Rede beim Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer

Hamburger Bischöfin Fehrs: Gesellschaft braucht Religion

Religion dürfe aus dem gesellschaftlichen Diskurs nicht eliminiert werden, weil man sich mit ihr nicht mehr auskennt, warnte die Theologin.

Bischöfin Kirsten Fehrs

Bischöfin Kirsten Fehrs Foto: Norbert Neetz / epd

Frankfurt a.M.. Religion kann nach Ansicht der Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs Menschen zusammenhalten. In ihrer toleranten, gemäßigten Form sei Religion "das entscheidende Gemeinschaftsgen, das diese in Parallelgesellschaften erodierende Gesellschaft dringend braucht", sagte die Theologin in Frankfurt am Main beim Jahresempfang des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer. Doch angesichts religiöser Vielfalt brauche es Dialog, "um zu verstehen, was uns fremd ist, und um zu verstehen, was uns eint".

Durch die Flüchtlinge und Zuwanderer im Land "werden wir auf die Tatsache gestoßen, dass wir eben keine allein christliche, sondern auch religiös pluralistische Gesellschaft sind". Religion dürfe aus dem gesellschaftlichen Diskurs nicht eliminiert werden, weil man sich mit ihr nicht mehr auskennt, warnte Fehrs: "Allein der Dialog – nur durch ihn werden wir Frieden halten und die Freiheit würdigen in unserem Land."

Klare Richtung

In ihrem Vortrag zum Thema "Reformation heute – Glaube und Gesellschaft im Dialog" rief die Bischöfin dazu auf, sich im Arbeitsleben an der Lehre Martin Luthers zu orientieren, wonach der Mensch allein aus Gnade und nicht durch Taten zu Gott und einem glücklichen Leben findet. "Um es gut zu machen, machen wir fast alles. Und dies eben nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch im Privatleben", warnte Fehrs vor übertriebenem Eifer. Luther habe gezeigt, dass Leistung nicht alles sei, sondern die Einstellung zur Arbeit entscheide. "Das ganze Leben soll im Dienst Gottes stehen", sagte Fehrs. Jede Tätigkeit sei Gottesdienst, wenn sie mit der rechten Haltung verrichtet werde.

Zugleich habe Luther Arbeit und Wirtschaft eine klare Richtung gegeben, sie solle dem Nächsten dienen, sagte die Theologin. Das gehe deutlich in Richtung einer sozialen Marktwirtschaft. "Nicht der Mensch hat sich am Wirtschaftssystem auszurichten, sondern das Wirtschaftssystem am Menschen", sagte sie vor den christlichen Managern.

Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer versteht sich als Netzwerk protestantischer Unternehmer, Manager und Führungskräfte. Er zählt rund 600 Mitglieder und will als Bindeglied zwischen Kirche und Wirtschaft wirken. (epd)

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