Betreuer-Team der Via Jutlandica wechselt

Auf den Spuren der Pilger

Den Pilgerweg nach Santiago de Compostela kennt fast jeder. Weniger bekannt ist die Via Jutlandica von Schleswig nach Lübeck. Zehn Jahre lang haben Thomas Werner und Wiebke Fischer hier für die Infrastruktur gesorgt. Jetzt hören sie auf.

Wiebke Fischer befestigt in Schleswig neue Aufkleber als Wegweiser für die Pilgerstrecke

Wiebke Fischer befestigt in Schleswig neue Aufkleber als Wegweiser für die Pilgerstrecke Foto: Inke Pohl

von Inke Pohl

Schleswig. Dankbarkeit. Vertrauen. Und Demut. Es sind diese Gefühle, die Thomas Werner aus Rieseby auf seinen zahlreichen Pilgerwanderungen als wichtigste Erfahrung mitgenommen hat. Er war schon auf den Spuren der Jakobspilger am Bodensee und in der Schweiz unterwegs, in Norwegen auf dem Olavsweg und auf vielen anderen Routen. Ein Weg, fast vor der Haustür, liegt dem 54-Jährigen besonders am Herzen: die Via Jutlandica von Schleswig nach Lübeck. „Diese Strecke ist der Weg der Jakobspilger, die sich im 12. und 13. Jahrhundert im Norden aufgemacht haben, um nach Santiago de Compostela zu gelangen“, erklärt er.

Vor zehn Jahren, kurz nachdem Hape Kerkeling mit seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ die Pilgerwelle auslöste, traf Werner auf andere Interessierte im Kieler Raum, gemeinsam gründeten sie eine Pilgergruppe. Dazu gehörte auch Wiebke Fischer aus Schellhorn. Sie war damals dabei, die Strecke der Via Jutlandica zu rekonstruieren, geeignete Wege festzulegen, Pilgerstationen aufzutun und Herbergen entlang des Weges zu finden. „Es ist eine wunderschöne, naturnahe Strecke, die viele Relikte der Jakobspilger aufweist“, so Werner.

Gelbe Muschel auf blauem Grund

Schon bald entstand bei den beiden der Wunsch, hierfür eine Infrastruktur zu schaffen, den Weg für andere publik zu machen. Sie begannen, Schriftstücke aufzusetzen, einen Flyer zu entwerfen und eine Broschüre zu drucken, die den Zuweg von Flensburg nach Schleswig beschreibt. Sogar ein Buch über die Via Jutlandica hat Thomas Werner gemeinsam mit Pilgerfreund Gerhard Wolff herausgegeben. Es ist auch eine Art Erkennungszeichen. „Es ist wunderschön, auf den Strecken Menschen zu begegnen, denen das schmale­ Büchlein oder der Flyer aus der Hemdtasche ragt“, sagt er.

Die ersten Aufkleber, die den Weg markieren, waren noch gespendet: gelbe Muschel auf blauem Grund. Später reichten die geringen Erlöse durch den Buchverkauf für diese Ausgaben. Jetzt, nach zehn Jahren, geben Thomas Werner und Wiebke Fischer die Betreuung der Strecke in andere Hände. „Es hat unglaublichen Spaß gemacht. Es kam immer mehr heraus, als ich eingebracht habe“, sagt Werner im Rückblick. Doch jetzt sei für ihn persönlich Zeit, etwas Neues zu beginnen.

Nachfolger in den Startlöchern

Künftig wird Martin Gottschewski von der Deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft Ansprechpartner für Pilger und Herbergseltern auf der Strecke sein. Auch Fred Hasselbach, der mit der weiter westlich verlaufenden Strecke nach Glückstadt vertraut ist, ist für Fragen von Pilgern offen.

Wiebke Fischer hat sich vom Schleswiger Bahnhof noch einmal auf den Weg gemacht, um Flyer zu verteilen und fehlende Markierungen zu erneuern. Schon nach wenigen Metern versperrt eine Baustelle den Wanderweg, der den Pilgern als Einstieg dient. „Ach, hier können die Leute den Weg trotzdem gut finden“, sagt sie. Unter Pilgern gilt sowieso der Satz: Sich zu verlaufen, gehört dazu.

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