Kinder- und Jugendhilfe

Erziehungsstellen bieten Kindern neues Zuhause

Hier ist immer etwas los: Das Ehepaar Felis hat als Erziehungsstelle drei Kinder bei sich zuhause aufgenommen.

Anika und Jan Felis mit Hund Bina vor der Matschküche der Kinder.

Anika und Jan Felis mit Hund Bina vor der Matschküche der Kinder. Foto: Diakonie im Oldenburger Land

Oldenburger Land. Vom Taschengeld über die Bekleidung bis zu
den Hobbys - Was in normalen Familien mit Kindern selbstverständlich ist,
darüber müssen Anika und Jan Felis Listen führen und Berichte schreiben.
Denn die beiden sind nicht nur Eltern zweier kleiner Mädchen. Als
Erziehungsstelle haben sie drei Geschwister bei sich zuhause aufgenommen.
"Das heißt familienanaloge Wohnform", nennt Anika Felis auch die
Fachbezeichnung. Das Ehepaar hat bereits langjährige Erfahrung in der
Jugendhilfe.

Pädagogische Betreuung im familiären Umfeld

"Viele wissen gar nicht, dass es Erziehungsstellen gibt und was diese
Arbeit bedeutet", berichtet  Jan Felis. "Erziehungsstellen kommen im
Gegensatz zu Pflegefamilien immer dann zum Einsatz, wenn besondere
pädagogische Betreuung notwendig ist. Gleichzeitig bleibt eine
Familiensituation möglich", erläutert Katrin Gehlich. Sie ist
Bereichsleiterin für die Erziehungsstellen in der Jugendhilfe Collstede.
Anika und Jan Felis hatten sich für diese diakonische Einrichtung
entschieden, als der Entschluss feststand, Erziehungsstelle zu werden. "Die
Diakonie war unsere Wahl, weil wir uns hier gut beraten fühlen", betonen
beide. Außerdem loben sie die Unterstützungsangebote. Denn neben der
Supervision bekommen sie über die Jugendhilfeeinrichtung auch Unterstützung
bei organisatorischen Dingen, wie etwa der Anmeldung an einer Förderschule.
Und über das Freizeitpädagogen-Team der Einrichtung werden auch
Ferienfreizeiten für die Kinder angeboten. Für beide ist nach den ersten
Monaten klar: Die Erziehungsstelle ist genau die richtige Arbeit für sie.
Dass es dabei neben dem Lachen und der Freude auch mal Streit und
Traurigkeit gibt, wissen beide. "Das ist hier, wie in jeder anderen Familie
auch. Und die besondere Aufmerksamkeit, die unserer aufgenommenen Kinder
brauchen, geben wir ihnen gerne", betonen beide.

Fünf Kinder füllen das Haus mit Leben

Anika und Jan Felis haben sich diesen Schritt genau überlegt. "Natürlich
ist es etwas Besonderes die Kinder bei sich zuhause aufzunehmen. Aber in
der Einrichtung, in der wir vorher gearbeitet haben, hatten wir auch eine
Wohnung bei unserer Gruppe. Unsere beiden Mädchen kannten es also schon,
immer andere Kinder um sich zu haben." Nun füllen die fünf Kinder das Haus
der Familie mit Leben. "Hier ist immer etwas los", freuen sich die beiden.
Ob in der Matschküche im Garten, bei schlechtem Wetter im Spielkeller oder
vor dem Schneckenaquarium überall sind die Kinder und ihre Freunde
anzutreffen. "Das Schneckenaquarium war ein Wunsch der Kinder. Mittlerweile
bringen auch Freunde ihre Schnecken vorbei", berichtet Anika Felis.

Gemeinsam geben die beiden den drei Geschwistern ein neues Zuhause. Dennoch
wissen sie: "Diesen Kindern fällt es durch die Erfahrungen, die sie gemacht
haben, schwer Bindungen einzugehen. Man muss es aushalten können, dass egal
wie viel Liebe man investiert, diese vielleicht nicht zurückkommen wird."
Doch das sich die Kinder in ihrem neuen Umfeld sehr wohlfühlen zeigen nicht
nur die Bilder, die sie für Anika und Jan - so nennen sie die beiden auch -
gemalt haben. Gemeinsam haben sich die sieben auch entschieden, noch ein
tierisches Familienmitglied aufzunehmen. Und so gehört seit einigen Wochen
auch die Mischlingshündin Bina zur Familie.

Auch die Familie um Anika und Jan Felis unterstützt die Arbeit der beiden.
"Bei Familienfeiern wird extra gesagt, dass wir natürlich alle eingeladen
sind. Wenn meine Eltern zu Besuch kommen, freuen sich alle fünf Kinder
sehr", berichtet Anika Felis. Und wenn sie beim Einkaufen gefragt wird, ob
das alle fünf ihre seien, dann sagt sie mit Überzeugung ja.

Elterntermine, Gerichtstermine und Gespräche

Die drei Geschwister leben bereits seit Dezember in der Erziehungsstelle.
"Wir sind damals zusammen in das Haus eingezogen und konnten so den
Neuanfang gemeinsam gestalten", erzählt Jan Felis. Denn die drei sind die
ersten Kinder, die das Ehepaar bei sich aufgenommen hat. "Idealerweise
bleiben sie bei uns, bis sie 18 sind. Aber sicher ist das bei
Erziehungsstellen nie", erzählt Anika Felis. Neben der Arbeit mit den
Kindern gehören auch Elterntermine, Gerichtstermine und Gespräche mit dem
Jugendamt und dem Vormund zur Arbeit dazu. Insgesamt gibt es in der
Jugendhilfe Collstede derzeit 15 Erziehungsstellen, die ein bis drei Kinder
aufnehmen können. "In allen Erziehungsstellen zusammen haben wir
30 Plätze", berichtet Gehlich. Regelmäßig findet in der Gruppe ein professioneller
Austausch statt.

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