Synode im Kirchenkreis Ostholstein

Kirche bekennt sich zur Mitschuld an Nazi-Verbrechen

Von den Nazi-Verbrechen distanzierte sich die Kirche im Raum Eutin nach dem Zweiten Weltkrieg nicht eindeutig – bis jetzt.

Zu Nazi-Verbrechen schwieg die damalige Landeskirche Eutin lange

Zu Nazi-Verbrechen schwieg die damalige Landeskirche Eutin lange Foto: TheVagabond V.Schaal / Fotolia

Eutin. Nach dem Ende des Nationalsozialismus in Deutschland hatte sich die ehemalige evangelische Landeskirche Eutin nicht zu einer Mitschuld an den Verbrechen der Nazis bekannt. Jetzt haben die 60 Synodalen der Kirchenkreissynode Ostholstein dieses Versäumnis nachgeholt. Sie verabschiedeten auf der jüngsten Synodensitzung in Oldenburg in Holstein einstimmig eine Erklärung, die schuldhaftes Verhalten der früheren Landeskirche Eutin benennt. Zugleich wird eine mangelnde Aufarbeitung der Geschichte bedauert, teilt Kirchenkreissprechern Gabriela Graf mit.

Anlass für die Synodenerklärung ist eine Wanderausstellung, die vom 20. Juni bis 16. Juli in der Eutiner St. Michaeliskirche zu sehen ist. Titel: "Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen." In der Synodenerklärung werden weiter "aktuelle antidemokratische und rechtsextreme Entwicklungen" in der Gesellschaft beklagt.

"Stuttgarter Schulderklärung" nicht mitgetragen

Auf dem Gebiet des jetzigen Kirchenkreises Ostholstein gab es in der Nachkriegszeit die Kirchenkreise Eutin und Oldenburg. In der Erklärung heißt es: "Die Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Ostholstein empfindet Scham darüber, dass sich die ehemaligen evangelisch-lutherischen Landeskirchen im Raum Ostholstein während der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus schuldig gemacht und zu menschenverachtenden Gräueltaten der Nazi-Herrschaft geschwiegen haben."

So habe die ehemalige Landeskirche Eutin nicht nur die "Stuttgarter Schulderklärung" der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) nicht mitgetragen, sondern sich auch sonst "nicht eindeutig vom Unrecht distanziert", heißt es weiter. Es seien sogar ideologisch belastete Pastoren in den Kirchenkreis aufgenommen worden, ohne dass von ihnen verlangt worden wäre, sich vom nationalsozialistischen Gedankengut zu distanzieren. In der "Stuttgarter Schulderklärung" hatten sich am 19. Oktober 1945 Bischöfe und Kirchenpräsidenten zur Mitverantwortung für die NS-Verbrechen bekannt.

Der Kirchenkreis Ostholstein ist einer von insgesamt 13 Kirchenkreisen der Nordkirche. Er erstreckt sich von Stockelsdorf und Bad Schwartau am Stadtrand Lübecks und der Region an der Lübecker Bucht über die östliche Holsteinische Schweiz bis Weißenhäuser Strand, Wagrien und zur Insel Fehmarn. Rund 850 hauptamtliche Mitarbeiter sind aktiv, darunter über 70 Pastoren und zwei Pröpste sowie über 4.000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Sie sind für insgesamt rund 116.000 evangelische Gemeindeglieder in 36 Kirchengemeinden da. (epd)

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