Das Luther-Experiment

Moderne Version von "Verleih uns Frieden gnädiglich"

Ungewohnt und experimentell: So klingt das Reformationsjubiläum nach einer Komposition von Dieter Mack. Der Kirchenkreis Plön-Segeberg hatte um ein Werk gebeten, bei dem viele Chorsänger und Instrumentalisten mitmachen können.

Chorgesang von allen Seiten erklingt zur Uraufführung der „Raummusik“ in der Plöner Nikolai-Kirche.

Chorgesang von allen Seiten erklingt zur Uraufführung der „Raummusik“ in der Plöner Nikolai-Kirche. Foto: Thorge Rühmann

von Thorge Rühmann

Plön. Es ist ein ganz besonderes Ereignis: Das Werk „Verleih uns Frieden gnädiglich“, eine Komposition von Dieter Mack im Auftrag des Kirchenkreises Plön-Segeberg, feierte am Sonnabend, 28. Oktober, in Plön seine Premiere. Rund 250 Musiker aus dem gesamten Kirchenkreis hatten wochen- und monatelang intensiv daran gearbeitet, die Kreation des Lübecker Künstlers mit Leben zu füllen. Die Zuhörer hörten experimentelle Musik, gekoppelt mit Gesang auf der Grundlage eines von Martin Luther gedichteten Liedes.

Chorprobe mit spirituellen Anklängen

Im kreuzförmigen Grundriss der Plöner Nikolaikirche haben sich vor der Uraufführung Dutzende Chorsänger zur Probe an mehreren Stellen im Gotteshaus aufgestellt. Langsam beginnen sie, die Noten der Partitur zu singen. Es ist eine zugleich schwere und klare Melodie, begleitet nur von Streichern; wer jetzt die Augen schließt und sich nur auf seinen Hörsinn konzentriert, der empfindet – etwas Spirituelles.

Komponist Mack bezeichnet Werk als Raummusik

„Es ist eine Zusammenführungsprobe“, erläutert Kirchenkreiskantor Andreas Maurer-Büntjen. Chorsänger und Musiker haben die Herausforderung angenommen, das vom Komponisten als „Raummusik“ bezeichnete Werk in echte Töne umzusetzen. Vorgesehen ist dazu ein Orchester mit vielfältigen Percussion-Instrumenten, mit Gongs, dazu vier Chöre, zwei Blechbläser-Ensembles und vier Solisten. Die Grundlage und Namensgeber des Werks ist das Lied Martin Luthers „Verleih uns Frieden gnädiglich“: Dieter Mack hat sich frei mit dem Inhalt dieses gesungenen Gebets um den geistlichen, aber auch den irdischen, politisch-sozialen Frieden auseinandergesetzt. Er verwendet dabei nicht den kompletten Text Luthers, sondern auch Zitate und Fragmente aus anderen Quellen und „frei erfundenes phonetisches Material“.

Transzendenz und Kontemplation

„Wenn jemand fasziniert ist von dieser Musik, dann bin ich zufrieden“, so Mack. Er will die Zuhörer „hinüberführen in etwas anderes, etwas Spirituelles“ – von dort sei es dann nur ein kleiner Schritt hin zur Religion. Ihm gehe es um einen Zustand der Transzendenz und Kontemplation – wie man diesen erreiche, so Mack, sei unbedeutend: „Wichtig ist, dass die Musik wirkt.“ „Die Zuhörer können in dem Stück etwas über die Fragilität von Frieden erfahren“, sagt Kirchenmusikdirektor Henrich Schwerk. „Es ist aber auch zu hören, dass Krieg und Frieden in gewisser Weise zusammengehören.“

Komposition sei „Form reformatorischen Aufbruchs“

Das Projekt sei einer der Höhepunkte des musikalischen Programms des Kirchenkreises zum Reformationsjubiläum,sagt Propst Erich Faehling: „Diese Komposition ist eine Form reformatorischen Aufbruchs. Denn Reformation steht für mich für die Freiheit der Seele.“ Und das müsse immer neu durchbuchstabiert werden – „hier geschieht das in der Sprache der Musik“.
Die Aufführungen finden statt am 28. Oktober, 19 Uhr, in der Nikolaikirche Plön und am 4. November, 17 Uhr, in der Marienkirche Bad Segeberg. Der Eintritt kostet jeweils Eintritt 10 Euro.

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