Dreißigjähriger Krieg in Mecklenburg

Als die Kirchen verschwanden

In Mecklenburg machte der Dreißigjährige Krieg vor Kirchen und Kappellen nicht Halt. Zahlreiche Gotteshäuser brannten nieder. Jetzt sollen sie wieder sichtbar gemacht werden – mit Gedenkorten auf einem Pilgerweg.

Eckart Hübener hatte die Idee zu dem Projekt

Eckart Hübener hatte die Idee zu dem Projekt Foto: Sophie Ludewig

von Sophie Ludewig

Gielow/Rambow. Moltzow, Lupendorf, Hinrichshagen, Tressow, Langwitz: Orte, die einst Kapellen besaßen, wo Bewohner sich versammelten, beteten, sangen, diskutierten. Mitte des 17. Jahrhunderts war Schluss damit. Das Gros der Bevölkerung war im Krieg umgekommen oder geflohen, die beschädigten Gotteshäuser verfielen sukzessive, bis nichts mehr darauf hinwies, dass es dort einmal einen Andachtsort gegeben hatte. Daran soll sich nun etwas ändern.

Die Kirchengemeinde Gielow hat ein Projekt gestartet, das das einst Verlorene zurückbringen soll. „Wir möchten diesen Orten ihre geistliche Mitte wiedergeben“, erklärt Eckart Hübener. Der frühere Pastor aus dem Nachbardorf Rambow hatte die Idee zu dem Projekt und begleitet dessen Umsetzung. Dafür musste er viele Archiv-Akten wälzen, denn in fünf von sieben Orten, die künftig ein Pilgerweg verbinden soll, sind gar keine Zeichen eines Kirchenbaus mehr vorhanden. 

Gedenkorte in natürlicher Umgebung

Der Schlüssel zur Bestimmung der einstigen Standorte war eine Karte von 1756, die die alten Friedhöfe verzeichnet. Ziel ist es aber nicht, die Kapellen neu zu errichten. Es entstehen Gedenk­orte, die sich in die natürliche Umgebung einfügen. Die neuen „Kapellen“ haben zwar kein Dach, sind aber meist von einer niedrigen Natursteinmauer umfriedet, in der Mitte eine Sitzbank, von der aus die Besucher auf ein Holzkreuz blicken. Daran ist eine ovale Bronzeplatte angebracht, auf der ein Bibelspruch und eine dazu passende Figur zu sehen sind, daneben wird eine Linde gepflanzt.

Die Bronzeplatten fertigt die Gessiner Künstlerin Kathrin Wetzel. „Sie fiel mir sofort ein, als ich an die Planung des Projekts ging“, sagt Eckart Hübener, „denn ihre Arbeiten finde ich sehr grazil und ausdrucksstark.“ Ferner scheue die Bildhauerin nicht davor zurück, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. So ist am Kreuz in Langwitz unter dem Bibelwort „Ich bin der gute Hirte“ keine Darstellung eines Hirten zu finden, sondern eine Frauengestalt, die beschützend ihren weiten Mantel ausbreitet.

Alle Stationen des Kapellenwegs stehen unter einem der sieben Ich-bin-Worte aus dem Johannes-Evangelium. Als zusätzlicher geistlicher Impuls ist an den Kreuzen auch eine Frage zu lesen, die sich auf das jeweilige Jesuswort bezieht. In Langwitz zum Beispiel: Wie hütest du Leben?

Ein ganzes Dorf hat geholfen

„Wir wollen dazu anregen, an den Stationen seinen Gedanken über Gott und das eigene Leben freien Lauf zu lassen“, sagt Eckart Hübener. Wenn die sieben Andachtsorte voraussichtlich Ende des Jahres fertiggestellt sind, können sich die Wanderer auf einen rund 30 Kilometer langen Weg machen und dabei einiges entdecken, wie die Überreste der „Wüsten Kirche“ in Domherrenhagen oder die noch intakte Kapelle in Gessin.

Für Eckart Hübener sei das Wichtigste an dem Projekt all das, was auf dem Weg zu dessen Realisierung möglich wurde. „Das Engagement der Leute in den beteiligten Dörfern hat mich sehr berührt“, erklärt der 64-Jährige. „In Hinrichshagen etwa haben die Einwohner hart gearbeitet, um den Platz für ihren Andachtsort herzurichten. Da wurde gegraben, nivelliert, Steine gerückt, sie haben ihre eigenen Geräte, Trecker oder Anhänger zur Verfügung gestellt – diese Begeisterung war einfach unglaublich toll.“ So sei die Ideee des Kapellenwegs eben nicht nur für die Pilger gedacht, sondern auch als Beitrag zur Stärkung des gemeinschaftlichen Lebens im Dorf.

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