass Erzieherinnen mehr Zeit für die Kinder haben und der Beruf dadurch attraktiver wird.
Die neue Deckelung soll auch für die Tagespflege gelten. Sie sei, so Garg, ein wertvoller und dringend benötigter Bestandteil der frühkindlichen Betreuung. Dafür sollen landesweit Mindestsätze für die Vergütung festgelegt werden.

Finanzierung einheitlich

Verbunden ist mit der Kita-Reform auch ein einheitliches Finanzierungssystem und eine Erhöhung der Landeszuschüsse. Nach Berechnungen des Sozialministeriums zahlt das Land im Jahr 2022 etwa 568 Millionen Euro an Zuschüssen. Im Jahr 2017 waren lediglich rund 245 Millionen Euro. Allerdings räumte Garg auch ein, "dass damit nicht sofort alle Erwartungen erfüllt werden können".
Die Anstrengungen des Landes seien "mehr als lobenswert", sagte Axel Briege, Vorstandsvorsitzender der Landeselternvertretung. Ziel sei, Schleswig-Holstein zum "familienfreundlichsten Bundesland" zu machen. Die geplanten Qualitätssteigerungen seien lediglich ein Einstieg in die längst überfälligen Verbesserungen, betonte AWO-Landesgeschäftsführer Michael Selck für die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände. Für eine hochwertige frühkindliche Bildung seien weitere finanzielle Anstrengungen notwendig. Landkreistag, Gemeindetag und Städteverband verlangten eine weitere Senkung der kommunalen Finanzierung. (epd)

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