Langzeitarbeitslose verschönern ihren Stadtteil

Projekt gibt Arbeitslosen neuen Mut

Gaarden zählt in Kiel zu den sozialen Brennpunkten. Gerade deshalb wurde hier das Projekt "Erst die Arbeit" für Langzeitarbeitslose gestartet.

Die Elisabethstraße in Kiel-Gaarden. (Symbolbild)

Die Elisabethstraße in Kiel-Gaarden. (Symbolbild) Foto: KarleHorn/wikipedia

von Hartmut Schulz

Kiel. "Ich bin der Zerstörer", sagt Holger H. stolz und grinst. Der Endvierziger zerlegt Holzpaletten. Das ist aber nur ein erster Arbeitsschritt. Holger H. und seine Kollegen und Kolleginnen sind Langzeitarbeitslose mit Suchtproblemen, die im Kieler Stadtteil Gaarden aus den gespendeten alten Holzpaletten Blumenkästen bauen. Darin werden bunte Blumen gepflanzt. Die Kästen werden danach im Stadtteil aufgestellt, vornehmlich an eher tristen Ecken, die dann gar nicht mehr so trist aussehen.

Viele Teilnehmenr haben Suchtprobleme

Der gelernte Gärtner Daniel L. ist auch dabei, macht seit zwei Monaten mit. Sein Alkoholproblem ist er bislang nicht losgeworden, aber weniger trinken ist ja auch schon gut, sagt er. Immerhin schafft er es, während seiner aktiven Arbeit im Projekt "Erst die Arbeit" trocken zu bleiben. Das Projekt wurde im November 2016 von der "stadt.mission.mensch" gestartet, einer Tochtergesellschaft der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Mit im Boot ist das Jobcenter Kiel, das die Frauen und Männer an das Projekt vermittelt und sie weiter finanziell unterstützt.

Mehr Wohlbefinden für Gaardener Bürger

Insgesamt 19 Aktive sind derzeit dabei, 14 Männer und fünf Frauen, berichtet Teamleiter Claas Hollman in der Werkstatt. Sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Gemeinsam mit dem Statteilbüro Gaarden und dem Abfallwirtschaftsbetrieb der Stadt Kiel (ABK) arbeitet die Stadtmission daran, dass stark vermüllte Straßen regelmäßig aufgeräumt werden. Ziel ist es, "ein besseres Wohlbefinden der Gaardener Bürger zu erreichen", betont Hollmann. Bei Bedarf hat die Stadtmission einen heißen Draht zum ABK, die dann anrückt und sich um die nötigen Entsorgungsarbeiten kümmert.
Danach aber sind die Leute von der Mission aktiv. Sie bepflanzen die Holzkästen nicht nur, sondern kümmern sich auch darum, dass die Kästen weiter gepflegt und die Blumen regelmäßig begossen werden. Die Höchstarbeitszeit im Projekt beträgt täglich sechs Stunden, weniger geht aber auch. Das ist schon viel für Menschen, die resigniert immer wieder sagten: "Das schaff ich sowieso nicht", weiß Hollmann.

Vor Arbeitsbeginn wird "gepustet"

Bedingung für die Frauen und Männer im Projekt ist es nicht, dass sie ihre Suchtkrankheit bereits überwunden haben. Allerdings: Bei der Arbeit müssen sie trocken sein. Morgens vor Arbeitsantritt wird gepustet. Wer einen stark erhöhten Wert beim Alkoholtest hat, wird nach Hause geschickt. "Das geht schon aus sicherheitstechnischen Gründen nicht anders", sagt Hollmann. Bislang ist das aber nicht oft vorgekommen. Offenbar machen die meisten Aktiven gerne mit.     
Der 46-jährige Mike S. kann ein Lied davon singen. Der gelernte Maler hat ein Heroin-Problem, befindet sich in einem Programm mit der Ersatzdroge Methadon. "Ich muss das aber nicht mehr jeden Tag haben", sagt er stolz. Für ihn ist klar, dass "Erst die Arbeit" wieder Struktur in seinen Tagesablauf gebracht hat, und dafür ist er dankbar. "Mir macht das Spaß hier. Es ist nicht so spießig, der Chef rennt einem nicht hinterher." (epd)

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