Vakante Pfarrstelle auf Amrum

Gesucht wird: Selbstbewusster Pastor mit dickem Fell

Robust und stabil sollte sein, wer die Pfarrstelle in Nebel auf Amrum übernehmen möchte. Bis die Kirchengemeinde einen neuen Pastor gefunden hat, übernimmt Thurid Pörksen die Seelsorge auf der Nordseeinsel – sie kennt die Eigenheiten des Eilands.

Die St.-Clemens-Kirchengemeinde auf Amrum sucht einen neuen Pastor.

Die St.-Clemens-Kirchengemeinde auf Amrum sucht einen neuen Pastor. Foto: Thorge Rühmann/Undine Bischoff

von Thorge Rühmann
und Undine Bischoff

Nebel/Amrum. "Mit den Alten schnacken". Das antwortet Thurid Pörksen zuerst auf die Frage, welche die wichtigsten Aufgaben des Seelsorgers auf Amrum sind. Auf Platz zwei steht die Bibelstunde für Touristen, an dritter Stelle nennt die Pastorin die Arbeit mit den Konfirmanden. Die 71-Jährige ist vertretungsweise als Seelsorgerin auf der Insel eingesprungen, bis die vakante Pfarrstelle in der St.-Clemens-Kirchengemeinde wieder besetzt ist.

Thurid Pörksen ersetzt seit April den vorigen Pastor Georg Hildebrandt. Sie ist für die Insulaner keine Unbekannte: Sie war 15, als ihre Mutter mit der Familie nach Süddorf auf Amrum zog. Pörksen besuchte damals ein Internat in Niebüll, um Abitur zu machen. Mit 17 heiratete sie Knut, den Sohn des damaligen Inselpastors Erich Pörksen. Später begann sie, Theologie zu studieren – und wurde vom Schwiegervater mit den Worten "Auf meine Kanzel kommt keine Frau" bedacht. Thurid Pörksen heiratete später erneut – einen Pastor, mit dem sie unter anderem auf Rügen und für fünf Jahre in der Tourismusseelsorge auf den kanarischen Inseln aktiv war.

Miteinander auf Augenhöhe

Auf Teneriffa erhielt sie Mitte März eine Anfrage des Kirchenkreises Nordfriesland: "Propst Bronk fragte, ob ich nicht einspringen könnte", erzählt Pörksen. Und setzt hinzu: "Bei Amrum braucht man mich nicht lange zu fragen". Am 1. April dieses Jahres begann ihr Dienst auf der Nordseeinsel.
"Das Tolle ist – die Kirche ist immer voll", freut sich Pörksen und gibt zu, dass sie das sehr erstaunt habe. Die Amrumer und die Inselbesucher ergäben gemeinsam ein "interessiertes, waches" Kirchenpublikum. Mit den Konfirmanden besucht sie alte Insulaner, die dann von ihrer oft bewegten Verganenheit als Kapitäne oder Widerständler gegen das Nazi-Regime berichten. "Es gibt ein Miteinander, das auf Augenhöhe funktioniert", sagt Thurid Pörksen.

Ein Mix aus Tradition und Moderne

Die Pastorin wünscht sich einen selbstbewussten Nachfolger. "Einen, der ein richtig dickes Fell von der guten Sorte hat und richtig stabil ist". Denn auf Amrum geht es darum, neben der ländlichen, alteingesessenen Kirchengemeinde auch die Belange der Urlauber im Blick zu haben, das sind immerhin rund 200 000 im Jahr.
Diesen Balanceakt spricht auch Propst Kay-Uwe Bronk, zuständig für den nördlichen Teil des Kirchenkreises Nordfriesland, an. Es gehe darum, beiden Bereichen gerecht zu werden, "mit einem guten Mix aus Tradition und Moderne", so Bronk. Für die Pfarrstelle in Vollzeit ist keine Lockerung der Residenzpflicht vorgesehen. Eine Herausforderung sei auch die Fährverbindung zwischen Insel und Festland.

Es gibt drei Bewerber für die Stelle

Pastorenfamilien mit Kindern im schulpflichtigen Alter dürften diese Bedingungen wenig attraktiv scheinen. Mit Blick auf die drei Bewerbungen, die dem Kirchenkreis vorliegen, ist Bronk dennoch zuversichtlich, die Stelle bald besetzen zu können. "Ich gehe davon aus, dass wir Anfang des kommenden Jahres einen neuen Pastor auf Amrum haben; vielleicht sogar schon zu Weihnachten".
Welcher Seelsorger ins Amrumer Pfarrhaus einzieht, entscheidet der Kirchengemeinderat in Nebel. Er lädt die Bewerber zu Gesprächen und zum Predigen ein, daraufhin wird ein Kandidat ausgewählt, der künftig für die rund 1000 Gemeindemitglieder zuständig sein wird.
Bis dahin steigt Thurid Pörksen weiter sonntags in die Kanzel der St.-Clemens-Kirche. Sie ist und bleibt Amrum eng verbunden, freut sich aber auch auf ihr Zuhause in Rodenäs. Das Erste, was sie sich nach ihrer Zeit auf der Insel vorgenommen hat: "Neue Hühner kaufen, die alten musste ich ja verschenken".

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