Beratung der Diakonie Altholstein

Wenn Rentner Schulden machen

Viele Senioren unterschätzen die finanziellen Einschnitte, die der Rentenbeginn mit sich bringt. Auch unerwartete Ausgaben drohen. Die Schuldnerberatung der Diakonie Altholstein will jetzt helfen.

Janine Trepel und Irina von Daak-Pyne (v.l.) von der Schuldnerberatung der Diakonie Altholstein

Janine Trepel und Irina von Daak-Pyne (v.l.) von der Schuldnerberatung der Diakonie Altholstein Foto: Christine Noack

von Christine Noack

Neumünster. Bisher scheuen verschuldete Rentner die Beratung, dabei steigt laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in den kommenden 20 Jahren das Armutsrisiko für Rentner deutlich.„Wir hatten schon den Fall in der Beratung, dass eine Rentnerin von 500 Euro Rente 300 Euro Raten gezahlt hat“, berichtet Irina von Daak-Pyne, Schuldnerberaterin in Neumünster. Manche Rentner würden lieber tagelang nur Nudeln essen, als ihre Schulden nicht zu bedienen oder den Enkel nicht zu unterstützen. 

Um einer Verschuldung vorzubeugen, will das Team der Schuldnerberatung der Diakonie Altholstein jetzt gezielt auf ältere Menschen zugehen, die ihre Rente planen oder bereits mit einem geringeren Budget zurechtkommen müssen. „Diese Generation hat noch gelernt zu sparen“, ist sich Janine Trepel sicher. 

„Viele Senioren unterschätzen den Umbruch des Renteneintritts“, ist ihre Erfahrung. Wenn zu den laufenden Ausgaben noch Kreditverpflichtungen oder Ratenzahlungen kommen, rutschen einige sogar in die Verschuldung oder leben unter großen Einschränkungen.

Wo die Ausgaben steigen

Mit dem Eintritt in die Rente sinkt das monatlich verfügbare Geld. Im Gegenzug steigen mit zunehmender Gebrechlichkeit die Ausgaben für Medikamente, Unterstützung in Haus und Garten, behindertengerechte Umbauten oder schlicht die Heizkosten, weil sich die Senioren mehr zu Hause aufhalten als im Berufsleben. Besonders schwierig wird es für viele, wenn sie den Partner verlieren und dann nur noch mit einem Einkommen auskommen müssen.

Das Team der Schuldnerberatung unterstützt daher bei der Budgetplanung mit dem erwarteten Renteneinkommen, berät zu zustehenden Leistungen wie Wohngeld, Grundsicherung oder Vergünstigungen für Senioren, beispielsweise bei den Rundfunkgebühren. Dabei können die Beraterinnen auch die verbreitete Angst nehmen, dass die Kinder herangezogen würden, sobald eine Sozialleistung beantragt wird. 

Beratung noch vor der Rente

Aktuell suchen Irina von Daak-Pyne und Janine Trepel den Kontakt zu Seniorengruppen, zum Beispiel in Kirchengemeinden, um auf Einladung über das Thema zu referieren. Die Schuldnerberatung packt damit im Vorwege ein Thema an, das sie in wenigen Jahren stärker beschäftigen könnte. Denn laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wird im Jahr 2036 jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht sein. Grund dafür sind die seit den 90er-Jahren veränderten Arbeitsbedingungen mit Mini-Jobs, befristeten Verträgen und vermehrter Selbstständigkeit, die zu einem geringeren Rentenanspruch führen. Vor allem aber bedroht die Altersarmut Frauen, die sich lange Jahre um die Familie gekümmert haben.

Bereits jetzt sind nach Angaben der Creditreform bundesweit 9,9 Prozent der überschuldeten Personen älter als 60 Jahre, mit steigender Tendenz. Den Weg zur Schuldnerberatung finden in Neumünster jedoch nur wenige. 2016 waren 4,9 Prozent der Ratsuchenden älter als 65 Jahre, das sind 27 Personen. Im laufenden Jahr haben bisher 18 Senioren die Beratung in Anspruch genommen, also nur 3,1 Prozent. Janine Trepel wirbt für die kostenlose Hilfe: „Es wäre super, wenn sich ältere Menschen schon vor dem Renteneintritt beraten ließen.“ 

Info
Termine mit der Schuldnerberatung in Neumünster können unter Telefon 04321 / 25 27 10 10 vereinbart werden. Die Beratungsstelle Am Alten Kirchhof 2 ist barrierefrei zu erreichen. Wenn es darum geht, Unterlagen durchzusehen, Anträge auszufüllen oder Begleitung zu einer Behörde zu bekommen, sind die Ämterlotsen unter Tel. 04321 / 25 27 10 25 ansprechbar.

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