Im Schauspielhaus

Theaterstück „Luther“ feiert Premiere in Kiel

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu hat mit seinem Roman „Evangelio“ die Vorlage geliefert. Landesbischof Ulrich hält zu dem Stück eine Theaterpredigt.

Landesbischof Gerhard Ulrich während des Pressegesprächs

Landesbischof Gerhard Ulrich während des Pressegesprächs Foto: Olaf Struck / Schauspiel Kiel

Kiel. Das Landeskirchenamt der Nordkirche und das Kieler Schauspielhaus präsentieren gemeinsam das Theaterstück "Luther" von Feridun Zaimoglu. Auch anlässlich des Reformationsjubiläums hat der Kieler Bestsellerautor, Essayist und Dramatiker gemeinsam mit seinem Co-Autor Günter Senkel das historisch-religiöse Thema für die Bühne geschrieben. Premiere ist am Sonnabend, 7. Oktober, um 20 Uhr.Eine weitere Aufführung findet am Sonntag, 8. Oktober, um 19 Uhr statt. Landesbischof Gerhard Ulrich wird am Dienstag, 10. Oktober, um 20 Uhr dazu eine Theaterpredigt im Schauspielhaus halten, kündigen Nordkirche und Schauspielhaus an.

Das Stück schließt thematisch an den Luther-Roman "Evangelio" von Zaimoglu an. Während der Roman die Bibelübersetzung Luthers auf der Wartburg 1522 ins Zentrum stellt, spielt das Stück 18 Jahre später in Wittenberg. Darin ist Luther ein verheirateter Familienvater, die Zeiten sind unruhig und aufgeheizt. Als ein sehr heißer Sommer zu Ernteverlust und Wasserknappheit führt, braucht man Schuldige, und es kommt zu einem Hexenprozess: Eine Frau und drei Männer werden grausam hingerichtet. "Drei bis vier Tage hat ihr Sterben gedauert", sagte Zaimoglu.

Viel Unrecht

Landesbischof Ulrich verwies darauf, dass die Hexenprozesse in ihrer absoluten Mehrzahl von weltlichen Gerichten nach Maßgabe des zeitgenössischen Strafrechts geführt wurden. Insgesamt habe aber damals der Glaube an den Teufel zu viel Unrecht geführt. Auch Luther habe als Kind seiner Zeit an den Teufel geglaubt. "Luther darf nicht als Heiliger verehrt werden", sagte der evangelische Theologe. "Schuld und Bruch gehört zu jeder Biografie."  Auch die Kirchen hätte sich damals schuldig gemacht, indem sie die Verfolgung sogenannter Hexen theologisch legitimierten.

Zaimoglu betonte, dass er sich seit 40 Jahren mit dem Christentum beschäftige. "Luthers Bibelübersetzungen habe ich gelesen." Ulrich wird im Rahmen der Kieler Reihe "Amtskultur" predigen, die 2013 vom Landeskirchenamt gestartet wurde. Die erste Kieler Theaterpredigt hielt Ulrich zu den "Zehn Geboten" des Autoren-Duos Zaimoglu und Senkel sowie des israelischen Theaterautors Shlomo Moskovitz im Jahr 2016. 350 Menschen kamen dafür ins Schauspielhaus.

Seit fast zwei Jahren hält der Landesbischof Theaterpredigten. Im November 2015 setzte er sich im Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin mit dem Schauspiel "Ein Volksfeind" des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen auseinander. Ulrich ist im Erstberuf ausgebildeter Schauspieler. (epd)

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