Pastor Peter Fahr wird Schriftsteller

Hier kommt die Bibel als Roman

Kleine Schrift, merkwürdiges Layout: Die Bibel lädt nicht gerade zum Lesen ein, findet Peter Fahr. Deshalb hat der Pastor das Buch der Bücher neu geschrieben – als Roman.

Peter Fahr zeigt sein Buch „Erzählungen aus Israel“

Peter Fahr zeigt sein Buch „Erzählungen aus Israel“ Foto: Timo Teggatz

von Klaus Merhof

Hamburg. Die Bibel als Roman zum Lesen – das ist das große Projekt von Peter Fahr, Pastor in Hamburg-Duvenstedt. Dafür studiert und übersetzt der 57-Jährige seit fünf Jahren die hebräischen und griechischen Originaltexte des Alten und des Neuen Testaments. Neun Bücher soll sein Bibel-Roman umfassen, und Vieles daran ist völlig anders als bei traditionellen Bibelübersetzungen. 

"Ich kenne wenig Menschen, die die Bibel komplett durchgelesen haben", sagt Fahr. Er findet das "sehr schade", denn es handele sich um Weltliteratur. Gleichzeitig gebe es viele Hindernisse, gern zum "Buch der Bücher" zu greifen. Meistens sei die Schrift zu klein und das Papier zu dünn. Das zweispaltige Layout auf jeder Seite sehe auch nicht aus wie gewohnter Lesestoff.  

Eine literarische Fundgrube

Eine Lesebremse sei vor allem die Nummerierung der Kapitel und einzelnen Verse. Die Ziffern würden zwar dabei helfen, bestimmte Sprüche und Passagen schnell zu finden, aber genau das lasse die Bibel eher zu einem ausschließlich frommen Glaubensbuch werden: "Zum lockeren Durchlesen brauchen wir die Zahlen nicht."  

"Die Bibel ist nicht nur ein religiöses Buch, sondern auch eine literarische Fundgrube", sagt Fahr. Manche der Texte steckten voller Abenteuer und Spannungen. Mit seiner Übersetzung und teilweisen Neuordnung der biblischen Bücher will er traditionelle Vorstellungen und "eingefahrene Gleise" aufbrechen und "manchen Staub von Jahrhunderten kirchlicher Praxis aus den Sätzen blasen". Neue Formulierungen könnten auch neue Zugänge öffnen und die "poetische Qualität" der Texte wieder deutlich machen. 

Die klassischen "Psalmen" des Alten Testaments werden bei Pastor Fahr zu "Tempelliedern", das "Buch der Richter" wird zum "Buch der Ordnungskräfte". Die "Evangelien" heißen bei ihm "Die Jesus-Geschichte". Langatmige Stammbäume, Gesetze oder Kultvorschriften hat Fahr nicht völlig ignoriert, aber vom Fließtext kenntlich abgesetzt. "So lässt sich schnell überblicken, wo die Erzählgeschichte weitergeht." Anmerkungen und Erklärungen, die zum besseren Verständnis nötig sind, finden sich direkt unten auf der Seite und nicht in einem unübersichtlichen Anhang am Ende des Buches. 

Bischöfin begeistert

Drei Bände aus dem Alten Testament liegen bereits vor, zuletzt erschienen die "Erzählungen aus Israel" in zwei Teilen. Das Neue Testament hat der Pastor als Manuskript bereits fertig im Computer, muss es aber noch einmal überarbeiten und in Form und Aufmachung an die bislang erschienenen Bände anpassen. Wenn alles klappt, könnte die Jesus-Geschichte und die "Briefe der Schüler Jesu" bereits im Laufe des nächsten Jahres erscheinen. Danach will sich Fahr wieder dem Alten Testament zuwenden. Geplant sind zwei Bände "Gottesstimmen" (= Propheten) und zwei Bände "Poesie der Bibel". Die Bücher erscheinen im Turmhut-Verlag und sind regulär im Buchhandel erhältlich.

 Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs findet lobende Worte zu dem ungewöhnlichen Projekt des Gemeindepastors. "Endlich eine Bibelausgabe, die geradezu zum Schmökern einlädt", schrieb sie ihm auf den Klappentext der "Erzählungen aus Israel". Die "großartigen biblischen Erzählstoffe" würden wieder "als das angeboten, was sie ursprünglich waren: spannende und kunstvolle Geschichten".  

Oft liegen Bibeln noch in Hotels auf dem Nachttisch neben dem Bett – wie passt da eine neunbändige Neuübersetzung hin? "Gar nicht", sagt Fahr. Aber auch die sieben Bände von Harry Potter hätten dort keinen Platz – weil sie zu breit sind. "Auf den Nachttisch legt man immer nur das aufgeschlagene Buch, in dem man gerade liest – und das geht auch mit meinen Bänden." Die normalen Bibeln im Hotelzimmer blieben dagegen meistens zugeklappt. 

Peter Fahr, in Hamburg geboren, studierte Ev. Theologie und vergleichende Sprachwissenschaften in Hamburg und Tübingen. Nach seinem Vikariat in Hamburg-Eppendorf übernahm er seine erste Pfarrstelle in Kiel. Seit 1993 ist er Gemeindepastor an der Cantate-Kirche in Hamburg-Duvenstedt. (epd)

Info
Das Buch kann in der Evangelischen Bücherstube bestellt werden.
Die Evangelische Bücherstube gehört zur Evangelischen Zeitung.

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