Reformatorische Kunst

Neues Buch erklärt die Werke Ludwig Münstermanns

Er steht für reformatorische Kunst in dedr oldenburgischen Kirche: der Bildhauer Ludwig Münstermann. Jetzt ist ein Buch über ihn erschienen.

Rolf Schäfer beschäftigte sich lange mit dem Werk des Bildhauers

Rolf Schäfer beschäftigte sich lange mit dem Werk des Bildhauers Foto: Kerstin Kempermann

von Kerstin Kempermann

Oldenburg. Wenn es um reformatorische Kunst geht, dann ist in der oldenburgischen Kirche vor allem Münstermann zu nennen. „Die Reformation kam erst 1527 nach Oldenburg. Die meisten Kunstwerke des 16. Jahrhunderts in der oldenburgischen Kirche sind vorher entstanden. Erst mit Münstermann hat ein großer genialer Künstler reformatorische Kunstwerke geschaffen“, macht der frühere Oberkirchenrat Rolf Schäfer auf die große Bedeutung des Künstlers für die Kirchen in oldenburgischen Kirche aufmerksam. Für ein neues, umfassendes Buch über den Bildhauer hat sich Schäfer erneut intensiv mit den Andachtsbildern Münstermanns auseinandergesetzt und die religiösen Inhalte der Bilder beschrieben.

„Den Hauptteil des Buches hat Dietmar J. Pohnert verfasst. Er liefert damit ein Werk, das für jeden, der sich heute mit Münstermann beschäftigen möchte, die Grundlage bietet“, betont Schäfer. Alle bekannten Kunstwerke Münstermanns seien detailliert beschrieben und durch Rechnungen und alte Akten seien auch Informationen über nicht mehr vorhandene Kunstwerke gesammelt. Münstermanns Werke seien Zeugnisse der lutherischen Glaubenslehre und für die damalige Zeit sehr wichtig, erläutert Schäfer. Auch wenn einige Zeit dazwischen liege, sei Münstermann stark durch Lucas Cranach beeinflusst. Vor allem von dessen Nebeneinanderstellung von Gesetz und Gnade.

Schwieriger Stil

Schäfers Begeisterung für Münstermann begann, als er 1971 als Oberkirchenrat zur oldenburgischen Kirche kam und in den Kirchen der Wesermarsch und in Varel Münstermanns Werke begegnete. „Anfangs hatte ich allerdings große Schwierigkeiten mit Münstermanns Werken“, gibt Schäfer offen zu. Das lag vor allem am manieristischen Stil, der zu Münstermanns Zeit für den Protestantismus üblich war. „Diesen Stil empfinden wir heute manchmal als unschön, da die Figuren oft eine gepflegte Hässlichkeit zeigen.“ Das habe aber das Volk angesprochen, das nicht unserem heutigen Schönheitsideal entsprach, sondern schon früh von Altersspuren gezeichnet gewesen sei. So fühlten sich die Betrachter von den Bildern angesprochen.

Nicht nur in dieser Hinsicht müsse man Münstermanns Kanzeln, Altäre und Taufsteine als Werke ihrer Zeit sehen, betont Schäfer. Auch viele Details ließen sich nur im Zusammenhang mit der damaligen Kunst verstehen. „Das uns diese Zeit fremd ist, hat leider auch zu Fehlern bei der Restauration geführt“, berichtet er. Deutlich werde das etwa an der Mondsichelmadonna, wie sie in der katholischen Kirche genannt wird. Diese Frau, die in der Johannesapokalypse beschrieben wird, ist auch in Rodenkirchen und Varel zu sehen. Doch obwohl sie in der Bibel mit einer Krone mit zwölf Sternen beschrieben wird, wurde die Krone bei Restaurationen entfernt, da die Figur für einen Engel gehalten wurde.

Wie eng Münstermanns Werk mit Luthers Glauben verbunden war, zeigt Schäfer an einem anderen Beispiel auf. Und zwar an dem Lied „Nun freut euch liebe Christen g’mein“, das Luther 1523 schrieb. Dieses Lied sei Vers für Vers die Anleitung für die Planung der Bilder an der Münstermannkanzel in Rodenkirchen. Und so ist das Buch über Münstermann, das Ende Oktober erschienen ist, für Schäfer auch ein oldenburgischer Beitrag zum Reformationsjubiläum. 

Info
Das Buch kostet 99 Euro und kann in der Evangelischen Bücherstube bestellt werden.
Die Evangelische Bücherstube gehört zur Evangelischen Zeitung.

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