Kirchen würdigen Helmut Kohl

Als Christ im Einsatz für den Frieden in Europa

Der verstorbene Altkanzler habe „Weitblick mit Realismus“ verbunden, lobt die Evangelische Kirche. Auch Papst Franziskus bekundet sein Beileid.

Helmut Kohl im November 2014 bei der Präsentation seines Buchs „Aus Sorge um Europa“

Helmut Kohl im November 2014 bei der Präsentation seines Buchs „Aus Sorge um Europa“ Foto: Norbert Neetz / epd

Berlin/Bonn. Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland haben die Verdienste von Altbundeskanzler Helmut Kohl gewürdigt. Der am Freitag gestorbene CDU-Politiker habe sich als Christ für Frieden, Wiedervereinigung und Europa eingesetzt, hieß es.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lobte Kohls „Weitblick mit Realismus“. Er habe „Visionen mit Freundschaft“ verbunden, so der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, in einem gemeinsamen Kondolenzschreiben. „Ohne das Vertrauen, das Helmut Kohl bei vielen Politikern in aller Welt genoss, wäre die deutsche Einheit nicht so schnell und so friedlich zustande gekommen.“

Zugleich hoben Bedford-Strohm und Schwaetzer die maßgebliche Rolle Kohls für die europäische Einigung hervor. Prägend für seine politische Leidenschaft sei dessen Erfahrung der Grenze zwischen seiner pfälzischen Heimat und Frankreich gewesen. „Gemeinsam mit anderen jungen Europäern wollte Kohl symbolisch die Schlagbäume beseitigen.“ Das Schengener Abkommen, das die Grenzkontrollen zwischen den beteiligten Staaten abschaffte, und die Wirtschafts- und Währungsunion seien in erheblichem Maße sein Werk.

Christliches Zeugnis

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete den Altkanzler als Persönlichkeit mit historischem Weitblick. Mit seinem Tod gehe eine Ära zu Ende. Marx betonte, die Kirche in Deutschland sei dankbar für das christliche Zeugnis von Helmut Kohl. So sei es dem Verstorbenen ein großes Anliegen gewesen, auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre für eine Soziale Marktwirtschaft einzutreten. Kohl gehörte der katholischen Kirche an.

Papst Franziskus hat den Verstorbenen als großen Staatsmann und überzeugten Europäer gewürdigt. „Die Nachricht vom Heimgang des Bundeskanzlers a. D. Helmut Kohl nach langer schwerer Krankheit hat mich tief bewegt. Der Familie des Verstorbenen wie auch Ihnen und dem ganzen deutschen Volk, das um den 'Kanzler der Einheit' trauert, bekunde ich aufrichtige Anteilnahme“, erklärte das katholische Kirchenoberhaupt nach Angaben des vatikanischen Presseamtes in einer Privataudienz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Rom.  Als „großer Staatsmann und überzeugter Europäer“ habe Kohl mit Weitblick und Hingabe für das Wohl der Menschen in Deutschland und der europäischen Nachbarn gearbeitet, fügte Franziskus hinzu.

Der Zentralrat der Juden verwies darauf, dass Kohl den Weg für die Einwanderung von Juden in die Bundesrepublik frei gemacht und somit wesentlich zu einer neuen Blüte der jüdischen Gemeinschaft beigetragen habe. (KNA/epd)

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