Analyse von Unternehmensberatung

Katholisches Erzbistum Hamburg überschuldet

Die Situation ist schlechter als gedacht, sagen Unternehmensberater. Doch Erzbischof Heße bleibt optimistisch.

Der Hamburger Mariendom mit einer Statue von Papst Johannes Paul II.

Der Hamburger Mariendom mit einer Statue von Papst Johannes Paul II. Foto: Stephan Wallocha / epd

Nach Einschätzung der Unternehmensberatung Ernst & Young sind im Erzbistum Hamburg weiter massive Veränderungen und Reformen notwendig. Die Diözese sei überschuldet und habe über ihre Verhältnisse gelebt, heißt es in einem Bericht, den das Erzbistum Hamburg am Montag nach Abschluss eines dreimonatigen Beratungsprozesses auf seiner Homepage veröffentlichte.

Demnach weist die derzeitige Bilanz des Bistums eine Überschuldung von 79 Millionen Euro auf. Wenn alles so weiter laufe wie bisher, würde sich das Defizit bis zum Jahr 2021 auf 353 Millionen Euro erhöhen, so der Bericht. Selbst mit bereits ergriffenen und geplanten Maßnahmen könnten die Schulden nur um 32 Millionen Euro reduziert werden. Dazu gehört beispielsweise die Zusammenlegung der bestehenden drei Caritasverbände, die Erhöhung des Schulgelds an den katholischen Schulen sowie ein sozialverträglicher Stellenabbau im Generalvikariat.

Schließungen vorgeschlagen

Laut Bericht schlagen die Berater daher unverbindlich vor, in den Pfarreien weitere Gebäude aufzugeben sowie Schulen und soziale Einrichtungen zu schließen. Im Bereich der Kitas, die größtenteils dezentral von den Pfarreien betrieben werden, müsse über eine Neuausrichtung der Betreiberstruktur nachgedacht werden.

Trotz der drastischen Analysen zieht die Diözese ein optimistisches Fazit: "Bei einem gemeinschaftlichen Handeln im Erzbistum Hamburg kann die wirtschaftliche Überschuldung überwunden werden", heißt es am Ende des Berichts.

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße hat mit Zuversicht reagiert. Die wirtschaftliche Gesundung des Erzbistums könne gelingen, sagte er. Sein Ziel sei, "mit weniger Geld eine lebendige Kirche zu sein". Im Erzbistum werde nun mit Nachdruck an Entscheidungen gearbeitet, kündigte Generalkvikar Ansgar Thim an.

Zahl der Kirchenmitglieder sinkt

Die Berater von Ernst & Young waren drei Monate lang im Erzbistum Hamburg tätig, um Perspektiven für die wirtschaftliche Konsolidierung zu erarbeiten. Auf Grundlage der Ergebnisse will das Bistum einen "Wirtschaftlichen Orientierungsrahmen" erstellen, in den auch pastorale Erwägungen mit einfließen sollen.

Das Erzbistum Hamburg befindet sich bereits seit Ende 2016 in einem sogenannten "Erneuerungsprozess". Hintergrund ist die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder. In den vergangenen Monaten waren bereits die Strukturen der katholischen Schulen neu geregelt worden. Die bisher 80 Pfarreien werden derzeit zu 28 Pastoralen Räumen zusammengelegt.

Das 1995 gegründete Erzbistum Hamburg ist die jüngste und flächenmäßig größte katholische Diözese in Deutschland. Sie umfasst Hamburg, Schleswig-Holstein und den Landesteil Mecklenburg und zählt gut 400.000 Katholiken. (KNA)

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