Einsichten – die christliche Kolumne

Der Boden unter den Füßen

Über den Bewahrer und den Bewahrten schreibt Pastor Jochen Müller-Busse aus Putbus in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: Noah aber baute dem HERRN einen Altar und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch. Aus Genesis 8,18-22

Endlich, nach 1 Jahr und 10 Tagen ist die Sintflut zu Ende. Das Aushalten auf engem Raum in der Holzkiste, genannt Arche, hat ein Ende. Mensch und Tier blieben bewahrt. Gott, der HERR, gibt die Weisung, die Arche zu verlassen.

So ging Noah heraus mit seiner Familie und den Tieren und baute dem HERRN einen Altar. Es wäre ja denkbar, dass er sich zunächst einmal streckt und reckt, genießt, auf festem Boden herum zu laufen, sich sonnt, eine Hütte baut, etwas zu essen beschafft und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt - aber Noah baut als erstes dem HERRN einen Altar. Noah weiß: Er ist bewahrt. Und er kann nicht leben ohne die Verbindung mit dem, der ihn bewahrt. Das ist der Sinn des Gottesdienstes: die Verbindung zu pflegen zwischen Gott und uns, die Verbindung zwischen dem Bewahrer und den Bewahrten.

Wir haben festen Boden unter den Füßen. Das können Sie, lieber Leser, in diesem Moment ganz konkret körperlich wahrnehmen. Vielleicht mögen Sie dem einmal nachspüren, dem festen Halt auf der Sitzfläche, dem Boden unter den Füßen. Um uns ist Luft zum Atmen. Wir können einmal der Luft, die wir atmen, nachspüren und so erkennen: Wir bekommen, was wir brauchen, um zu leben. Das ist nicht selbstverständlich. Das feiern wir im Gottesdienst. Noah opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch. Brandopfer sind uns nun fremd, aber wir brauchen auch etwas für die Sinne, erfreuen uns an köstlichen Düften, schönen Klängen oder Kerzen und Bildern in der Kirche. Von Gott wird in sehr menschlichen Kategorien gesprochen. Auch das brauchen wir. Wir brauchen menschliche Bilder, um von Gott etwas zu verstehen. Gott hört uns und sieht uns. Er nimmt uns wahr. Gott kann uns gut riechen.

Das können wir feiern. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Gott gewährt die grundlegenden Rhythmen, die das Leben, die Schöpfung, braucht. Gerade jetzt im Herbst können wir den Wechsel der Tageszeiten und Jahreszeiten spüren und uns daran freuen – zum Beispiel, wenn wir bei einem Spaziergang den würzigen Duft des herbstlichen Waldes genießen.

Unser Autor
Jochen Müller-Busse ist Pastor in Putbus und Vertretungspastor in Semlow-Eixen in Mecklenburg-Vorpommern.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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