Bockbier „Reformator“

Zum Wohl! Kirchengemeinde aus Wismar braut Lutherbier

Vom guten Geschmack ihres Produktes waren die Hobby-Brauer selbst überrascht. Jetzt verkaufen sie das Bockbier – abgefüllt in Champagnerflaschen.

Bier-Selig (v.l.): Brauereigeselle Florian Wirth, Heiner Busche, Braumeister Stefan Beck vom Wismarer Brauhaus sowie Pastor Roger Thomas

Bier-Selig (v.l.): Brauereigeselle Florian Wirth, Heiner Busche, Braumeister Stefan Beck vom Wismarer Brauhaus sowie Pastor Roger Thomas Foto: Nicole Hollatz

von Nicole Hollatz

Wismar. Die Wismarer haben seit Gründonnerstag ihr eigenes Reformationsbier: etwa 1000 Liter „Reformator“ sind im Keller des Wismarer Brauhauses gereift und werden in besonderen Flaschen in der Kirche St. Nikolai verkauft.

„Reformator, das ist ein Wortspiel“, erklärt Heiner Busche (40), Ingenieur, Mitglied im Kirchengemeinderat St. Nikolai und in der dortigen Männergruppe. Und inzwischen leidenschaftlicher Hobbybrauer. „Das Bier hat Bockbierstärke, diese Biere haben traditionell die Endung -ator im Namen.“ Da war es logisch, dass das Wismarer Bier zum Reformationsjubiläum Reformator heißen musste.

Den Hopfen für das Bier haben Gemeindemitglieder in ihren Gärten angebaut und geerntet. „Jede einzelne Dolde muss per Hand abgepflückt werden“, zeigt Heiner Busche die getrockneten „Aromahopfen-Dolden“, die zusammen mit der Bierwürze aus Wasser und geschrotetem Malz gekocht werden. „Etwa 90 Minuten, bis der Hopfen seine Inhalts- und Aromastoffe abgegeben hat“, erklärt Wismars Braumeister Stefan Beck.

Hopfen aus dem Internet

Die „Reaktivierung“ der eigentlich einmal großen Wismarer Hopfengärten begann mit einer einzigen Pflanze aus dem Internet. Üppig vermehrt, wächst Hopfen, sagt Heiner Busche lachend, „wie der Teufel!“ Drei Meter Wuchs innerhalb von drei Wochen seien keine Seltenheit.

Im vergangenen Herbst war die Ernte des Wismarer Hopfens ertragreich. Es folgte gleich der erste eigene Brauversuch. Historisch korrekt pumpten die Männer 180 Liter frisches Metelsdorfer Quellwasser in eigene Fässer und schafften sie nach Wismar in ihren „Braugarten.“ In einem alten holzbefeuerten 100 Liter DDR-Waschkessel sollte mit Hilfe einiger passionierter Hobbybrauer das erste eigene Bier entstehen. Das Experiment gelang – nach drei Wochen Reifezeit kam die Stunde der Wahrheit. „Dass es halbwegs wie Bier schmecken würde, hatten wir wohl erwartet. Dass es aber derartig gut schmecken würde, war dann doch eine schöne Überraschung!“, berichtet Heiner Busche von der „Geburtsstunde“ des Wismarer Reformationsbiers.

Erlös für Restaurierung in St. Nikolai

Aber die so entstandenen 100 Liter würden für so ein großes Projekt nicht reichen. „Zum Glück hilft uns das Brauhaus mit den größeren Möglichkeiten“, dankt Roger Thomas, Pastor an St. Nikolai. Denn mit dem so entstandenen Bier soll ein großes Restaurierungsprojekt in St. Nikolai finanziell unterstützt werden. „Die Reste der Wandmalerei mit Kogge und Heiligen in der Schonenfahrerkapelle“, erzählt der Pastor. 20 000 Euro soll die fachgerechte Restaurierung kosten, die Hälfte davon ist beim traditionellen Nikolaibankett zusammen gekommen. Einen Großteil der zweiten Hälfte könnte das Bier bringen.

Auch deswegen haben die Hobbybrauer ihr Bier in edle Champagnerflaschen gefüllt. Jede der Flaschen mit jeweils 0,75 Litern Inhalt ziert das Bild der Wismarer St. Nikolaikirche und zeigt den guten Zweck des Projektes.

Seit Gründonnerstag gibt es die Flaschen am Verkaufsstand von St. Nikolai zu kaufen. „Solange der Vorrat reicht“, sagt Pastor Roger Thomas. Der Preis pro Flasche beträgt 10 Euro.

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