Kongolesische Pastorin besucht Gefängnisküche in Neumünster

Vom Luxus einer Mahlzeit

Derzeit ist Solange Yumba wa Nkulu Gast des Kirchenkreises Altholstein. Die Pastorin aus dem Kongo besichtigte auch das Gefängnis in Neumünster - und stellte Unterschiede zu ihrer Heimat fest.

Pastorin Solange Yumba wa Nkulu in der Gefängnisküche von Neumünster.

Pastorin Solange Yumba wa Nkulu in der Gefängnisküche von Neumünster. Foto: Inke Pohl

von Inke Pohl

Neumünster. Dreimal musste Pastorin Solange Yumba wa Nkulu ein Visum für ihren Besuch im Kirchenkreis Altholstein beantragen. Zweimal wurde es abgelehnt, dann hat es geklappt. Allerdings kam sie nicht, wie geplant, mit vier weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Evangelisch Lutherischen Kirche in der Demokratischen Republik Kongo, sondern allein. Die anderen Frauen durften nicht einreisen.

Gemeinsames Kochen im Gefängnis

Pastorin Yumba wa Nkulu ist Frauenbeauftragte ihrer Kirche und betreut gemeinsam mit anderen Frauen Gefängnisinsassen. „Einmal in der Woche kochen wir – inzwischen 1000 Portionen“, erklärt die 50-Jährige. Darum war es ihr wichtig, einmal ein deutsches Gefängnis von innen zu sehen. Gemeinsam mit Silke Leng von der Ökumenischen Arbeitsstelle Altholstein und Ina Koppelin, Vorsitzende der Kirchenkreissynode Altholstein, besichtigte sie in der vergangenen Woche die Justizvollzugsanstalt Neumünster.

Dazu gehörte auch der Anblick einer normalen Einzelzelle mit Fernseher, Bett und Waschbecken. „Es ist schon sehr, sehr anders in diesem Gefängnis“, sagt sie. In Lumumbashi schlafen die Männer auf dem Fußboden, 100 Mann in großen Baracken, ohne Möbel und sogar ohne Toiletten. Nur für die wenigen Frauen wurden vor Kurzem Matratzen angeschafft. Auch der Besuchsraum – er ist in Neumünster in der renovierten ehemaligen Gefängniskirche eingerichtet – verbreitet mit frischem Kaffee und einer Spielecke für Kinder fast die Atmosphäre eines Cafés. Auch dies sei weit von der Wirklichkeit der Anstalt in Lumumbashi entfernt, stellt sie fest.

Regelmäßige Mahlzeiten sind im Kongo nicht selbstverständlich

Besonders am Herzen lag Pastorin Yumba wa Nkulu der Besuch in der großen moderen Anstaltsküche. Im Kongo reichen die staatlichen Gelder nicht aus, um die Gefangenen regelmäßig mit Essen zu versorgen. Daher bauen die Freiwilligen immer freitags eine Feuerstelle vor der Gefängnismauer auf. Über offenen Flammen wird in einer Tonne Wasser zum Kochen gebracht, damit zunächst Bohnen eingeweicht werden können. Am nächsten Tag wird dann die eigentliche Mahlzeit zubereitet: Maisbrei mit Bohnen und Zwiebeln, jede Woche aufs Neue. „Die Portionen werden immer kleiner. Es werden immer mehr Gefangene. Die Menschen beginnen zu stehlen, weil sie wegen des Bürgerkriegs ohne Bleibe und Einkommen sind“, so die Pastorin.

Hohe Inflation macht Lebensmittel teurer

Deshalb hat sie eine Vision mitgebracht. „Wir wünschen uns ein Café oder Gästehaus, in dem die Frauen arbeiten und finaziell unabhängig werden“, sagt Yumba wa Nkulu. Der Gewinn daraus könnte auch dazu genutzt werden, die immer teurer werdende Gefangenenspeisung zu finanzieren.

Silke Leng beherbergt die Pastorin derzeit und kennt durch ihre Besuche im Kongo die Situation vor Ort. Es sei bewunderswert, wie die Frauen die Arbeit meisterten und es trotz der immensen Inflation immer schafften, Lebensmittel zu organisieren, meint sie. Der Kirchenkreis Altholstein unterstützt dieses Projekt, wie auch der kirchliche Entwicklungsdienst der Nordkirche, mit jeweils 5500 Euro im Jahr. „Die Kongo-Kirche ist bettelarm“, sagt Silke Leng. „Solange selbst hat seit zwei Jahren kein Gehalt bekommen.“

Dennoch verliert die Kongolesin, die fünf Kinder versorgt, nicht den Mut. „Die Gefangenen freuen sich sehr, wenn wir kommen, sie möchten unseren Segen“, beschreibt sie strahlend. „Sie beten mit uns, und wenn sie im Gottesdienst singen, ist das fast ein bisschen wie im Paradies.“

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