Valentinstag

Warum Gemeinden Gottesdienste für Liebespaare feiern

Viele Kirchengemeinden im Norden feiern den Valentinstag mit einem Gottesdienst. Pastoren segnen Paare, ob frisch verliebt oder seit Jahren verheiratet. Wollen wir dieses neue Fest im Kirchenjahr?

Valentinstag, der Tag der Liebenden

Valentinstag, der Tag der Liebenden Foto: Rike / Pixelio

von Catharina Volkert

Reinbek. „Gott segne eure Liebe. Gott behüte euer Vertrauen und euren Mut, Gott schenke euch seinen Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit, heute und in Ewigkeit.“ Diese Segensworte werden Pastorin Barbara Schöneberg-Bohl und Vikarin Nina Heinsohn Verliebten zusprechen. So planen sie einen Teil ihres Gottesdienstes in der Nathan-Söderblom-Kirche in Reinbek. Andere, stellen sich die beiden vor, bleiben in der Bankreihe sitzen und lauschen der Orgel oder den Liebesliedern, die die Gruppe „Soulfood“ spielt.

Die Gottesdienstgemeinde aus Reinbek sol am Valentinstag, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, Verliebte und Liebende treffen, die sonst selten eine Kirche betreten. Viele wurden in den vergangenen Jahren von der Reinbeker Pastorin getraut. Sie wurden eigens eingeladen.

„Feiertag der Blumenhändler“ wird der Valentinstag auch genannt. Floristen hoffen auf Gewinne, indem sie Verliebte dazu auffordern, dem oder der Angebeteten Blumen zu schenken. Die Umweltschutzorganisation BUND rät, fair gehandelte Rosen zu kaufen.

Wer Valentin war

Kirchengemeinden setzen einen Gegenakzent. Sie erzählen die Geschichte von Valentin, um den sich Legenden ranken. Der Bischof segnete im 3. Jahrhundert heimlich Liebespaare und schenkte ihnen Blumen. Besonders in England und den Vereinigten Staaten wird der Valentinstag gefeiert. Von dort ist er nach Deutschland gekommen – auch dank der Werbeindustrie: Blumen, Parfums und Pralinen haben den Tag wieder in die Erinnerung gebracht.

Besondere Gottesdienste, Segnungen, Lesungen, Konzerte: Viele Kirchengemeinden bieten Akzente für Verliebte – und über die Liebe selbst. Folgen die Gemeinden den Blumenhändlern? Gehört neben Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten zukünftig der Valentinstagsgottesdienst zu den besonderen Anlässen im Pfarralltag?

Hans-Martin Gutmann, Professor für Praktische Theologie an der Hamburger Universität, sagt: „Generell gibt es Überlegungen, die Kasualien um biographiebedingte Ereignisse zu erweitern. Beispielsweise um den Beginn des Beruflebens, bei Trennungen – und auch um einen Gottesdienst für Verliebte.“ Der Theologe ergänzt jedoch: „Wir setzen uns nicht auf jeden Zug drauf. Es ist nicht nötig, wenn Ikea aufmacht, einen Segens-Gottesdienst anzubieten. Aber wir müssen ernst nehmen, was die Herzen der Menschen erreicht.“ Der Valentinstag scheint die Herzen vieler Menschen zu erreichen und an Bedeutung zu gewinnen. „Das ist ein festes, gemeinsames Datum für sehr viele“, so Gutmann. Menschen würden an diesem Tag an ihre Liebe erinnert – und positiv aufgebaut werden, wenn ihre Liebe in einer Krise zu stecken scheint.

Von der Unsicherheit der Liebespaare

Paare suchen seit einigen Jahren verstärkt nach Ritualen für ihre Liebe. An vielen Brücken in Europa hängen deswegen sogenannte Liebesschlösser, auf denen Paare ihre Namen verewigen. Ist das Schloss befestigt, werfen die Verliebten den passenden Schlüssel in den Fluss, um das ewige Beisammensein zu beschwören.

Auch das Bedürfnis, sich am Valentinstag der Liebe zu vergewissern und den Segen zugesprochen zu bekommen, zeigt die Unsicherheit der Liebenden. Gutmann beobachtet: „Im Moment der Eheschließung gilt die Zusage, dass die Liebe unzerbrechlich ist. Das ist für den Moment die Wahrheit, die die Menschen brauchen. Doch die Liebe scheint im Alltag getrübt zu werden. Gottesdienste und Rituale wie das Befestigen von Schlössern an Brücken laden diese Zusage auf – wie einen Akku. Das alte Versprechen erhält durch den Segen eine neue Kraft.“

Warum der Segen wichtig ist

Auch Pastorin Schöneberg-Bohl merkt, wie wichtig den Menschen der Segen ist. „Das Bedürfnis ist groß, weil ihr Leben brüchig ist.“ Gerade, weil viele Paare heiraten mit dem Wissen, dass Beziehungen scheitern können, brauchen sie den Segen. Vikarin Heinsohn ergänzt: „Der Segen bei der Trauung ist ein Platzhalter. Denn wir versprechen uns mit der Ehe mehr, als wir können. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt – und sind deswegen angewiesen auf Gottes Liebe.“

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