Jens-Martin Kruse, neuer Hauptpastor der Hamburger Hauptkirche St. Petri, im Interview

„Endlich wieder evangelische Kirchenmusik“

Noch arbeitet er als Pastor einer kleinen Gemeinde in Rom, doch das ändert sich bald: Jens-Martin Kruse ist zum Hauptpastor an St. Petri gewählt worden. Im Interview spricht er über seine künftige Aufgabe, italienisches Gemeindeleben und deutschen Glühwein.

Jens-Martin Kruse in seinem Arbeitszimmer in Rom

Jens-Martin Kruse in seinem Arbeitszimmer in Rom Foto: Romano Siciliani / epd

von Timo Teggatz

Vor 500 Jahren ist Martin Luther aus Deutschland nach Rom gepilgert. Sie gehen nun den umgekehrten Weg. Warum?

Ich denke, es ist für Pastoren gut, sich nach einigen Jahren neu zu orientieren und Neues kennenzulernen. Das ist nach zehn Jahren in Rom bei mir der Fall gewesen, und so habe ich mich für diese anspruchsvolle Aufgabe an St. Petri beworben. Und ich glaube, dass ich viel von meinen Erfahrungen in einer kleinen Auslandsgemeinde in eine Hauptkirchengemeinde einbringen kann.

Und was wäre das?

Die kleine Gemeinde in Rom ist sehr lebendig und feiert muntere Gottesdienste. Auch Bildungsarbeit und Gemeinschaft sind uns wichtig. Außerdem spielt die Ökumene durch die Nähe zum Vatikan natürlich eine große Rolle. Auch das passt gut zusammen, weil St. Petri ja als die Ökumenekirche der Stadt gilt.

Wo wollen Sie als Hauptpastor Ihren Schwerpunkt setzen?

Zunächst einmal möchte ich als der Neue natürlich die Gemeinde von St. Petri kennenlernen. Ich habe in meinen Gesprächen schon gemerkt, dass in der Gemeinde immer noch Trauer und Schmerz nach dem Tod meiner Vorgängerin Martina Severin-Kaiser da ist. Darum möchte ich mich kümmern. Dann kommt es darauf an, die Gemeinde so zu gestalten, dass sich auch Menschen für sie interessieren, die keine regelmäßigen Kirchgänger sind. Ihnen muss etwas fehlen, wenn sie nicht in die Kirche kommen. Dazu wollen wir die tolle Lage der Kirche mitten in der Innenstadt nutzen.

Bis zum Jahr 2002 war Ihr Vater Wilfried Kruse vier Jahr lang Hauptpastor an St. Petri. Treten Sie jetzt in seine Fußstapfen?

Nein, das sind zwei völlig unterschiedliche Sachen. Ich habe in meiner Bewerbung natürlich angegeben, dass mein Vater Petri-Hauptpastor war, aber es sollte keine Rolle spielen. Wir sind ja zwei verschiedene Menschen. Aber natürlich haben er und meine Mutter sich gefreut, dass wir aus Rom zurückkehren.

Für Sie und Ihre Familie ist es vermutlich eine große Umstellung, nach zehn Jahren in Italien wieder in den Norden zu kommen.

Das stimmt, allerdings haben wir immer gewusst, dass unsere Zeit in Rom begrenzt ist. Unsere drei Kinder haben Freunde, die ebenfalls regelmäßig umziehen. Deshalb ist es für sie nichts Ungewöhnliches, nun ebenfalls die Koffer zu packen. Und in Hamburg sind wir jedes Jahr im Urlaub gewesen, haben verfolgt, wie sich die Stadt entwickelt.

Was hat denn Hamburg, was Rom nicht hat?

Wir freuen uns sehr darauf, wieder evangelische Kirchenmusik genießen zu können. Die italienischen Kantoren haben ausnahmslos einen römisch-katholischen Hintergrund. Das ist ein großer Unterschied. Außerdem möchten wir Theaterstücke auf Deutsch verfolgen können. Und dann wird uns auf den Weihnachtsmärkten ein Glühwein schmecken. Den gibt’s in Rom im Supermarkt zwar auch, bei 20 Grad schmeckt er aber nicht.

Trinken Sie den Glühwein schon in diesem Jahr als Hauptpastor?

Nein, wahrscheinlich nicht. Ich habe in Italien viele Verpflichtungen, aus denen ich nicht so schnell herauskomme. Und für unsere Kinder wäre es am besten, am Ende des Schulhalbjahres zu wechseln. Das wäre im Februar 2018. St. Petri hat signalisiert, dass dieses Datum passt, denn auch ein Pfarrhaus müssen wir erst noch finden.

Der erste Anlauf zu Ihrer Wahl ist im Juli gescheitert, weil schlichtweg zu wenig Synodale anwesend waren. Haben Sie da nicht daran gedacht, die Bewerbung zurückzuziehen?

Nein, daran habe ich keinen Gedanken verschwendet. In Rom habe ich Geduld gelernt. Ob der Malermeister kommt oder ob man einen Termin bei der Post hat – im ersten Anlauf klappt es fast nie. Darum habe ich die geplatzte Wahl einfach als Missgeschick hingenommen.

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