Landesbischof hält Theaterpredigt zu "Luther"

Kein Denkmal-Sockel für den Reformator

Luther sei ein Kind seiner Zeit gewesen, und die wäre geprägt gewesen von der Angst vor dem Bösen, sagte Gerhard Ulrich.

Landesbischof Gerhard Ulrich

Landesbischof Gerhard Ulrich Foto: Sönke Dwenger / Nordkirche

Kiel. Nordkirchen-Landesbischof Gerhard Ulrich hat vor einer "geistigen Verbrennung durch menschenverachtende Aussagen, Hass, Bloßstellung, Rassismus und andere Tabubrüche" gewarnt. "Die gute alte Ordnung der Humanität, der Toleranz und des Respekts droht aufgekündigt zu werden an der Außengrenze der Europäischen Union und im eigenen Land", beklagte Ulrich  im Kieler Schauspielhaus. Der evangelische Theologe hielt eine Theaterpredigt während einer Vorstellung des Stücks "Luther" von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel. 

Der Landesbischof mahnte, den Reformator Martin Luther nicht als Helden auf einen Denkmalsockel zu stellen. Vielmehr sei der Reformator "ein Kind seiner Zeit, die geprägt war von der Angst vor dem Bösen". Das Stück hatte am 7. und 8. Oktober Premiere. Es war als Kooperation des Schauspiels Kiel und "Amtskultur", der Kulturreihe des Landeskirchenamtes der Nordkirche, zum 500-jährigen Reformationsjubiläum entstanden.

Aufstand durch das Gebet

Zu Luthers Zeit, so Ulrich, habe der Teufel für die Menschen in der Pest und anderen unbesiegbaren Krankheiten, in Hunger und Armut konkret Gestalt gehabt. Dem sei aus Sicht des Reformators keine weltliche Macht gewachsen gewesen, sondern nur Gott allein. "Deshalb ist der Aufstand gegen das Böse bei Luther ein geistiger Aufstand durch das Gebet und Gottes Wort ohne Waffengewalt."

Ulrich räumte ein, dass Luther dennoch zu Waffengewalt gegen Papst, Türken und Teufel aufgerufen habe. Angesichts der totalen Vernichtung, mit der gegenwärtig erneut Mächtige einander drohen, bezeichnete der Landesbischof es als ein wichtiges Zeichen der Gewaltunterbrechung, dass der diesjährige Friedensnobelpreis der Initiative zur Abschaffung der Atomwaffen verliehen wurde. 

Mit "Luther" hat der Essayist und Dramatiker Feridun Zaimoglu gemeinsam mit seinem Co-Autor Günter Senkel nach dem ersten Teil  des Stücks "Die Zehn Gebote" (2016) erneut ein historisch-religiöses Thema für die Bühne erarbeitet. Dabei knüpfen die Autoren thematisch an den aktuell erschienenen Luther-Roman "Evangelio" von Zaimoglu an. Während im Roman Luthers Arbeit an der Bibelübersetzung auf der Wartburg 1522 im Zentrum steht, spielt das Stück 18 Jahre später in Wittenberg.  

Luther ist in dem Stück ein verheirateter Familienvater, die Zeiten sind unruhig und aufgeheizt. Als ein sehr heißer Sommer zu Ernteverlust und Wasserknappheit führt, braucht man einen Schuldigen – es kommt zu einem Hexenprozess. Die Schilderung des Prozesses beruht auf historischen Tatsachen. Die Anwesenheit der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon während des Prozesses in Wittenberg ist dagegen fiktiv. Tatsächlich weilte Luther zu der Zeit bei dem erkrankten Melanchthon in Eisenach. (epd) 

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