Schnitzaltar von Dorf Mecklenburg

Zurück zur ursprünglichen Schönheit

Fünf Jahre hat die Restaurierung gedauert, doch rechtzeitig zum Reformationsjubiläum ist der Schnitzaltar der Kirche von Dorf Mecklenburg fertig – und auch Bischof v. Maltzahn freut sich.

Der Schnitzaltar in neuem Glanz

Der Schnitzaltar in neuem Glanz Foto: Nicole Kiesewetter-Müllejans

von Nicole Kiesewetter-Müllejans und Christian Meyer

Dorf Mecklenburg. „Meisterlich und behutsam Hand angelegt“ hätten die Restauratorinnen, um den künstlerisch herausragenden Altar mit seinen Gemälden und Schnitzwerk für kommende Generationen zu sichern, sagte Pastorin Antje Exner bei der Vorstellung des Altars. Sie freue sich, dass die Arbeiten gerade im Jahr des Reformationsjubiläums abgeschlossen werden konnten. Besonders sei an dem Altar, dass die Theologie der Reformation „in eine neue Bildsprache gebracht wurde“. Die Kosten von insgesamt 145.000 Euro trugen größtenteils die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest sowie die Rudolf-August Oetker-Stiftung.

Biblische Geschichten des Alten und Neuen Testamentes werden auf dem Altar von 1622 zueinander in Bezug setzt. Bisher übliche Heiligenfiguren als Mittler zwischen Gott und den Menschen wurden nicht mehr gebraucht, weil nach der Lehre des Reformators Martin Luther jeder Mensch direkt mit Gott kommunizieren kann. Somit sei der Altar „ein bildreiches Zeugnis des veränderten Glaubens“.

3600 Stunden Arbeit

Der Zahn der Zeit hatte in den vergangenen Jahrzehnten kräftig an dem dreistöckigen Eichenholzkunstwerk mit zahlreichen Einzelfiguren, Reliefs, Girlanden und Nischen genagt. „Ich war immer traurig, dass der Altar so mitgenommen aussah“, erinnert sich Restauratorin Annette Seiffert, die mit ihrer Kollegin insgesamt rund 3600 Stunden an der Restaurierung gearbeitet hat. „Man konnte die Schönheit der Farben und Formen nicht mehr sehen.“ Der letzte Farbanstrich von Anfang des 19. Jahrhunderts war sehr grob und dickschichtig. Dadurch hatte die Plastizität der Figuren und Farben gelitten. Durch die Abnahme dieser letzten Überfassung wurde nun die barocke Farbigkeit wieder sichtbar.

„Ein besonderes Kleinod protestantischer Kirchraumgestaltung hat zu ursprünglicher Schönheit zurückgefunden“, sagte der Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn. Die Darstellung der biblischen Figuren führe zurück zu den Quellen in der Bibel: „Es ist die Aufforderung, von dort her Ordnung für das eigene Leben zu finden.“

Zeichen für die Reformation

Welche herausragende Bedeutung der Kirche von Dorf Mecklenburg zukommt, unterstreiche ihre Einbindung in die Kette von 18 ausgewählten Kirchengebäuden, die im Gedenkjahr 2017 unter dem Titel „Wege protestantischer Kirchraumgestaltung“ zu einer Entdeckungsreise durch das Zeitalter der Reformation in Mecklenburg und Vorpommern einladen.

Ursprünglich war die Kirche Eigentum des regierenden Herzogs Adolph Friedrich I. zu Mecklenburg-Schwerin (1588–1658). Ihm kam es darauf an, mit der Kirche ein deutliches Zeichen für die Reformation zu setzen und sie als Vorbild für andere Sakralbauten im Herzogtum umzugestalten. Schließlich konnte der Herzog seinen Zeremonienmeister Gregor Wolff dazu bewegen, der kleinen Kirche einen Altar ganz nach den Vorstellungen der lutherischen Reformation zu stiften.

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